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WIEN/ Festwochen im Museumsquartier: SONG OF THE SHANK – ein blinder US-Sklave als Musikgenie

15.06.2023 | Oper in Österreich

Wiener Festwochen: „Song of the Shank“ – ein blinder US-Sklave als Musikgenie (14.6.2023) 

Schon sehr faszinierend, mit welch psychischer Intensität, Hingabe, Stimmkraft sich die farbige dramatische Altistin Gwendolyn Brown in ihre Rolle als „Blind Tom“ Wiggins zu versetzen vermochte. Für zwei Abende hiess es „Song of the Shank“ in der kleineren Halle des Museumsquartiers. Die Wiener Festwochen haben gemeinsam mit dem Ensemble Modern aus Frankfurt diesen knapp 60minütigen Abend finanziert: Das Monodrama „Song of the Shank“ des US-Komponisten George Lewis im Stil der Musikavantgarde der 1960er, 70er Jahre – wuchtige Klangkaskaden, ein sehr kompaktes Notenbild, ständig schrille Aufschreie und trotz aller Vehemenz doch austauschbar in der Aussage wirkend.

Literat Jeffery Renard Allen verfasste ein Poem über das Leben und die musikalische Karriere von Tom Wiggins (1849 – 1908). Ein von Geburt an blindes Kind eines Sklavenpaares aus Georgia, ein Autist, der eine besonders außergewöhnliche musikalische Begabung gehabt hatte und von seinem Besitzer, dem Konföderiertengeneral Bethune, adoptiert sowie gemangt wurde und ertragreich in den Staaten wie auch in Europa herumgereicht wurde. Ein wortreicher Text, kultiviert in anglistischer Tradition, doch was ist über Tom Wiggins und sein Leben wie seine Kompositionen wirklich kennenzulernen gewesen? Das intensive Klangbad im früheren Stil der Avantgarde hat Tom Wiggins Persönlichkeit hinweggespült.

Meinhard Rüdenauer       

 

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