WIEN/ Lange Nacht der Kirchen: Eine Ehrenrettung für Johann Karl Regber, übersehener Wiener Zeitgenosse (29.5.2026)

Copyright: JKR-Fonds
Die Lange Nacht der Kirchen hat mit der eindrucksvollen Aufführung der „Missa apokalyptica“ von Johann Karl Regber in der Wiener Karlskirche eine Würdigung für einen – nun, nicht einem vergessenen, sondern einem völlig übersehenen – Wiener erbracht. Ein barock klingender Name, doch ein echter Wiener des 20.Jahrhunderts. Regber (1932 – 2022) hat Dramen, Novellen, andere literarische Werke verfasst, hat erst als Reifer zu komponieren begonnen und konnte dank seiner finanziellen Unabhängigkeit ohne Zugeständnisse an den Zeitgeschmack alle stilistischen Kompromisse ausblenden. Seine musikalische Vision: Die ethische Kraft der Wiener Musikklassiker, eines Beethoven, eines Schubert muss auch noch in unseren Tagen als eines der wesentlichsten seelischen Ausdrucksmittel angesehen werden. Damit hatte der einer klassischen Harmonie so bedürftige Regber keine Chance im Reigen der damaligen österreichischen Modernen wie Avantgardisten.
Der „Johann Karl Regber-Fonds“ unterstützt nun Aufführungen von Werken aus dem musikalischen Schaffen des verstorbenen Außenseiters. Das Symphonieorchester der Czech Virtuosi, der Tschechische Akademische Chor sowie ein Opernsänger-Quartett sind aus Brünn in die Karlskirche angereist gekommen, um zur Ehrenrettung des in seine Visionen verhafteten Wieners anzutreten. Klassisch klingt dieses „Deo gratias creationis dedicata“ mit seinem Trompetenschwall, dem gewaltigen Aufrauschen der Chores, der stimmigen Harmonik im Orchesterklang. Und es klingt nicht wie in der Vergangenheit verwurzelt, sondern diese „Missa apokalyptica“ erweist sich als kraftvolle, eindringliche, die Hingabe einsaugende und vor allem ehrliche Kirchenmusik. Dirigent Heinz Prammer führte die Brünner Gäste mit kraftvoller Hingabe zu einer sakral beeindruckenden Interpretation – stille Schöpferkraft vermag weit wertvoller als Bangaranga oder wie es gerade auch genannt mag sein.
Meinhard Rüdenauer

