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WIEN/ Konzerthaus/Großer Saal: LIEDERABEND JONAS KAUFMANN & HELMUT DEUTSCH

13.01.2026 | Konzert/Liederabende

12.1. 2026 – Wiener Konzerthaus Großer Saal

Liederabend Jonas Kaufmann/Helmut Deutsch

Zum 80. Geburtstag von Helmut Deutsch

Wiener - 🤗 Wir freuen uns zu Jahresbeginn auf einen ganz besonderen  Liederabend mit Jonas Kaufmann zum 80. Geburtstag von Helmut Deutsch❗️  Liebe zum musikalischen Detail, Sorgfalt im Umgang mit dem Text

Das Wiener Konzerthaus lud das liederliche Traumduo zum Geburtstagskonzert: Über viele Jahrzehnte währt diese Wien-München-Konnexion bereits, die zahllosen Zuhörern auf der ganzen Welt, egal ob in den Konzertsälen oder mittels Tonaufnahmen, die unsagbar vielfältige Welt des Liedschaffens eröffnet hat. Angesichts der Popularität der beiden Protagonisten wurde in den Großen Saal gebeten – zumeist eine schwierige Vorgabe angesichts der Intimität dieser Musikgattung. Doch so viel sei vorweg verraten: In diesem einen speziellen Fall war die Wahl der Veranstaltungsstätte jedenfalls keine falsche.

Als liederzyklischer Straßenfeger war Robert Schumanns Dichterliebe nach Gedichten von Heinrich Heine angekündigt, jener Liederreigen also, der neben der schubertschen Trias der wohl populärste des gesamten Schaffens dieser Gattung ist. Dass ein Großteil dieses Werkes von der Treffsicherheit der Heineschen Verse lebt, braucht an dieser Stelle nicht gesagt zu werden. Schumann setzte diese – je nach vorgegebener Stimmungslage – kongenial in einfache, aber umso eindrücklichere Melodien um, wobei der Klavierbegleitung hier mehr „adjuvante“, denn eigenständige Funktionen übertragen sind.

Kaufmann und Deutsch gestalten die Dichterliebe quasi pausenlos, was den einheitlichen Charakter des Werkes unterstreicht und somit drängende, aber niemals gehetzte Elemente aufweist. Jonas Kaufmann ist der Großmeister der zarten Töne, des Verhaltenen, des Introvertierten, des In-sich-gekehrten. Seiner Stimme, die in der Mittellage nach wie vor konkurrenzlos samtig klingt, kommt der melancholische Grundcharakter dieses Meisterwerks daher sehr zu pass. Wenn es von Musik und Text verlangt wird, versteht er es trotzdem, dramatischen Impetus zu zeigen, sei es bei „Im Rhein, im heiligen Strome“ oder beim letzten Lied des Zyklus „Die alten bösen Lieder“ – nicht ohne Bitterkeit vorgetragen – und hier kommt Deutsch auch zu einem vergleichsweise langen Nachspiel. Bewegt-belebt singt KaufmannEin Jüngling liebt ein Mädchen“, langsam und besonders betont die Schlussphrase „Sei unsrer Schwester nicht böse, Du trauriger, blasser Mann“ von „Am leuchtenden Sommermorgen“, und die „Tränenflut“, das letzte Wort von „Ich hab im Traum geweinet“ war wohl noch nie mit solch einer Dramatik und Verzweiflung dargebracht.

Der zweite Teil des Abends war Franz Liszt gewidmet, der von Helmut Deutsch, wie Kaufmann dem Publikum bei einer seiner von ihm bereits erwarteten Zwischenansagen verriet, besonders geschätzt wird. Und nach bereits wenigen Takten der sodann interpretierten Petrarca-Sonette ist auch klar, warum: Von Liszt wird dem Klavierpart weit mehr Gestaltungsspielraum eingeräumt als von Schumann. Die drei Lieder haben einen teilweise arienartigen („Pace non trovo“), teilweise kavatinenhaften („I’ vidi in terra angelici costumi“) Grundcharakter, das Klavier ist mit eindrücklichen und äußerst virtuosen Vor- und Zwischenspielen ein gleichwertiger Partner des Sängers. Dass Helmut Deutsch hier seine meisterliche Vollendung perfekt zeigen kann, versteht sich von selbst.

Auf die drei Petrarca-Vertonungen folgten weitere Lieder von Franz Liszt basierend auf Texten von Heine, Goethe, Kuh, Freiligrath und Lenau: Auch hier gelingen allenthalben kleine Kostbarkeiten: In der letzten Strophe von „Es war ein König in Thule“ hört man förmlich den Becher ins Meer stürzen, „Die drei Zigeuner“ (Lenau), die das Leben „verrauchen, verschlafen und vergeigen“ zeigen eine durchaus hedonistische Lebensphilosophie, die Kaufmann kongenial vermitteln kann, und die finale „Loreley“ ist ein fast schon expressionistisch anmutendes Meisterwerk, in dem Kaufmann und Deutsch das Publikum – wie die betörende Jungfrau – in ihren Bann ziehen. Nur zerschellt dieses nicht schiffergleich am Rheinfelsen, sondern erhebt sich wienflussnahe zu tosendem Applaus, der in der Folge unter anderem mit der „Mondnacht“ belohnt wird.

Sabine Längle

 

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