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WIEN/ Konzerthaus: LIDERABEND KATE LINDSEY/ HELMUT DUTSCH. Lindsey goes Lied

09.06.2026 | Konzert/Liederabende

8.6. Konzerthaus/Mozart-Saal Kate Lindsey – Helmut Deutsch

Lindsey goes Lied

ageK
Kate Lindsey. Fo: Agentur

Die vielbeschäftigte US-amerikanische Mezzosopranistin Kate Lindsey hat dem österreichischen Opernpublikum schon viel Freude gemacht, so beispielsweise gemeinsam mit Sonya Yoncheva als famoses Intrigantenpaar Poppea und Nerone in Salzburg, oder in diversen Mozartrollen sowie als Octavian an der Wiener Staatsoper. Nunmehr gibt sie gemeinsam mit dem Altmeister der Liedbegleitung Helmut Deutsch anlässlich dessen 80. Geburtstags einen Liederabend im Mozart-Saal, bei dem sie sich der Hoch- und Spätromantik verschrieben hat.

In ihrem ambitionierten Programm widmet sie sich mehreren Liedern Robert Schumanns, darunter auch der Vertonung von Gedichten, die angeblich Maria Stuart selbst geschrieben hat – eine Reminiszenz an ihre 2025 in Salzburg erfolgreich an der Seite von Lisette Oropesa verkörperte Elisabetta in Donizettis Maria Stuarda. Dazu kommen vier Mignon-Lieder in der Vertonung von Hugo Wolf, sowie Spätromantisches von Korngold, seinem Lehrer Zemlinsky und Joseph Marx, einem weniger bekannten österreichischen Komponisten des 20. Jahrhunderts mit einer etwas zweifelhaften Rolle während der Nazi-Herrschaft, der sich mehr tonale denn atonale Klänge zu eigen gemacht hat.

Alles in allem ein spannendes, schönes und edles Programm, voll kostbarer Klänge, bei dem die Liedsängerin Kate Lindsey allerdings nicht immer an das Niveau der Opernsängerin Kate Lindsey herankommen kann: Zugute zu halten ist ihr ihre hervorragende Diktion, ihr akzentfreies Deutsch, ihre elegante Erscheinung, ihr Charme und ihr sympathisches Charisma. Außerdem versteht sie es, die schwüle Fin-de-siècle-Atmosphäre, von der viele der dargebotenen Lieder durchdrungen sind, glaubhaft über die Rampe zu bringen.

In sängerischer Hinsicht nimmt sie ihre Stimme zu oft zurück, diese klingt dann dünn und  nicht sehr facettenreich. Vieles tönt künstlich gedehnt, gehaucht, nasal und dazu vor allem in den Höhen nicht immer intonationssicher. Insgesamt fehlt es an Wärme. Besonders bei Schumanns Lied-Meisterwerken mangelt es an runderen, volleren Klängen. Bei Korngold ist sie mehr zu Hause, hier gestaltet sie vor allem dessen „Sterbelied“ eindrucksvoll. Überall dort punktet sie mehr, wo Dramatik ins Spiel gebracht wird, und sie so ihre Bühnenerfahrung einsetzen kann.

Über Helmut Deutsch’ Liedbegleitungskunst ist schon alles gesagt worden, was es zu sagen gibt: Souverän auf Augenhöhe ist er vielmehr Partner als Begleiter. Besonders eindrucksvoll gelingt dies bei Hugo Wolf.

Alles in allem ein durchaus interessanter Abend, der spannende Begegnungen mit dem Liedgut der Spätromantik neben viel Bekannten von Schumann und Wolf zu bieten hat, dies mit einer Künstlerin, deren Stärken wohl noch mehr auf den großen Opernbühnen der Welt liegen.

Sabine Längle

 

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