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WIEN/ Gesellschaft für Musiktheater: MUSIK VON ANNETTE VON DROSTE-HÜLSHOFF. Mit Thomas Schmidt & Margit Fussi

16.02.2016 | Konzert/Liederabende

DIE KOMPONIERENDE DICHTERIN – Musik von Annette von Droste-Hülshoff (1797 – 1848). Gesellschaft für Musiktheater am 15.2.2015

 Zu einem Raritätenkonzert mit Seltenheitswert hatte die Gesellschaft für Musiktheater Freunde und Kenner des Besonderen ins Palais Khevenhüller geladen. Auf dem Programm standen die Kompositionen einer Literatin, die – wie der Begleittext zutreffend feststellte – „als die bedeutendste deutschsprachige Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts gilt. Novellen wie DIE JUDENBUCHE und Gedichte wie DER KNABE IM MOOR haben ihren Ruf begründet und gehören immer noch zu den Standardwerken der deutschen Literatur. Kaum bekannt hingegen ist, dass die Dichterin auch komponierte. Angeregt durch ihren Onkel Maximilian Friedrich von Droste zu Hülshoff, einen von den Zeitgenossen hoch geschätzten und mit Joseph Haydn befreundeten Berufs-Komponisten, schuf sie eine Vielzahl von Liedern mit Klavierbegleitung, darunter eine bis heute einzige vollständige Bearbeitung des spätmittelalterlichen LOCHAMER LIEDERBUCHES für Singstimme und Klavier. Ihr unorthodoxer Kompositionsstil macht ihre Werke auch heute noch zu einem faszinierenden Hörerlebnis und zu einer eindrucksvollen Reise in die künstlerische Erlebniswelt einer ungewöhnlich(en) Doppelbegabten.“ (Zitatende)

 In der Tat weisen die Klavierlieder, die Annette von Droste-Hülshoff überwiegend für das Musizieren im häuslichen, bzw. landadelig-höfischen Kreis verfasste, ihre Schöpferin als versierte, wenn auch nicht unbedingt geniale Komponistin aus. Dabei kontrastiert der romantische Tonfall ihrer Goethe-, Brentano- oder Byron-Vertonungen reizvoll mit dem verzierungsreichen Minnesänger-Ton ihrer Bearbeitungen von Stücken des LOCHAMER LIEDERBUCHES. Auch geistliche Lieder und Arien aus Opernfragmenten finden sich. Für den intimen Kammerton der Droste mit seiner textorientierten Innerlichkeit standen mit dem Tenor THOMAS SCHMIDT und der Pianistin MARGIT FUSSI zwei hervorragend geeignete Interpreten zur Verfügung. Mit dem lyrischen Timbre seiner geschmeidigen, zum samtig-weichen Wohlklang ebenso wie zur flinken, blitzgenau artikulierenden Pointierung fähigen Stimme wußte der Sänger nachdrücklich zu überzeugen und empfahl sich als bemerkenswerter Liedgestalter für kommende Aufgaben.
 
MARGIT FUSSI – international bekannt als Begleiterin namhafter Sänger – war eine durchgehend aufmerksame, subtil und partnerbezogen musizierende Pianistin von selten gehörter Anschlagkultur. Sie begeisterte auch als Solistin mit zwei Klaviervariationswerken (darunter einem nach einem Thema aus Haydns „Symphonie mit dem Paukenschlag“) von Maximilian Friedrich von Droste zu Hülshoff (1764 – 1840), dessen an der Wiener Klassik orientierter Stil kaum von dem Haydns, Mozarts oder des frühen Beethovens zu unterscheiden ist. Unbegreiflich, daß ein Komponist dieser Qualität von der Nachwelt völlig vergessen werden konnte! Und äußerst verdienstvoll, diese Musik im wahrsten Sinne des Wortes „ausgegraben“ zu haben! Dies weiß offenbar auch die Droste-Gesellschaft zu schätzen, die aus dem westfälischen Münsterland (D), der Heimat der Dichterin, ein Grußwort geschickt hatte. Auch die Annette von Droste-Hülshoff-Stiftung war durch intensive Unterstützung der Noten-Recherche am Gelingen des Konzertes beteiligt.
 
 Mit dem dramatischen ZIGEUNERLIED nach einem Text von Goethe endete das offizielle Programm dieses mitunter geradezu sensationellen Liederabends, nach dem eine überwältigte Zuhörerschar noch drei Zugaben erklatschte. Bei derart hörenswerten Abenden (für den 14. November 2016 ist mit demselben Sänger bereits ein Conradin Kreutzer-Liederabend angekündigt) lohnt sich ein Besuch in der Gesellschaft für Musiktheater wirklich, zumal die Eintrittskarte auch für alle weiteren Konzerte des laufenden Monats gilt.

 Manuela Miebach

 

 

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