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WIEN / KHM: BESSERE HÄLFTEN

21.06.2013 | Ausstellungen

 

WIEN / Kunsthistorisches Museum:
BESSERE HÄLFTEN
(KUNST)GESCHICHTEN UM PAARE
Vom 18. Juni 2013 bis zum 8. September 2013   

Die grenzenlosen Möglichkeiten des „zu zweit“

Auf die Ideen kommt es an, wie man im Kunsthistorischen Museum wieder einmal sehen kann. Die Serie INTERMEZZO wurde einst auch aus der Not geboren, dass nicht mehr grenzenlos Geld für Großausstellungen mit vielen Leihgaben zur Verfügung steht, andererseits aber aus dem Wissen um die reichen Bestände des Hauses in seinen zahlreichen Sammlungen, die nie alle zur Wirkung gebracht werden können. Wenn man nun ein Thema findet wie die „Besseren Hälften“, dann sprudelt der Ideenreichtum der Kuratoren des Hauses nur so – und mag es auch bloß ein großer Ausstellungsraum sein, die „Paare“, die hier gefunden wurden, entfalten sich in aller Vielfalt.

Von Renate Wagner

Die „bessere Hälfte“      Die bessere Hälfte ist, das weiß man im Kunsthistorischen Museum ganz genau, eine flapsige Bezeichnung der Gegenwart (meist ironisch vom Gatten auf die Gattin angewendet): Aber wie soll man „Altes“ (und es ist „alte Kunst“, um die es hier geht) besser verkaufen als mit Formulierungen, die uns als vertraut aufhorchen lassen? Wenn man den Ausstellungssaal im KHM betritt, so reißen die zahlreichen Kuratoren (alle wollten etwas aus ihren Abteilungen beitragen) gleich zahllose Themen an. Da sind zuerst, als das Paar schlechthin – Adam und Eva. Aber bei Hans Memling in zwei Gemälden, getrennt, wenn sie auch zweifellos zusammen gehören: Später wird man dem Paar etwa bei Cranach und anderen auch auf einem Bild begegnen, und einige dramatische Momente aus der Geschichte des „Urpaares“ werden thematisiert. Schließlich verdankt man ihnen ja die Vertreibung aus dem Paradies – so richtig spannend wäre das Leben dort ja wohl nicht? Eva ist also die klassische „bessere Hälfte“, auf die sich die Urüberzeugung der Männer gründet, dass alle Probleme nur von den Frauen kämen…

 

Zwei der verschiedensten Art     Geht man geradeaus in die Ausstellung, könnte man über eine Vitrine stolpern: Sie enthält ein Buch von 1513, in griechischer Schrift, also nur noch für einen Bruchteil heutiger Menschen zu lesen, aber man glaubt gern, dass hier Platons Bericht enthalten ist, dass die Menschen ursprünglich kugelgestaltig waren – und einen Kopf mit zwei Gesichtern hatten… Weil dieser Mensch aber zu aufmüpfig war, zerschnitt ihn Zeus in zwei Hälften: eine andere Idee von den Geschlechtern als in der Bibel. Das „zwei“ auch anderes sein kann, zeigen Vitrinen rechts und links – zwei Duellpistolen in einer Kassette (sie gehörten Kaiser Franz Joseph), zwei gewaltige Steigeisen (sie gehörten Ferdinand I.) und ein Stein eines Verlobungsringes, in dem zwei Hände sich in einander verschlingen. Mit einem Wort: Man hat sich viel gedacht zu dieser Ausstellung.

Es geht auch tierisch…   Das Thema hat natürlich auch seine humoristischen Schlagseiten. Wenn etwa Zeus seine verschiedenen Damen in tierischer Gestalt beglückte, dann bildet Europa mit dem Stier (auf einer apulischen Schale aus dem 4. Jh. v. Chr.), Leda mit dem Schwan (auf einer italienischen Skulptur aus dem 16. Jh.) ein Paar. Besonders originell und frappierend ist dazu übrigens ein Stück aus der Ägyptischen Sammlung: Der steinerne Mantelpavian aus Rosengranit ist einiges über einen Meter hoch – die Pharao-Statue, die in seinem Schoß steht, um einiges kleiner…

Politische Paare…     Sie sind ja nicht eben schön zu nennen, Kaiser Leopold I. und seine Nichte Margarita Teresa, die er nach langer, langer Wartezeit (von den Velasquez-Gemälden ihres Heranwachsens getröstet) endlich heiratete: Und sie finden sich nicht einmal auf einem gemeinsamen Bild. Aber Jan Thomas hat sie 1667 auf zwei (überraschend kleinen) Gemälden in barocken Theatergewändern so überzeugend „parallel“ dargestellt, dass sie sich natürlich auch besonders  als Plakat- und Katalog-Titelbild der Ausstellung eignen. Schließlich sind die kaiserlichen Habsburgischen Gemälde  reich an klassischen „Paar“-Darstellungen, die für die Repräsentation von extremer Wichtigkeit waren. Manchmal findet man in den politischen Huldigungen (die übrigens schon auf den römischen Gemmen zu finden sind, von denen man in Wien ein paar großartige besitzt) ein Quentchen „Realismus“ – da hat sich Maria Theresia mit ihrem Sohn und nunmehrigen Mitregenten Joseph II. auf einem Stukkorelief darstellen lassen: Und die beiden blicken im Profil so verbissen auf einander, wie sie es wohl im Leben getan haben – und da wird keinerlei liebevolle „Mutter-Sohn“-Beziehung beschönigt…

Und private Paare     Gemeinsam leben und, wenn man schon nicht gemeinsam stirbt, so doch gemeinsam begraben sein: Die Ausstellung bietet dazu Grabdarstellungen der Antike, die etwas Ergreifendes haben. Neben Fürstlichkeiten ließen sich auch Bürgerliche, die es sich leisten konnten, gemeinsam malen (Holbein erhob den Pinsel nicht nur für Heinrich VIII., sondern durchaus auch für einen Hofbediensteten), aber Künstler haben die „Paare“ in vieler Hinsicht faszinierend gefunden – „Ausnahmepaare“ oder „Lust und Laster“ nennen die Ausstellungsgestalter jene Teile der Ausstellung, wo man etwa Lucas Cranachs berühmten „Alten Mann mit Mädchen“ findet oder auch „Maler und Modell“, gemalt von Makart – und es ist kein Geringerer als Leonardo, den er dabei darstellt, wie dieser seinerseits eine halbnackte Dame zeichnet…

Bis 8. September 2013.
Achtung! Von Juni bis August ist das Kunsthistorische Museum täglich geöffnet!
10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr
Katalog, hsg. von Sabine Haag, im Eigenverlag des Museums

 

 

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