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WIEN/ Impulstanz/Gastspiel Wuppertal: VOLLMOND von Pina BAUSCH – waschelnass im Vollmondnacht-Taumel

08.07.2022 | Ballett/Tanz

 

ImpulsTanz 2022: Waschelnass im Vollmondnacht-Taumel (7.7.2022)

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Copyright: yako one.jpg

Mitmachen erwünscht? Jedefrau und Jedermann sollten es wagen. Ganz einfach – Public Moves heißt es, täglich jeweils um 17 und 18.30 Uhr. Kostenlose Outdoor-Tanzklassen werden vor der Front des Museumsquartiers geboten. Aber auch an mehreren alternativen Standorten (Info: impulstanz.com/publicmoves). Locker machbar für alle. Jede Lektion mit anderen Tanzpädagogen. Fabiana Pastorini etwa macht’s sehr gemütlich unter ‚Dance for Health‘ oder mit Kira Kirsch heißt es ‚Move Me Tender‘. Impulstanz-Chef Karl Regensburger empfiehlt: „Alle jene, die nicht nur gern zusehen möchten, sind in den Workshops und Research Projects, den Public Moves-Klassen und in der Festival Lounge willkommen.“ Also – die Impulse wären locker anzunehmen.

Einen vollen Publikumserfolg brachte der Auftakt der Veranstaltungsreihe mit dem Gastspiel des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch. Pina Bausch (1940 – 2009) ist die Ikone des zeitgenössischen Bühnentanzes in Deutschland gewesen. Ihr Repertoire wird in Wuppertal weiterhin gepflegt, und die Aufführungen haben nichts an ihren individuellen Reizen verloren. Jetzt bitte: „Vollmond“ …. Ja, Vollmond ist, doch der Mond ist nicht zu sehen. Mondlicht allerdings erhellte die dunkle Bühne, auf der ein immens großer Gesteinsbrocken bestiegen werden kann. Und da es immer wieder kräftig zu regnen beginnt …. das strömende Nass wird in einer niedrigen Wassertanzwanne aufgefangen.

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Copyright: Vladimir Lupovskoy

„Vollmond“ ist ein spätes Werk von Bausch aus dem Jahr 2006. Eine Aneinanderreihung von zumeist etwas in die Länge gezogenen Episoden ironisierend zum Thema Liebe im Stil ihrer großen Arbeiten. Stets lebendig, extrem intensiv in der voll ausgereizten Körpersprache, von beeindruckenden Soli oder Duos geprägt – wohl aber ohne eine richtige Erzählung zu entwickeln. Bei Vollmond, laufen da nicht viele verrückt gewordene Individuen herum? Ja, so ist es hier. Die zwölf TänzerInnen wandern repetierend raus und rein, ein Szenchen folgt dem nächsten Szenchen mit neckischen Spleens oder irren Gefühlsausbrüchen. Zumeist recht charmant, manchmal originell, gelegentlich zwängig aufgesetzt. Gestalterische Kraft ist stets zu spüren. Ein suggestiver Sound-Mix dazu macht Stimmung und im Puzzle dieses Vollmondnachttaumels wird mit Kübel mehr und mehr Wasser ausgeschüttet – und in diesem darf hemmungslos herumgekrabbelt werden. Waschelnass sind sie schließlich alle, und dies scheint ihnen in ihrem kollektiven Wahn so richtig ausgelassene Freude zu bereiten. 

Meinhard Rüdenauer

 

 

 

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