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WIEN / Konzerthaus: BUDAPESTER NEUJAHRSKONZERT

04.01.2015 | Konzert/Liederabende

  Budapester NjKonz Schlussapplaus x~1

WIEN / Konzerthaus:
BUDAPESTER NEUJAHRSKONZERT
4. Jänner 2015
 

Ungarn hat mit dem Geiger Zoltán Mága seinen ganz persönlichen André Rieu, ein Crossover- und Entertainer-Virtuose wie dieser, mehr als nur eine lokale Größe, vielmehr ein Künstler, der auch weltweit auf Tourneen seine Erfolge feiert und nun schon seit einigen Jahren mit dem „Budapester Neujahrskonzert“ eine Attraktion der besonderen Art bietet – heuer hatte man in der „Budapester Arena“ 13.000 Besucher.

Erstmals wurde das Event auch nach Wien exportiert, und die führende Sprache im Wiener Konzerthaus war an diesem dreistündigen Sonntag-Nachmittag zweifellos das Ungarische. Entweder war die heimische Ungarn-Kolonie vollzählig erschienen, oder die Fans waren Màga nachgereist. Aber es gab auch genügend Wiener im Publikum, die Stimmung stieg sukzessive im Lauf der Begebenheiten, am Ende herrschte dann die eines „Mulatschak“ würdige Aufgekratzheit.

Denn ein solcher war es, ein „bunter Abend“ rund um den Stargeiger, wo sich noch andere große Namen tummelten – oder auch nicht. Saimir Pirgu hat abgesagt. Einige der Sängerinnen – Valentina Nafornita und Natalia Ushakova – sind ohnedies hier stationiert, traten also ebenso auf die Dorottya Lang, eine echte Ungarin, einst Volksoper, jetzt Mannheim und hier authentisch am Platz. Jörg Schneider übernahm eine Nummer von Pirgu, der andere Ersatz von der Ungarischen Staatsoper, dessen Name hingenuschelt wurde, blieb für den Großteil des Publikums ebenso anonym wie die mitwirkende koreanische Cellistin oder der Dirigent des Budapest Symphonie Orchesters.

Und da möchte man der Veranstaltung, wenn sie nächstes Jahr wiederkommt (die Absicht wurde zumindest kund getan), ein paar gute Tipps geben. Es wäre nett, zumindest einen schlichten Zettel mit Namen und Nummern zu hektographieren, wenn man schon kein Programm erstellt, denn nicht jeder findet ein „Erkennen Sie die Melodie?“-Konzert lustig, in dem fast nichts angekündigt wird. Auch wäre ein ausführlicher Sound Check anzuraten, damit der musikalische Teil nicht dermaßen uneben klingt. Und wenn man schon eine Moderatorin bereit stellt, die ohnedies so gut Deutsch spricht wie Andrea Malek (die dann auch in ihrer Eigenschaft als Musical-Sängerin „Somewhere over the rainbow“ in auffallend exzellentem Englisch  interpretieren durfte), dann hätte es nichts gekostet, sie mit Mini-Ankündigungen hinaus zu schicken, statt nur ein paar Mal nicht eben zielführende Werbetexte sprechen zu lassen… Da wäre einiges an der Performance zu verbessern.

Die Gesangsnummern waren höchst bunt gemischt: Valentina Naforniţa, im bodenlangen Fest-Dirndl, kam zweimal mit Puccini, einmal mit der Arie der Lauretta aus „Gianni Schicchi“, einmal (mit dem ungarischen Kollegen) mit dem ersten Duett als „La Boheme“, dann war sie noch im „Libiamo“-Ensemble aus „La Traviata“ zur Pause dabei, wo sie sich die Titelrolle mit Natalia Ushakova teilen musst.

Die Ushakova, in Grellrot, kompensierte stimmliche Mängel mit gewaltigen Showeffekten – bei der Wahnsinnsarie der Lucia arbeitete sie sich dramatisch am Ärmel des Dirigenten ab, was der ganzen Sache den Charakter einer Posse verlieh. Und für „Meine Lippen, die küssen so heiß“ kam sie mit einem Arm voll Rosen auf die Bühne, die sie effektvoll in den Zuschauerraum schleuderte.

Am solidesten wirkten noch die Leistungen von Dorottya Lang, die mit ihrem ausdrucksvoll-schönen Mezzo Lehars „Hör‘ ich Cymbalklänge“ anfangs etwas gedehnt (was die Schuld des gar nicht „paprizierten“ Orchesters war), dann aber mit dem gehörigen Temperamentsausbruch interpretierte. Und Einspringer Jörg Schneider, der zwar nicht ganz so hübsch war wie Pirgu, aber für „Dein ist mein ganzes Herz“ eine vollgültige Besetzung, weil sein Tenor eben nirgends auslässt, nicht nur prachtvolle Höhen aufweist, sondern in allen Lagen tragfähig und schön ist.

Weiters war „eine ungarische Folkloretanzgruppe“ (der Pressetext verrät nichts Näheres) aufgeboten, zwölf Tänzer, die à la Folklore, à la Wiener Walzer und beim Offenbach-Medley à la CanCan agieren durften, was angesichts eines schmalen Konzertpodiums nicht ganz einfach war.

Budapester NjKonz Maga~1  Budapester NjKonz Gypsy Band~1

Sicher einen der wichtigsten Beiträge des Abends stellte eine „Budapester Gypysband“ dar, zu der Zoltán Mága vier Roma- (oder Sinti-?) Kollegen auf die Bühne bat, für so genannte „Zigeuner-Variatonen“ – bitte, sie wurden als solche bezeichnet, sonst würde man ja nicht wagen, dieses Wort in den Mund zu nehmen oder in den Computer zu tippen… Die Herren spielten, soweit sie neben Zoltán Mága als alles überragendem Star zur Geltung kommen durften, wirklich hinreißend. Im „Hummelflug“ am Ende überboten sie einander an Virtuosität. Im übrigen traktierte einer der Herren (ob er zum Orchester gehörte oder Solist war, wurde – wie so vieles an diesem Abend – nicht klar) das Cymbal einfach atemberaubend, im zweiten Teil seiner Darbietung auch noch mit verbundenen Augen…

Da kochte dann schon die allgemeine Begeisterung, und als am Ende der Kehraus mit dem Radetzky-Marsch erfolgte, wie man es in Wien bei einem Neujahrskonzert gewöhnt ist, waren alle Mängel vergessen und die Zufriedenheit schien allgemein. Also, nächstes Jahr wieder, und bitte einigermaßen verbessert in den Informations- und Klang-Details.

Renate Wagner  

 

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