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WIEN/ ImpulsTanz im Akademietheater: Agudo Dance Company mit „SILK ROAD“

06.08.2019 | Ballett/Tanz

WIEN/ ImpulsTanz im Akademietheater: Agudo Dance Company mit „Silk Road“ (5.8.2019)

Eine Reise durch die Kulturen. Der andalusische Tänzer und Choreograf Jose Agudo stellt mit „Silk Road“ die erste, 2017 entstandene Arbeit seiner eigenen, im selben Jahr gegründeten Kompanie vor. Flamenco, Kathak und fernöstliche Elemente verbindet Agudo hier zu einer konzertanten Tanz-Performance.

Der erste Teil des Abends, den Agudo „West to East“ nennt, beginnt mit einem von Rafael Amargo, in Granada geboren, choreografierten Flamenco-Solo. Eingeleitet von einem vom Band eingespielten A-capella-Lied der Flamenco-Sängerin Mayte Maya, die mit ihrem wunderschönen Gesang die Herzen bereits „vorwärmt“, übernehmen die beiden congenialen Musiker Bernhard Schimpelsberger (Percussion, Elektronik) und Giuliano Modarelli (Gitarre) die musikalische Begleitung live. Jackie Shemesh zaubert mit seinem Lichtdesign atmosphärisches Ambiente auf die schwarze, leere Bühne, an deren linken Rand die Musiker sitzen.


Agudo Dance Company: SilkRoad. (c)Karolina Miernik

Flamenco ist die Welt des Jose Agudo. Dort liegen seine Wurzeln, dort sind Herz und Hirn verankert. Im schwarzen Dress, teils oberkörperfrei, mit stets kontrollierter Leidenschaft tanzt er sehr präzise. Kraftvoll lässt er die hochhackigen Flamenco-Schuhe auf dem Boden rattern, Arme, Hände und Finger zeichnen filigrane Muster über seinem Kopf. Begeisterter Zwischenapplaus.

Ein rein musikalisches Intermezzo leitet über zum zweiten Tanz-Solo, einem von der renommierten pakistanischen Choreografin und Tänzerin Nahid Siddiqui choreografierten Kathak. Das Kostüm nun von schwarz nach weiß gewechselt, mit Glöckchen-Bändern um die Fußknöchel, die er beim Stampfen klingeln lässt, und auf weißer und orangefarbener Licht-Fläche bewegt sich Agudo zu tranceartiger repetitiver Gitarren-Musik, die mit indischen Trommeln und eingespieltem Sitar-Sound den Orient in den Saal bringt. Sein Tanz ist exakt, die letzte Authentizität jedoch fehlt spürbar. Zwischenapplaus begleitet Jose Agudo und die Musiker in die Pause, die Manchem noch nicht nötig erschien.


Agudo Dance Company: SilkRoad. (c)Karolina Miernik

Teil zwei: „Full Circle“. In dem von Jose Agudo selbst choreografierten Duett tanzt er mit Kenny Wing Tao Ho, einem in England geborenen, nun in London ansässigen Tänzer, dem seine asiatischen Wurzeln ins Gesicht geschrieben stehen. Bereits für Akram Khan und Hofesh Shechter aktiv gewesen, studierte er neben zeitgenössischem Tanz auch Shaolin Gung Fu in China. In ihrem Duett, das sie sitzend beginnen, verschmelzen die beiden Tänzer verschiedenste Einflüsse zu einer einerseits fast kontemplativen, dann wieder hochdynamischen, partiell synchron getanzten Melange aus fernöstlichen Bewegungselementen, asiatischer Kampfkunst, Derwisch-Andeutungen, zeitgenössischem Material und lassen zum Ende hin immer deutlicher den Flamenco durchscheinen.


Agudo Dance Company: SilkRoad. (c)Karolina Miernik

Und als Kenny Wing Tao Ho langsam ins Dunkel entschwindet und Jose Agudo allein zurücklässt, schließt sich der Kreis. Standing Ovations.

Jose Agudo glänzt mit seiner kraftvollen Expressivität und seiner tänzerischen Bandbreite. Kenny Wing Tao Ho ist ihm ein ebenbürtiger Partner. „Silk Road“ ist ein tänzerischer, musikalischer und optischer Hochgenuss, den kein schweres, metaphernschwangeres Sujet trübt. Dennoch artikuliert Agudo ein klares Statement für eine friedliche, bereichernde Koexistenz verschiedener Kulturen. Die Aufgabe ist formuliert. Wohlan denn!

Agudo Dance Company mit „Silk Road“, am 3., 4. und 5. August im Akademietheater Wien.

Rando Hannemann

 

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