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WIEN/Festwochen im Museumsquartier: „Monument 0.6: Heterochronie“ – Der Netzwerker Totentanz

12.07.2021 | Ballett/Tanz

Wiener Festwochen: „Monument 0.6: Heterochronie“ – Der Netzwerker Totentanz

Ab in die Katakomben zum Ausklang des ersten Teils der heuer so zersplitterten Wiener Festwochen! Nicht in die der Stephanskirche, der Michaelerkirche oder luxuriöser ab in die Kapuzinergruft, doch laut Programm als Inspirationsquelle runter in die Katakomben der Kapuziner in Palermo. „Monument 0.6: Heterochronie“ steht ziemlich unverständlich als Titel über dieser Netzwerke-Koproduktion der Wiener Festwochen mit sechs anderen europäischen Kulturinstitutionen. Die künstlerisch Beauftragte: Die ungarische Chreographin Eszter Salamon, geschäftig in europäischen Landen unterwegs.

Nun, Salamon lässt ihre acht mit Fetzen behangenen Mumien nicht tanzen, sondern sich an einem in Dunkelheit getauchten überlangen Abend in besonders extrem langsamen Wandlungen ihre Positionen ändern. Zu gelegentlich eingeblendeten Abschieds-Texten und alten Gesängen von Gesualdo da Venosa, Alessandro Scarlatti oder Anonyma. Gezeigt werden die absonderlichsten Körperstellungen, gräulich verzogene aber auch auflachende verzerrte Gesichter, stehend, liegend, sich einander zu- dann wieder abwendend. Trotz dieses Larghissmo-Spieles wirken die Einstellungen in ihren Variationen eher wie Momementaufnahmen der Toten ohne eine zwingende dramatische Erzählung. 

Diese ‚Heterochronie‘, diese Wandlungen der in den Katakomben Ruhenden, hat eine zweistündige esoterische Reflexion für die in die Halle G des MuseumsQuartiers hinabgestiegenen Kultur-Intellektuellen geboten. Als eine künstlerische Bagatelle oder eine skurrile Sophistikation? Das aufgeschlossene Festwochen-Publikum hat zugestimmt. Somit gibt ihn nun auch – den „Netzwerker Totentanz“.

Meinhard Rüdenauer

 

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