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WIEN / Josefstadt: DAS INTERVIEW

18.09.2013 | Theater

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WIEN / Theater in der Josefstadt /
SERIE: Unter dem Eisernen
DAS INTERVIEW von Theodor Holman und Theo van Gogh
Für die Bühnen bearbeitet von Stephan Lack
Premiere: 17. September 2013  
Besucht wurde die Generalprobe

Für die Josefstadt ist es ein neuer Versuch – „Unter dem Eisernen“ (damit ist der Vorhang gemeint) zu spielen, das gibt es im Prinzip auf dem Theater stets, das sind normalerweise versteckte Schließtage, wenn die große Bühne für etwas gebraucht wird und davor Schauspieler meist singen oder lesen dürfen. Aber man kann auf dem schmalen Raum der Bühnenrampe durchaus auch ein Zwei-Personen-Stück hinstellen, 80 Minuten, minimaler Aufwand, aber eigentlich ist es ein „ganzer“ Theaterabend. Material dafür lässt sich finden, und solcherart ist anzunehmen, dass man noch einiges dieser Art – wie nun „Das Interview“ – sehen wird.

Theo van Gogh wäre vielleicht, so widersprüchlich und provokant er war, eine rein lokal-niederländische Erscheinung geblieben, hätte er sich seinen Weltruhm nicht auf die tragischste Art und Weise „erkauft“: Was Salman Rushdie erspart blieb, er hat es 2004 erlitten, nämlich den Tod aus der Hand eines empörten Islamisten. „Das Interview“, auf einem seiner Filme basierend, hat mit diesem Polit-Aspekt seines Schaffens nichts zu tun. Es ist ein Psychothriller der klassischen Art, auch in Wien schon zweimal gespielt worden (einmal mit Elke Winkens, dann mit Birgit Minichmayr in der weiblichen Hauptrolle), und eigentlich nur einigermaßen interessant, wenn man die Schlusspointe nicht kennt, die beim ersten Sehen ein wenig überrascht – wenn auch nicht sehr. Als kalkulierter Reißer, der alle paar Minuten irgendeine Kehrtwendung machen muss, um das Publikum bei der Stange zu halten, ist die Sache nicht eben hochwertig, weil einfach schrecklich künstlich. Also – warum spielt man dergleichen? Weil es ein Virtuosenstück für zwei Schauspieler ist.

Interessanterweise sind beide Figuren im Grunde unsympathisch und das ändert sich auch im Laufe des Abends nicht. Er, Pierre Peters, ist ein hochnäsiger Schnösel, ein „politischer Redakteur“, der es als Zumutung erachtet, einen Fernsehstar interviewen zu müssen, Hauptdarstellerin einer beliebten holländischen Soap. Sie ist Katja Schurmaan, eine hochnäsige junge Schauspielerin, nicht so dumm wie ihr Image, der ewig gleichen Interview-Fragen so müde wie der Geringschätzung ihrer Person, aber jedenfalls mehr Demut und Bewunderung gewöhnt, als sie hier bekommt. Man ist sich auf Anhieb unsympathisch, und von da an versucht jeder den anderen zu beleidigen, unterzukriegen und zu diesem Zweck zu manipulieren. Das Publikum der Generalprobe reagierte unterschiedlich auf diesen Miese-Charaktere-Contest: „So ist halt die Medienwelt“, meinte eine Dame. Eine andere, mit mehr Feingefühl, urteilte: „Das ist doch eigentlich scheußlich.“ Ist es auch. Aber es kommt darauf an, was man daraus macht.

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Fotos: Barbara Zeininger

Und da hat die Regisseurin Christina Tscharyiski zwei Idealbesetzungen bekommen und geschickt das Beste zumindest an Spannung aus der Geschichte geholt. Übrigens – von Ausstattung (Eleni Boutsika-Palles) ist nicht viel zu sehen, braucht es auch nicht. Aber Frage an Radio Eriwan: Gibt es noch Aufführungen ohne Video? kann man wieder einmal mit: „Im Prinzip ja, aber eigentlich kaum“ beantworten. Immer wieder werden wacklige Bilder (Video: Jan Frankl) auf die Wand geworfen, vermutlich ist es in unserer unruhevollen Welt einfach nicht genug, zwei Leuten zuzusehen. Auch wenn es sich lohnt.

Denn weit mehr als in den „Geschichten aus dem Wiener Wald“ kommt Alma Hasun nun zur Geltung, in einer Mischung aus aggressivem Sex und glaubhaftem Köpfchen, die sie souverän ausspielt. Und Alexander Pschill als der abgewrackte Journalist mit dem Dünkel und den eigenen Lebenslügen schillert in allen psychologischen Nuancen. Wenn man das „Interview“ auch als Stück nicht wirklich braucht – wenn schon, denn schon, dann so.

Renate Wagner

 

 

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