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WIEN/ ImPuls/Tanz ImPulsTanz-Performances: Drei Mal in je 55 Minuten – Wasserkunst, Luftkunst, Straßenkunst

31.07.2019 | Ballett/Tanz

ImPulsTanz-Performances: Drei Mal in je 55 Minuten – Wasserkunst, Luftkunst, Straßenkunst

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Jeweils 55 Minuten haben diese drei Gastspiele von kleinen Gruppierungen aus der europäischen Performance-Szene bei ImPulstanz gedauert. Drei Positionen (soll heißen: für ein spezielles Publikum gedacht) mit völlig unterschiedlichen Wirkungen. In der Gunst der stets positiv mitgehenden Zuseher ganz eindeutig voran: Die zehn jungen Damen der belgischen Compagnie Voetvolk, welche von ihrer Choreographin Lisbeth Gruwetz zu einer eindrucksvollen, völlig auf Sensibilität zielenden eigenständigen Kreation in konsequent durchgezogener Slowmotion-Manier geleitet wurden. 

„The Sea Within“ im Akademietheater: Sind es hier in diesem Zehn-Damen-Tableau ruhig im Meer treibende verletzliche Seepferdchen oder sich sachte wiegende Schlingpflanzen? Oder umspülen Meereswellen einmal sanft diese physischen Figurationen, bedrohen sie dann, entwurzeln sie mit stürmischem Gewogen, treiben sie in Panik? Der beständige Wechsel in der Natur wird als Metapher für das menschliche Sein ausgespielt. Ganz, ganz zart, doch ungemein ausdrucksstark mit den Körpern und einfacher Mimik modelliert.

Mit weit weniger künstlerischer Aussagekraft stellten sie die beiden anderen Ein-Stunden-Performer dem überwiegend jungendlichen ImPulsTanz-Publikum. Etwa „d he meant vary a shin´s“ als leicht verdauliche Luftkunst? Der französische Jungchoreograph Samuel Feldhandler und zwei kultivierte Damen haben auf der kahlen Bühne des Schauspielhaus sehr intensive, sich andauernd in leichten Variationen abwandelnde Bewegungsstudien vorgeführt. Manch interessante theoretische Darlegungen sind dazu angeführt, auch in Bezug auf klassische Musik. Doch nur elektronisches, sich mit der Dauer verstärkendes Gezirpe war zu hören, und die locker bewegte, allerdings recht trockene lange Sequenz hat zu keinen Spannungsmomenten geführt. Als mögliches Resümee: kleine ästhetische Movement-Impulse zu ambitioniertem Hausgebrauch.

„Radiant Optimism“ führte der Amerikaner Frank Willens mit vier MitstreiterInnen im Kasino am Schwarzenbergplatz vor. Das ist nun Straßenkunst mit sozialem Anstrich und keineswegs übertriebenem artifiziellen Anspruch. Reflexionen über Optimismus, Lebens-, Situationsbewältigung werden zu Geklingel verschiedenster Art mit aufforderndem herzlichen Zunicken an das Publikum, groteskem Shake, Wippen, anderen Bewegungsabläufen wie auch mit Wortspielen und Getrommel angedeutet. Tänzerisch bewusst amateurhaft, doch in der darstellerischen Intensität kraftvoll und überzeugend impulsiv.

Meinhard Rüdenauer 

 

 

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