Freie Bühne Wien: Bitte, wer zahlt? … der Komponist! 6.10.2026

Gernot Kranner. Foto: Ralf Rühmeier
Die nach Wien geholten Intendanten der Musiktheater-, Schauspielbühnen der Stadt sind 2026 nicht mit gerade vielen Lorbeerkränzen geehrt worden. Wie die Finanzkrise der Stadtverwaltung – künstlerische Größe scheint in dieser Riege zur Zeit kaum gegeben zu sein. Am untersten Ende der Wiener Szene, bei den armen Schluckern, fällt hingegen auf, dass nicht mit Geld sondern mit persönlicher Hingabe um eine kulturelle Positionierung – vor allem für junge Menschen – gekämpft wird. An vorderster Front: Komödiant Gernot Kranner, der im Frühjahr die Freie Bühne Wieden vor der Schließung gerettet hatte und diese nun als Freie Bühne Wien mit kreativem Schaffen und großem Bemühen zu einer neuen Blüte führen möchte.
Das kleine Theater wurde von Kranner übernommen – und gleich darauf kam die Wiener Politiker-Keile: Subventionen gibt es für hier keine mehr! Doch Kranner versucht durchzuhalten: „Aus der Überzeugung heraus, dass Kunst und Kultur den Kitt unserer Gesellschaft darstellen. Und dass dieser Kitt nicht aus den Ritzen gekratzt werden darf. Denn sonst gibt es Scherben – und die bringen nicht immer Glück.“ Und sein Hauptanliegen ist: „Besonders unserer Jugend muss wieder Hoffnung gegeben werden. Darum habe ich diesen jungen Menschen die ersten Premieren dieser Saison gewidmet.“ Etwa: Als Mitsing-Musicals für Kids ab drei Jahren sind „Die Schöne und das Biest“ oder „Das kleine Vampir-ABC“ zu erleben, in „Dr. Murkes gesammeltes Schweigen“ steht ein Jung-Ensemble des Hauses auf der Bühne. Und so einiges mehr ….
Ja, und ohne Subvention, wer hat das Geld für die Produktion der österreichischen Erstaufführung des Drei-Personen-Musicals „24 Stunden im Leben einer Frau“ aufgebracht? Bitte? Dem musikalischen Schöpfer sind offensichtlich die Mittel gegeben. Er hat die Aufführunsgserie seines Stücks selbst finanziert. Konzertpianist und Komponist Sergei Dreznin, bereits seit Ende der 80er Jahre in der Wiener Musicalszene unterwegs, komponierte für Frankreich diese musikalische Paraphrase auf Stefan Zweigs Novelle. Wohl etwas entfernt vom Autor, weit mehr auf Sentiment gepolt, von zarten Klängen getragen, lyrisch, dazwischen doch einiges Geschrei, nicht auf fesselnd Dramatik zielend, mit Shlomit Butbul hingebungsvoll in der Titelrolle. Dreznins Freundeskreis hat diese Premiere gefeiert. Doch der Wiener Nachgeschmack bleibt: Viel Politiker-Schönrederei, doch um den Kitt für so manche Gesellschaft muss sich hier die kreative Kraft in Eigeninitiative schon selber bemühen.
Meinhard Rüdenauer

