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WIEN/ ImPulsTanz im Akademietheater: 7 PLEASURES – der sprachlose Mensch in seiner Nacktheit

20.07.2019 | Ballett/Tanz

ImpulsTanz im Akademietheater, 19.7.2019: „7 Pleasures“ – der sprachlose Mensch in seiner Nacktheit

Macht sie ihre Sache intelligent und gut, die Mette Ingvartsen? Diese dänischer Kämpferin für Events mit total entblößten Körpern, die mit Aufarbeitung pornographischer oder ähnlicher, auch partnerschaftlicher Themen ihr Glück versucht. Nummer zwei ihrer Körperschau-Serie für ImpulsTanz, lange 90 Minuten „7 Pleasures“ (2015 beim Steirischen Herbst uraufgeführt) für acht weibliche und vier männliche Nackerpatzerln. Unscheinbar sitzende zuerst im Publikum. Dann rauf mit ihnen auf die Bühne, runter mit den Fetzen. Eine menschliche Pyramide wird geformt, ein Fleischberg, Körper auf Körper. Ein Leichenhaufen wie im Krieg. Die völlig verschlungenen Körper wälzen sich langsam, ganz, ganz langsam nach und nach über eine Couch, lösen sich etwas auf, durchmessen, erobern mit Bodenhaftung den Raum. Einzeln zwar, doch stets irgendwie einander mit Körperberührungen verbunden. Alles in wahrlich extremstem Schneckentempo. Totale Ruhe dabei, endloses Verharren in den verschiedensten Posen, immer wieder mit Blickrichtung auf den Po als menschliches Markenzeichen. Abschließend allgemeines Gekeuche, banales rhythmisiertes Lustgestöhne. 

Diese „7 Pleasures“ sind bezogen auf Sexualität, Nacktheit, den Konflikt zwischen Öffentlichkeit und deren Meinungsdiktate gegenüber privater Intimsphäre und der Bezug zum eigenen Körper. Ingvartsen möchte ungelöste Fragen zu Sexualität und diesbezügliche aktuelle Praktiken bewusst machen. Plausibel klingen ihre Kommentare: „Wir wussten von Anfang an, dass diese Choreographie als eines dieser sinnlichen Projekte angesehen werden kann, die Vergnügung, Erregung oder Frustration erzeugen. Mein Ziel war es, genau diese Beziehung zu problematisieren“. Doch stimmige Antworten werden eineinerhalb Stunden lang keine gegeben. Die Körperparade wirkt nicht wie prickelndes Porno, kaum erotisch, auch nicht ästhetisch, ist für manchem im Publikum vielleicht aber anregend anzusehen. Dafür mag sich solch eine Performance als ein Trend im aktuellen Bühnengeschehen einprägen, in dem im Theater wohl viel Geplapper wie in der Tanzszene ausgetüftelte Körpergymnastik angeboten wird, es aber an großen neuen Stücken fehlt: Hier zeigt sich jetzt noch der sprachlose Mensch in seiner Nacktheit – und darauf folgt der Roboter.

Meinhard Rüdenauer

 

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