26.3. 2026Wien Konzerthaus Großer Saal
Giuseppe Verdi MESSA DA REQUIEM
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Orchester und Chor der Oper Zürich, Gianandrea Noseda, Dirigent, Marina Rebeka, Sopran, Agnieszka Rehlis, Mezzosopran, Joseph Calleja, Tenor, Alexander Vinogradov, Bass
Der GMD der Zürcher Oper ist mit „seinem“ Chor (Choreinstudierung: Ernst Raffelsberger) und „seinem“ Orchester auf Europatournee, die ihn auch nach Wien führt. Am Programm „Verdis beste Oper“, das für den Schriftsteller Alessandro Manzoni komponierte und 1874 in Mailand uraufgeführte Requiem, das vornehmlich in Konzerthäusern und nicht in Kirchen erklingt.
Das Potenzial der beiden Klangkörper ist groß, Noseda beginnt mit einem sehr verhaltenen „Requiem aeternam“, das sogleich mit einem bombastischen „Dies irae“ seine Fortsetzung findet – dieses Teilstück aus Verdis Meisterwerk ist in seinem Aufbau, seiner Dramatik, seinem Impetus, seinem Feuer und seiner (Nat-)urgewalt wohl nichts anderes als der bestmögliche Gottesbeweis. Besonders eindrücklich das „Tuba mirum“ – hier erklingen die Posaunen von weit her und erzeugen ein spannendes Zwiegespräch. Noseda versteht es, über die gesamte Werkdauer hinweg die richtigen Tempi zu finden, die in Musik und Text angelegten dramatischen Momente sind ebenso präsent wie die Unruhe, das Angstvolle, das Flehen. Das Sanctus beispielsweise gelingt mit dem blendend disponierten Chor besonders eindrucksvoll. Für die Soli und Ensembles findet Noseda immer den richtigen Ton, die richtige Dynamik.
Der russische Bass Alexander Vinogradov, gern gesehener Gast auf vielen großen Bühnen, verfügt über eine wohlklingende, wenn auch nicht sehr durchschlagskräftige Stimme, der es ein wenig an der „Schwärze“ für „Confutatis maledictis“ fehlt – er klingt fallweise schlicht zu harmlos für das Höllenwerk. Die weicheren, flehenderen Passagen im „Lacrimosa“ liegen ihm mehr.
Den maltesischen Tenor Joseph Calleja, vor einigen Jahren noch ein wahrer Stern am Opernhimmel, findet man in letzter Zeit wenig auf den Besetzungslisten der großen Opernhäuser. An der Wiener Staatsoper gastierte er beispielsweise zuletzt 2019. Sein Timbre ist in der Mittellage nach wie vor fast konkurrenzlos schön und männlich, verfügt dort über viel Attacke. Wenn die Partitur allerdings exponiertere höhere Lagen verlangt, wird die Stimme dünn bzw versagt sie – wie dies beim ersten tenoralen Solo des „Ingemisco“ schmerzhaft zu hören ist. Das „Hostias“ im Offertorio gelingt besser, hier saßen auch die Piani (fast) wieder.
Die polnische Mezzosopranistin Agnieszka Rehlis ist in den letzten Jahren im dramatischen Fach weltweit erfolgreich, verfügt über eine saftig-runde Stimme mit einer gut ausgebildeten, aber nicht unangenehmen Tiefe, die sie für Rollen wie Amneris prädestiniert. Auch in Verdis Requiem ist sie ideal besetzt, punktet bei ihrem Solo „Liber scriptus proferetur“ und führt das Terzett des „Lux aeterna“ fabelhaft an.
Die lettische Sopranistin Marina Rebeka hat sich in den letzten Jahren von der Violetta zur Abigaille entwickelt, an der Wiener Staatsoper ist sie bei der derzeitigen Intendanz ein allzu seltener Gast. Ihre etwas herbe, aber insgesamt sehr interessante, fast ein wenig ungewöhnliche Stimme ist zuletzt stark in Richtung Dramatik gereift. Mühelos überstrahlt sie die Ensembles, selbst Chor und Orchester in den forte-Momenten. Nur selten weisen ihre Höhen Schärfen auf, mit denen sie dann allerdings theatralische Akzente zu setzen weiß. Ihren ganz großen Aufritt hat sie im finalen „Libera me“, mit dem sie angstvoll flehentlich, aber auch mit dramatischem Impetus und der hier verlangten Unruhe gemeinsam mir Chor und Orchester einen krönenden tröstlichen, aber letztlich doch ungewissen Abschluss findet.
Sabine Längle

