ImPulsTanz / Burgtheater: TAO Dance Theater und der Verlust des Individuums (22.7.2026)

Als Phänomen der heurigen ImPulsTanz-Veranstaltungsreihe fällt auf, dass mehrer der eingeladenen Kompanien in ihren bisweilen sehr kurzen Tanzstücken mit einem rein repetitiven choreographischen Konzept antreten. Alle, aber wirklich alle der Tanzenden haben sich getrieben im ständigen Fluss in völligem Gleichklang der Bewegungsabläufe mit skurrilen Positionen – in Schlangenlinien, drehend, marschierend, sich windend und, und – unterzuordnen. Dies kann wiederholt Wirkung zeigen. Doch jegliche Individualität ist dem Einzelnen genommen. Und in solch bewegten doch gleichförmig durchgezogenen Sequenzen wird von dieser in Unilook gekleideten Schar absolute Disziplin gefordert.
Auch das 2008 gegründete chinesische TAO Dance Theater des Choreographen Tao Ye folgte bei seinem Wiener Gastspiel dieser zeitgeistigen Manier. Statt persönlicher Aussage hast du dich dem Kollektiv total anzugleichen. Und Taos Minimal-Piecen sind nur mehr mit Nummern bezeichnet. Die Nummern „16 & 18“ dieser `Numerical Series‘ sind im Burgtheater zu sehen gewesen. 26 Minuten sowie 27 Minuten Dauer und eine längere Pause dazwischen. Ein Bewegungswirbel ohne Aussage zu sterilem Sound ist mitzuverfolgen. ‚Circular Movement System‘ nennt
Tao diesen sich gleichförmig wiederholenden Stil – und er stimmt überein mit der Machart mehrer anderer gezeigten ImPulsTanz-Choreographien in diesem Jahr. Das Publikum geht mit, akzeptiert, verzichtet auf jegliche Erzählung ….
Meinhard Rüdenauer

