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WIEN/ Konzerthaus: „APOKALYPSEN“ – ISRAEL IN ÄGYPTEN von Georg Friedrich Händel

17.01.2016 | Konzert/Liederabende

RESONANZEN 2016: „APOKALYPSEN“ 16.1.2016 im Konzerthaus Großer Saal

„ISRAEL IN ÄGYPTEN“ Georg Friedrich Händel (1685 – 1759)

 Dieses Oratorium ist ein riesiges Chorwerk in englischer Sprache, man könnte es bereits „Choratorium“ nennen und ein etwas anderer Händel, als man gewohnt ist. Wie gesagt, 85% sind Chor, im ersten Teil eigentlich nur Chor mit Gesangssolisten als rezitierende Stichwortgeber.

Das Werk ist in drei Teile gegliedert also Teil eins: Die Klage der Israeliten über den Tod Josephs, Teil zwei: Der Auszug und Teil drei: Moses` Lobgesang.

Im ersten Teilstück wie schon erwähnt nur Chor, im zweite Teil kommen dann doch die Solisten doch zu kleine Arien und im dritten Teil gibt es sogar nicht nur mehr Arien sondern auch Duette, aber alles für Händel untypisch kurz und ohne viel Ziergesang.

Aufgeführt wurde dieses relativ kurze, aber schwierige Werk von Concerto Copenhagen und dem Nederlands Kamerkoor unter der Leitung von Lars Ulrik Mortensen, der auch das Orgelpositiv stehend spielte. Der Chor ist eine Extraklasse, klangstark obwohl die Besetzung nicht allzu groß ist, nur 32 Sänger. Die Präzision dieses Stimmkörpers ist überragend, die Stimmen sind absolut zu einer Einheit verschmolzen. Das selbe kann man auch über das Orchester bemerken, das unter seinem Leiter sehr differenziert spielte und auch für die Solisten einen Klangteppich legten.

Die aus England stammende Sopranistin Joanne Lunn hat eine sehr sauber geführte Stimme, die voll auf Barockgesang geschult ist, also nahezu vibratolos. Sie bewältige ihre Arien sehr gut, wunderschön sang sie in der Schlussphase aus der einer Loge den Part der Miriam, die Prophetin und Aarons Schwester.

Die zweite Sopranisten Maria Valdmaa hat auch im Chor mitgesungen und hatte nur im dritten Teil ein Duett, das sie sehr sicher mit der Sopranistin sang.

Der Altus Alex Potter brauchte eine ziemliche „Anlaufzeit“ bis seine Stimme so richtig im Saal griff, das war bei seiner zweiten Arie die sehr gut gelang. Auch dieser Künstler kommt aus England.

Der aus Liverpool kommende Tenor Nicholas Mulroy hat eine etwas kleine und sehr timbrelose Stimme. Technisch versucht er es doch mit Vibrato, um die Stimme zu vergrößern, das kommt allerdings dem Barockstil nicht gerade entgegen.

Der Bariton Peter Harvey studierte erst Französisch und Deutsch in Oxford, um sich dann doch voll der Musik zu widmen. Auch er hat nicht gerade eine Riesenstimme, aber sehr gut geführt und konnte in seinen Soli überzeugen.

Zweiter Bass war der Däne Jakob Bloch Jaspersen, der nur im dritten Teil ein Duett mit seinem Basskollegen zu singen hatte.

Der Abend wurde mit viel Begeisterung aufgenommen, allerdings habe ich schon effektvollere Eröffnungskonzerte der Resonanzen erlebt.        

Elena Habermann

 

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