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WIEN / Ehrbarsaal: VOM TANGO ZUM CSARDAS

Lieder von Leid und Lust

20.04.2024 | Konzert/Liederabende
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Peter Doss und Ekaterina Doss-Hayetskaya. Alle (Handy-)Fotos: Manfred A. Schmid

WIEN / Ehrbarsaal: VOM TANGO ZUM CSARDAS

19- April 2024

Von Manfred A. Schmid

Die Musik ist laut Niklaus Harnoncourt „die einzige Sprache der Welt, die alle Menschen verstehen können“. Ihre Völker verbindende, kulturelle, politische und sprachliche Barrieren überwindende Macht steht auch im Mittelpunkt des Konzerts „Vom Tango zum Csardas“ im Ehrbarsaal, das von Lateinamerika über Mexiko und Spanien bis nach Ungarn, Rumänien, Moldawien und Russland führt. Auf dem Programm stehen osteuropäische Volksweisen und Volkstänze, vorzüglich gestaltet von Emilia Kopatchinskaya (Violine und Bratsche) und Viktor Kopachinsky (Cymbalom), sowie Lieder, die von der anmutigen lyrisch-dramatischen Sängerin Ekaterina Doss-Hayetskaya mit Verve und Leidenschaftlichkeit vorgetragen werden und mehrheitlich der gehobenen Salonmusik hispanischer Prägung zuzurechnen sind. Zu hören gibt es aber auch ungarisch-folkloristisch angehauchte Operettenevergreens, wie „Spiel auf Deiner Geige das Lied von Leid und Lust“ von Robert Stolz oder „Hör ich Cymbalklänge“ aus Zigeunerliebe von Franz Lehar. Und als Höhepunkt das schwärmerisch-verklärende „Granada“ von Agustin Lara, der im Übrigen kein Spanier, sondern Mexikaner war. Als ebenso charmanter wie kundiger Moderator führt der Pianist Peter Doss durch den Abend und bestätigt einmal mehr seinen hervorragenden Ruf als Liedbegleiter.

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Emilia Kopatchinskaya (Bratsche) und Viktor Kopatchinsky (Cymbalom)

Was die Interpreten verbindet, ist ihre moldawische Herkunft, auch wenn sie z.T. schon lange in Österreich leben und wirken. Nur Peter Doss ist da eine Ausnahme, immerhin aber mit einer gebürtigen Moldawierin verheiratet. Das Duo Emilia Kopatchinskaya und Viktor Kopatchinsky, widmet sich in vor allem der Pflege osteuropäischer Volksmusik, insbesondere der des Balkans. Ihre Interpretationen der „Hora“ genannten Reigen oder Kreistänze zeichnen sich durch atemberaubende Tempi und rhythmische Finessen aus. Erstaunlich, wie das schon in die Jahre gekommene Ehepaar diese Herausforderungen meistert und das Publikum mitreißt. Es geht den beiden aber in erster Linie nicht um die beeindruckende faszinierende Virtuosität, sondern um ihr tiefes Verständnis für und ihre Einfühlungsgabe in diese musikalischen Traditionen, die sie auf ihre einzigartige Weise mit neuem Leben behauchen. Das trifft auch auf ihre Wiedergabe von volkstümlichen Bearbeitungen von Größen wie Zoltan Kodaly oder Grigoras Dinicu zu. Da macht auch ein „Ungarischer Tanz“ von Johannes Brahm keine Ausnahme.

Was die osteuropäische (Volks-)Musik und der lateinamerikanische Tango, der von Argentinien aus die Welt erobert hat – es gibt auch drei russische Tangos zu hören –, ist eine melancholische Grundierung durch Liebe und Schmerz. Besonders zeigt sich das in dem Stück „Trauriger Sonntag“ des ungarischen Komponisten S. Rezsö, das bekanntlich zu einer Reihe von Selbstmorden geführt hat und mit dem die beiden Instrumentalisten den zweiten Teil des Abends, gefolgt von einem Csardas, eröffnen. Ganz so trüb sind die lateinamerikanischen Lieder nicht, die Ekaterina Doss-Hayetskaya zuvor mit inbrünstiger, ungemein berührender Gestaltung gesungen hat. Eine dunkle Note von Traurigkeit ist den Liebeserklärungen des mexikanischen Komponisten Manuel Maria Ponce in „Estrellita“ (Sternchen) und des Spaniers José Maria Lacalle in „Amapola“ (Mohnblume) auch nicht abzusprechen. In ihrer einschmeichelnd eleganten Gestaltung der Lieder wagt die Sängerin Hayetskaya an passenden Stellen ein paar anmutige, graziöse Tanzschritte, die die gefühlvolle Schwere mancher Lieder leichter und luftiger machen. Eine Interpretationsmöglichkeit, die manchmal durchaus auch beim stimmlichen Einsatz zu überlegen wäre. Zu erwähnen ist noch, dass Emilia Kopatchinskaya bei den von Peter Doss einfühlsam am Klavier begleiteten Liedern dem Pianisten über die Schulter auf die Noten schaut und improvisierend auf der Geige mitspielt. So etwas meint man wohl mit „Musik im Blut zu haben“…

Der herzliche Applaus wird mit einem berückend schönen moldawischen Volkslied über ein Gespräch mit einer Weinrebe – natürlich über die Liebe – belohnt.

 

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