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WIEN/ Kabinettheater: ICH MÖCHTE SEICHT SEIN von Elfriede Jelinek

23.10.2026 | Themen Kultur

KABINETTTHEATER: ICH MÖCHTE SEICHT SEIN von Elfriede Jelinek

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Copyright: Hans Schubert

 am 23.10.2ß26

 „Ich möchte seicht sein“ nennt sich ein Text, den Elfriede Jelinek 1983 (!) in „Theater heute“ veröffentlicht hat. Es handelt sich darum um ein Manifest, in dem die spätere Nobelpreisträgerin – in der Nachfolge von Edward Gordon Craigs „Die Über-Marionette“ ihre anti-psychologische, anti-humanistische Theatertheorie darlegt:

„ Ich will nicht spielen und auch nicht anderen dabei zuschauen. Ich will kein Theater.

Die Schauspieler haben die Tendenz, falsch zu sein, während ihre Zuschauer echt sind.

Wir Zuseher sind nämlich nötig, die Schauspieler nicht. Wie entfernen wir diese Schmutzflecken Schauspieler aus dem Theater?“

Auf diesen nicht gerade Menschen – und theaterfreundlichen Prinzipien beruhen später

Jelineks berühmte „Textflächen“ (von der Autorin abschätzend „Textwürste“ genannt).

Insofern eignet sich sich der übermarionettensehnsüchtige Text in idealer Weise für das dem Figurentheater gewidmete Kabinetttheater in der Porzellangasse, dessen Leitung Alexandra Millner nach dem nicht genug zu bedauernden Tod der Gründerin Julia Reichert in dankenswerter Weise übernommen hat.

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Mode statt Menschen. Copyright: Hans Schubert

Millner hat auch „Ich möchte seicht sein“ inszeniert als „Monooper“ mit der speziellen und originellen Musik von Christof Dietz und den Figuren von Helmut Pokornig.

Anna Clare Hauf leistet als einzige menschliche Darstellerin Bewunderungswürdiges: denn sie sprechgesangt nicht nur die doch sehr komplexe Partitur von Dietz, sondern performt dazu auch noch mit Instrumenten wie Ratsche, Pfeifen, Klangstäben, Schlaghölzern etc.

Die Begegnung mit diesem Text ist äußernd erhellend, denn unabhängig von seiner Qualität kann man aufgrund dieser kindlich-trotzigen Verhöhnung und Verweigerung menschlicher Gefühle Jelineks bis heute expandierenden Textflächenwürste besser verstehen – und auch, warum sie einem von Anfang an suspekt waren.

Insofern ist Ich möchte seicht sein nicht nur der erhellendste, sondern auch mit seinen 90 Minuten Spieldauer – nach den Jelinek-Marathons im Volkstheater (über 3 Stunden) und im Burgtheater (4 Stunden) – der erträglichste und zuschauerfreundlichste Wiener Beitrag zum 80. Geburtstag unserer Nobelpreisträgerin.

 Robert Quitta

 

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