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WIEN/ Konzerthaus: LE NOZZE DI FIGARO unter Currentzis. Mit tänzerischer Leichtigkeit

05.09.2019 | Oper

Wien

Konzerthaus

„LE NOZZE DI FIGARO“ UNTER CURRENTZIS: MIT TÄNZERISCHER LEICHTIGKEIT (5.9.2019)

Der eigentliche Wiener Opern-Herbst-Start 2019 fand nicht am Ring und auch nicht am  Währinger Gürtel statt. Die Tafel „Suche Karte“ war besonders häufig vor dem Konzerthaus zu finden: der „rising star“ der Dirigenten – der griechische Wahlrusse Teodor Currentzis –  begann am Donnerstag seinen Da Ponte-Zyklus mit Wolfgang Amadeus Mozart’s „Le Nozze di Figaro“.


Teodor Currentzis/ Foto: Wiener Konzerthaus

Und der Erfolg war enorm. Der Siegeszug von Currentzis geht also weiter! Was macht seinen Erfolg aus: in erster Linie ist es die tänzerische Leichtigkeit, mit der er auch „Gassenhauer“ der Operngeschichte so frisch und unkonventionell zu Leben erwecktt, dass man vermeint bei der Uraufführung im Jahr 1886 Zaungast zu sein. Vor allem sein Orchester „musicAeterna“, das er in Perm aufgebaut hat – ebenso wie den gleichnamigen Chor – vermittelt so viel Lust und unmittelbare Spielfreude, dass man das Gefühl hat, jeder der mitwirkenden Musiker wurden von Currentzis persönlich ausgebildet. Die vorwiegend jungen Streicher spielen stehend, springen und winden sich – Musik als Brücke zwischen Disziplin und Spontanäität. Einfach hinreissend! Und eines wird rasch deutlich. Die fehlende Inszenierung geht wirklich nicht ab. Man spielt „Figaro“ – wie so oft in der Gegenwart. Aber die Solisten laufen auch in den Publikumsbereich, verstecken sich hinter den Orchester-Musikern. Und sie flirten auf Teufel komm raus. Oper zum Angreifen sozusagen.

Die Besetzung scheint mir das Hauptproblem zu sein: das Prinzip von Teodor Currentzis sprengt Kollektivverträge, verhindert den Einsatz von -ausgebuchten – Stars. Man wird ja bald wissen, ob der neue Operndirektor Bogdan Roscic dieses Dilemma lösen kann. Die Besetzung von „Le nozze di Figaro“ im Konzerthaus war solide, aber nicht spektakulär. Den stärksten Eindruck hinterließ der Italiener Alex Esposito in der Titelrolle: ein drahtiger „Kerl“ vom Typus „Faktotum“, witzig und doch voller Widersprüche. Seine Susanna kommt aus der Ukraine und heißt Olga Kulchynska und punktet vor allem mit der „Rosen-Arie“. Etwas zu blass waren Graf und Gräfin – übrigens beide aus der Ukraine: Andrei Bondarenko und Ekaterina Scherbachenko. Guten Eindruck hinterließen der Cherubin – die irische Mezzosopranistin Paula Murrihy – sowie die mit ihrer  Arie aufgewertete Marzelline, die Russin Daria Telyatnikova. Mittelmäßig Don Basilio Krystian Adam und Evgeny Stavinsky-Basilio.

Das Ereignis des Abends waren eben Teodor  Currentzis und sein Orchester aus Perm!

Peter Dusek

 

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