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WIEN/ ImPulsTanz/Museumsquartier: Ein martialischer „Imperial Ball“ – mit Säbeltanz zum Walzerglanz        

06.12.2025 | Ballett/Performance

Museumsquartier / Impulstanz: Ein martialischer „Imperial Ball“ – mit Säbeltanz zum Walzerglanz            5.12.2025

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Sidi Larbi Cherkaoui- Foto: Philipp Van Roe

Das Johann Strauss-Jahr klingt langsam aus, und die Jubiläums-Eventreihe der Stadt Wien hat in Kooperation mit Impulstanz zum Darüberstreuen zu einem choreographierten „Imperial Ball“ gebeten. Die Tänzer: Aus dem Grand Théatre de Genève ins Wiener Museumsquartier verpflanzt. Mit heimischen wie japanischen traditionellen Musikern im Gefolge. Und Sidi Larbi Cherkaoui, der belgische Chef der Kompanie, hat mit seiner sehr persönlichen Handschrift einen eigenwilligen Kommentar zur Strauss-Musik abgeliefert. Sehr weit weicht er ab. Er hat auch gestanden, dass er vor diesem choreographischen Auftrag aus Wien keine Beziehung zur Welt des Walzerkönig hatte.

Somit munter in eine historische Kriegerwelt gestürzt. Wir lernen in weiße josephinische Uniformen attraktiv gekleidete Soldaten kennen, einen rund um eine allzu üppig gedeckte Tafel scharwenzelnden skurrilen Hofstaat, und auch ein auf japanisch singendes, musizierendes „Tsubasa Hort, Enjin!“ (bleibt wie manch anderes unverständlich) Trio tritt mehrmals in den Vordergrund. Ja, alles hier ist mit feinem Geschmack gestylt, stilsicher, nobel in den Farbenwechsel, stets mit kraftvollem Duktus in den rasanten Abläufen.

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Sidi Larbi Cherkaoui- Foto: Gegory Batardon

Schön erkennbar: Ein Könner ist hier am Werk. Doch Cherkaoui lehrt uns in seiner impulsiven, mit abgehackten Bewegungen jonglierenden Manier, dass sein „Imperial Ball“ als soziale Chiffre für Machtausübung und gesellschaftliche Begehren anzusehen sei. Gleich am Beginn: Ein Krieger legt einen Säbel bedrohlich auf die Rampe –  und gibt zu erkennen: Imperial = Kämpfe, Kämpfe in der Gruppe, zu zweit, tänzerisch in ausgefeilten Variationen. Und zwischen höfischen Ritualen und Linkswalzer werden immer und noch einmal Säbeltänze artistisch ausgefochten. Das gefällt zum Ritter Pásmán-Csárdás, der Tik-Tak Polka, anderen für Altwiens Bürgerwelt komponierten Gesellschaftstänzen. Und auf modisch reizvoll werden “Rosen aus dem Süden“ oder der „Donauwalzer“ choreographisch illustriert. Im Programmheft scheinen die Namen der Mondkönigin, der Göttin des Zornes, von Schattenkriegern auf – nicht klar auf der Bühne definiert. Und wenn im Schlussteil der glanzvolle „Accelerationen“–Walzer alle im finalen Taumel verführt ihre fantasievollen Kostüme abzulegen, ist schließlich schon klar: So ganz ohne sublime Manipulationen lässt sich solch eine Säbeltanz-Phantasmagorie nicht schaffen.

Meinhard Rüdenauer

 

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