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WIEN/ Heumarkt/Wiener Opernsommer: CARMEN

18.07.2026 | Oper in Österreich

17.07.2026 Wiener Opernsommer, Heumarkt : „CARMEN“

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Ezgi Kutlu. Foto: Simon Pauly

   Trotz aller „Merkereien“ ist von einer gelungenen Produktion und einem – wenn auch nach etwas zähem Anfang – sehr gelungenen Abend zu berichten. Wo erlebt man heute noch visuell Oper, wie sie dem Werk entspricht, und nicht den Phantasien der oft musikunkundigen Regisseure und Bühnenbildner? Ein sicherer Garant dafür ist Manfred Waba, Spezialist für „Oper alla grande“, der ein perfekt in den Rahmen am Heumarkt passendes, noch dazu sehr praktikables Bühnenbild baute, das wunderbar mit dem im Hintergrund thronenden Konzerthaus „verschmolz“ und dessen Seitenfront, die auch zu Projektionen genutzt wurde,   so auf geniale Weise ins Bühnenbild integrierte. Die Schauplätze waren somit perfekt charakerisiert und in Einklang mit den stilvollen, bunten Kostüme, die auch vom burgenländischen Grandseigneur der Freiluftopern stammten, war der optisch bestmögliche Rahmen für den Ablauf der Erfolgsoper von George Bizet, die Dominik am Zehnhoff-Söns darin werkdienlich gestellt hatte.

     Leider wurde der Ablauf vom „Komponisten“ selbst empfindlich gestört, der in Gestalt von Hosea Ratschiller viel zu oft das Geschehen, den musikalischen Fluß und die Spannung unterbrach – gefühlt wohl nahezu eine halbe Stunde!! War im Vorjahr Karl Markovics als Giuseppe Verdi verblüffend realistisch, dezent und klug disponiert weit weniger oft unterwegs, vor allem zur Stimmung passend, wurden die heurigen Texte eher einem Comedian-Auftritt gerecht, betont auf „lustig“, mit allerlei  unnötigen – aktuellen – Anspielungen und Gags. Ein kurzer Handlungsfaden pro Akt wäre da eindeutig mehr gewesen, als zuviel – teilweise auch falscher – Information (es wurde von vier Opern von Bizet gesprochen – es gibt um einige mehr!). Einige Lacher provozierte dieser eher skurille Auftritt aber allemal – nun ja! 

      Da auch Dirigent Joji Hattori nicht gerade straffe tempi nahm, geriet der Beginn etwas zäh und das Geschehen nahm erst mit dem Auftritt Escamillos etwas Fahrt auf – der zweite Teil geriet auf alle Fälle besser, dem ambitionierten Wiener Kammerorchester ist dies nicht anzulasten. Ebenso wie der Philharmonia-Chor – wo speziell die Damen teilweise inhomogen klangen – litt es an der viel zu lauten Verstärkung – da gibt es absolut noch Luft nach oben. Auch bei den Solisten fiel – wie fast immer bei verstärkten Freiluftaufführungen – unangenehm auf, daß Comprimarii vom Volumen her den Protagonisten völlig gleichgeschaltet werden.

     Das Solistenquartett war an diesem Abend ausgezeichnet besetzt. Mit Ezgi Kutlu stand eine hervorragende Carmen an der Spitze des Ensembles, die präsent von ihrer Auftritts Habanera bis zum letalen Ende ihren bronzen getönten, technisch bestens geführten Mezzo makellos führte. Sie ist keine „Schmalspur-Carmen“, wie sie heute gerne besetzt wird, sondern schöpft aus vollen Mitteln, gestaltet intelligent und differenziert, betört in den sonoren Tiefen, und hat nach oben hin nicht die geringsten Probleme. Daß  sie noch dazu hervorragend und immer geschmackvoll-  nie überdreht – spielt und eine attraktive Bühnenerscheinung bietet, zähle ich sie zu den bestenInterpretinnen, die ich in dieser Rolle gesehen habe. Ihrem Don Jose in Gestalt von Oreste Cosimo könnte ein wenig mehr Feuer in der Darstellung nicht schaden – er geht erst nach der Pause aus sich heraus, er kann es also! – stimmlich trumpfte er mit einem gut sitzenden, höhenstarken Tenor auf – lieferte als „Zugabe“  ein tolles „acuto“ im Finale zwei, und prunkte mit enormen Reserven im Finalduett, das zum Höhepunkt des Abends geriet. Wie man mit der eher undankbaren Rolle des Toreadors – ja, das ist sie trotz des berühmten Liedes – reüssieren kann, demonstrierte eindrucksvoll Paul Armin Edelmann. Ihm spielte die nicht einfache Lage des Escamillo keine Rolle – sang diese Partie mit Verve und Souveränität: ein Meister seines Faches, der auch szenisch seinen Auftritten den Stempel aufdrückte! Gabriela Hrzenjak möchte ich gerne unverstärkt hören: die junge Kroatin war ein Bild einer Micaela, ebenso lieblich ihr angenehmer Sopran mit einigen schönen Piano-Phrasen. Als Frasquita und Mercedes waren Juliette Khalil und Sofiya Almazova eingesetzt, stellvertrend für die weiteren Herren sei Remendado Samuel Robertson positiv erwähnt.

     Das gut gefüllte Areal war zum überwältigenden Teil wohl nicht von „professionellen Opernliebhabern“ bevölkert. Daher besonders wichtig, dass neben dem akustischen, auch ein optisches Erlebnis geboten wird: eine „Schwarz-Weiß „ Carmen in Straßengwandeln und im heutigen Ambiente hätte wohl alle potentiellen, künftigen Opernbesucher vertrieben!  So darf man sich auch auf die nächstjährige „Aida“ freuen und guten Gewissens auch „Unbedarfte“ zu einem Besuch animieren. Nur kommt hoffentlich niemand auf die Idee, den beim ORF „gegangenen“ Karim El-Ghawary als Erzähler einzusetzen – sonst könnte es noch lähmender werden als heuer..!

   Michael Tanzler

 

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