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WIEN / KHM: Vorgeschmack auf die KUNSTKAMMER

12.12.2012 | Ausstellungen

Kunsthistorisches Museum:
Vorgeschmack auf die
KUNSTKAMMER
12. Dezember 2012 

 

Die skurrilen Schätze des Hauses….

 Direktorin Sabine Haag lud ein, und wahre Massen setzten sich in Bewegung, um einen ersten Blick auf die „Kunstkammer“ werfen zu dürfen. Zu lange ist das Kunsthistorische Museum schon damit beschäftigt, diesen kostbaren Teil seiner Sammlung neu und würdig zu präsentieren. Schon Wilfried Seipel (in dessen Ära der Unglücksfall der gestohlenen „Saliera“ fiel) hatte sich darum bemüht, es im Rahmen seiner Direktion aber nicht geschafft. Sabine Haag wird sich diese Leistung zuschreiben können, es gibt auch schon das Eröffnungsdatum: Es ist der 28. Februar 2013. Ab März 2013 hat das Haus dann eine Sensation mehr zu bieten.

Von Heiner Wesemann

 

Sammlung der Superlative    „Kunstkammer“-Objekte sind oftmals Werke, die zwischen den Künsten changieren und nicht umweglos unter Bilder, Skulpturen, Möbel u.a. eingeordnet werden können. Ihnen fehlt, kurz gesagt, der „konventionelle“ Touch. Sie sind Beispiele eines überbordenden Zeitgeistes der Renaissance und des frühen Barocks – und gehen (auch in der „Verschränkung“ von Materialien, in Verzerrung des Realen) weit über das übliche Angebot an „Kunst“ hinaus. Je seltsamer ein Stein gewachsen war, je exotischer ein Stück sich gebärdete, umso interessanter wurde er für Künstler, Kunsthandwerker – und Interessenten. Hier stellte sich die Frage des Möglichen und Machbaren mit geradezu hintergründiger Kraft. Phantasie und menschlicher Erfindungsgeist scheinen keine Grenzen zu kennen.

Interesse durch die Jahrhunderte     Der „seltsame“ Habsburger, Kaiser Rudolf II., war einer der wichtigsten Sammler von künstlerischen Kuriositäten seiner Epoche, aber auch andere Mitglieder der Familie taten es ihm gleich – zumindest noch bis Kaiser Franz I. Heute besitzt das Kunsthistorische Museum an die 8000 Objekte. Rund 2200 ausgewählte Prachtstücke werden in die 20 Räume links vom Eingang auf 2700 Quadratmeter einziehen.

  

Die Mäzene des Hauses Habsburg     Ein Raum (der letzte, Nr. XIX) wurde bei enormem Andrang als „Kostprobe“ gezeigt. Das in Weiß und Gold gehaltene „Berger-Zimmer“ ist nach dem Deckengemälde des Makart-Freundes Julius Victor Berger benannt, der damit sein Hauptwerk schuf, und zeigt die „Mäzene der bildenden Künste im Hause Habsburg“ – da sitzt rechts Kaiser Maximilian I. unter dem Doppeladler, an seiner Seite Albrecht Dürer, da steht links, ganz in Schwarz, Kaiser Karl V., ihm zur Seite Tizian. Ihre Nachfolger hatten ihren Anteil am künstlerischen (bzw. naturwissenschaftlichen) Interesse und der damit verbundenen Sammeltätigkeit. An der Wand hängen Kaiser Joseph II. und sein Bruder Leopold (der spätere Leopold II.), wobei es eigentlich ihr Vater, Franz Stephan von Lothringen, war, der seinerseits ein besonderer Sammler war. Von Kaiser Karl VI., Maria Theresias Vater, gibt es eine kostbare barocke Uhr, von Maria Theresia selbst ein Frühstücksservice von höchstem Luxus, auch Kaiser Franz I. ist mit Objekten seiner Zeit vertreten: Die „Kunstkammer“, die heute der Republik gehört, wurde über Jahrhunderte bestückt, 17 Kaiser waren daran beteilgt.

Weniger ist mehr     Wenn das KHM dann nach der Eröffnung von seinen Beständen auch wieder nur ein Viertel zeigen wird, liegt das auch am Ausstellungskonzept, das man erarbeitet hat. Von einer konzeptionellen „neuen Schlichtheit“ ist die Rede – das heißt, je einfacher die Präsentation, umso eindrucksvoller kommen die Werke zur Geltung. Nach zehn Jahren ohne Kunstkammer, nach unendlichen Bemühungen der Restauratoren, nach medienwirksamen Spendenaufrufen (3,5 der über 18 Millionen Euro Kosten hat man solcherart aufgebracht), nach intensivem Nachdenken über Ausstellungskonzepte ist man nun knapp vor dem Ziel: Der „Berger-Saal“ hat noch die historischen Virtrinen zu bieten (in einer sind die Ruinen von Paestum zu sehen, die den Tisch der Maria Theresia-Tochter Königin Maria Carolina von Neapel-Sizilien schmückten!), in den anderen Sälen soll die Präsentation bescheidener ausfallen. Aber die „Saliera“, auf die alle warten, spricht ja dann wohl für sich…

 Foto: Wesemann

Buch   Ein Prachtband über „Die Kunstkammer“ (Brandstätter Verlag) liegt bereits vor. So umfangreich er ist, großformatig und mit fabelhaften Bildern bestückt, die die Objekte oft von vielen Seiten zeigen, so bietet er auch nur einen Teil dessen, was  ab März 2013 gezeigt wird. Das Thema „Kunstkammer“ wird das Kunsthistorische Museum und seine Besucher noch lange beschäftigen.    

Eine Vorschau gibt es auf YouTube

http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=bOILICrnB7U

 

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