Wiener Konzerthaus: Meisterstimmen: PIOTR BECZALA – 25.9.2026
Von Wagner über Verismo auf brillantem Weltklasse-Niveau

Fotos: Igor Ripak
Die universale Bewunderung für das „Phänomen“ Piotr Beczala kann man nicht genug hervorheben: nicht nur an die tenorale Weltspitze zu gelangen (und das sowohl im Wagner- als auch im italienischen Fach!), sondern dieses allerhöchste Topniveau jahrelang – ja über Jahrzehnte – auch noch mit fast 60 Jahren zu halten, das muss ihm derzeit erst einmal jemand anderer nachmachen. Egal ob an den wichtigsten internationalen Opernhäusern oder auf der Konzertbühne, ob bei seinem kommenden Parsifal-Debüt im März an der Wiener Staatsoper oder ebendort als Chénier in der Juni-Reprise: hier trifft herrliche Stimmschönheit auf geniale Technik, allumfassende Musikalität verbindet sich mit stärkster Ausdruckskraft.
Das Programm ist mit Richard Wagner vor der Pause und Giacomo Puccini und Umberto Giordano im zweiten Konzertteil klug zusammengestellt. Schon am Konzertbeginn begeistert der Kammersänger mit der Lohengrin-Gralserzählung „In fernem Land“ mit wunderschöner Phrasierungskunst und triumphalen heldischen Klängen und präsentiert einen Schwanenritter mit präzisierter Wortdeutlichkeit und großem Schmelzreichtum. Kraftvoll und ohne jegliche sichtbare Anstrengung wird das ORF Radio-Symphonieorchester (in typischer Richard Wagner-Stärke unter dem etwas nuancenschwachen Dirigenten Marco Boemi, der vor allem zu viel Pomp und Trara zulässt) bei dem Preislied des Stolzing „Morgendlich leuchtend“ vom Polen überstimmt. Rienzis Gebet „Allmächtiger Vater, blick herab!“ berührt trotz leicht bemerkbarer vokaler Zurückhaltung, während die stimmliche Souveränität in allen Lagen bei Siegmunds Liebeslied „Winterstürme wichen dem Wonnemond“ aus „Die Walküre“ „in mildem Lichte und Wunder webend“ betört.

Piotr Beczala. Foto:Igor Ripak
Nach der Pause steigert sich der Startenor nochmals (falls dies überhaupt möglich ist) und beweist im Verismo-Fach seine ausgezeichneten Ausnahmequalitäten. Ohne Notenpult blitzt das leuchtende Timbre mit „le stelle“ der „Tosca“-Sternenarie um die Wette – im Duett mit wunderbarer Klangschönheit der Klarinette. Beim Bildervergleich „Recondita armonia“ erblühen Cavaradossis Emotionen zu anschwellenden, kraftvollen Höhen. Traumhafte unendlich-gesungene Bögen „bis zum Firmament“ und leidenschaftliche Ausbrüche zeigt der Sänger als Andrea Chénier mit „Un dì all´azzurro spazio“ und zeichnet zärtlichste Frühlingstage-Farben bei „Come un bel dì di maggio“. Einfach sensationell und sooo schön!
Die drei Zugaben führen von der polnischen Oper „Halka“ von Stanislaw Moniuszko über Giordanos „Fedora“-Tenorarie zur heißumjubelten Wiederholung von „E lucevan le stelle“ wieder im klangschönen Duett mit der exzellenten Klarinette.
Eine konzertante Sternenstunde lässt die Rezensentin glücklich schweben!
Susanne Lukas

