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WIEN/ Festwochen: ANNE TERESA DE KEERSMAEKER IM ALLEINGANG

28.08.2020 | Ballett/Tanz


Anne Tersa De Keersmaker begleitet von Pavel Kolesnikov. Credit: Wiener Festwochen

WIENER FESTWOCHEN 2020 – reframed und eine Kunstfigur:

Zum Auftakt Anne Teresa De Keersmaeker im Alleingang

Die Stadt Wien spaziert mit ihren heurigen Festwochen – um drei Monate verschoben, mutig Corona trotzend und auf rund ein Dutzend Veranstaltungen reduziert – auf einem etwas unwegsamen Pfad. Für den überwältigenden Großteil ihrer Bürger jedenfalls. Wer trotzdem neugierig sein Näschen in diese ausgedünnten „Festwochen 2020 reframed“ hineinzustecken wagt, wird sicher so manch interessanten Programmpunkt finden können.

„Die Goldberg Variationen, BWV  988″ heißt es am Beginn der Veranstaltungsreihe in der großen Halle des Museumsquartiers. Mit einer sich tänzerischen Variationen hingebenden Dame, allein im dunklen weiten Raum, nur von einem Pianisten begleitet. Anne Teresa De Keersmaeker aus Flandern, frische 60 Jahre jung und mit starkem Charakter, ist an sich keine Einzelgängerin. Mit ihrer Brüsseler Kompanie ROSAS ist sie bekannt geworden und auch wiederholt in Wien zu sehen gewesen. Diese ihre Uraufführung ohne ihre Tänzer dürfte wohl nur als Corona-Notlösung anzusehen sein.

Johann Sebastian Bachs „Goldberg Variationen“, originaler: ‚Aria mit verschiedenen Veränderungen vors Clavicimbal mit zwei Manualen‘, 1742 auf kunstvollste Art niedergeschrieben, wird dem heutigen Stadtvolk kaum in den Ohren klingen. Kunstvoll komponierte wie teilweise auch unterhaltsame Musik, von Pianist Pavel Kolesnikov klar in moderner Manier vorgetragen. Und Keersmaeker, zuerst schwarz gekleidet und barfuß, später auch etwas attraktiver drapiert, bittet zu dieser Folge von Kanons, Fugen mit andachtsvoller Hingabe wie auch aufgelockert mit rustikaleren Tanzstücken, zu einem tänzerischen abendlichen Menü. Sie schöpft ihr zumeist streng ausgezirkeltes Bewegungsrepertoire nicht ganze zwei Stunden voll aus. Elegant posierend, schreitend, trippelnd, reich an elegischen Versunkenheitsmomente und ruhigem Verharren, plötzlich hüpfend oder unter dem Klavier verschwindend. Einige Gustostückerln, nicht gerade wenige Wiederholungen in der Körpersprache, bisweilen  mehr, manchmal weniger von der Musik getragen. Bachs Melodiengeflecht kann man auch völlig anders assoziierend oder in bunteren Farbtönen hören. Keersmaeker hier auf einem gewissen Egotrip: Wiens Connaisseurs haben diesen Festwochen-Start jedenfalls zu schätzen gewusst.

 

Meinhard Rüdenauer

 

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