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WIEN/ ImPulsTanz: GARDENIA – die Show klappriger alter Menschen

08.08.2021 | Ballett/Tanz

ImPulsTanz: „Gardenia“ – die Show klappriger alter Menschen (7.8.2021)


Copyright: ImPulsTanz/Luc Monsaert

Es könnte, es könnte sein …. ja, es könnte auch eine witzige Parodie auf verwirrt umher irrende Tattergreise sein. Falsch getippt! Ganz anders: „Gardenia – 10 years later“ mag als eine Art Hohelied auf die durchaus aktuell geführte Transgender-Problematik angesehen werden. Geschlechterwandel, Frau-Sein, Mann-Sein, Travestie-Phantasien werden hier mit beeindruckendem Fingerspitzengefühl vorgeführt. Alain Platel, arrivierter belgischer Choreograph (mit Ausbildung als Heilpädagoge) hatte 2010 in Teamarbeit für sein Ensemble des Genter Stadttheaters „Gardenia“ geschaffen. Eine herumgereichte Erfolgsproduktion damals und auch bei ImPulsTanz gastierend. Nun, mit dem Zusatz ’10 years later. Uraufführung der Neubearbeitung‘ sind die durch Ableben auf acht Personen reduzierten damaligen Darsteller wieder von ImPulsTanz in das Volkstheater eingeladen worden.

Dieser Sexual-Impuls aus früheren Jahren – mehr ein sensibles Travestie-Spiel, wohl alles andere als ein Tanzstücke – ist durch seine Show-Qualitäten ein szenisches Bravourstück geblieben. Mal gebrechliche alte Männer, mal alte Frauen, mal debil, mal Travestie-frech, dann eine vom Leben gezeichnete gebrochene Seele – das wird schauspielerisch perfekt durchgezogen. Mit Maurice Ravels „Bolero“ als Schreit- und Wackeltanz in extremem Schneckentempo als Gustostückerl. Dazwischen einige Durchhänger, manche Episode erfordert vom Zuseher Geduld. „Somewhere over the rainbow“ wird am Beginn und am Ende gesungen – somit wird auch der Sentimentalität ihr Platz eingeräumt.

Meinhard Rüdenauer

 

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