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WIEN/ Ehrbar-Saal: BROADWAY-SONGS – Angelika Kirchschlager und Sona MacDonald

08.12.2014 | Konzert/Liederabende

Broadway-Songs, Angelika Kirchschlager und Sona MacDonald, Ehrbar-Saal Wien, 7. Dezember 2014

 Ein nasskalter zweiter Adventsonntag in Wien, Autos spritzen Passanten an, wenn sie durch die Lacken brausen, vereinzelte Hundebesitzer kommen ihrer „Gassi“-Pflichten nach. Ungemütlich, das nahende weihnachtliche Fest ist in weiter Ferne. Dann betritt man den wunderbaren Ehrbar-Saal und fühlt sich ins vor-vorige Jahrhundert versetzt: Ein dichtes Gewühl an erwartungsfrohen Besuchern, dazwischen Clemens Horvat, der unermüdliche Organisator der Konzerte der Stadtinitiative, der mit geringsten öffentlichen Mitteln Jahr für Jahr tolle Konzertserien zu präsentieren im Stande ist. Diesmal stehen Broadway-Songs auf dem Programm, irgendwie passend zu den äußeren Bedingungen, es fällt nicht schwer die Fifth Avenue oder den Broadway zu imaginieren, mit all den Einkaufstempeln wie Macy’s und dem vorweihnachtlichen New Yorker Trubel.

 Keine Geringeren als Angelika Kirchschlager und Sona MacDonald werden die nächsten 90 Minuten gestalten. Doch zu Beginn betritt der blutjunge Werner Mai die Bühne und führt uns mit einem eindrucksvollen „New York, New York“ mitten ins Geschehen. Tausendmal gehört entlockt er dem Song seine eigene Facetten, perfekt begleitet von Otmar Binder am Flügel, Alexander Lackner am Kontrabass und Andi Steiner am Schlagzeug.

 Was dann folgt, ist amerikanisches Show-Business vom Feinsten, die beiden Damen treffen in jeder Hinsicht den richtigen Ton bei den –meist gar nicht so bekannten – Liedern und lassen einen spüren, wie sehr es ihnen Spaß macht, dieses in Wien nicht allzu oft gehörte Musikgenre zu interpretieren. Kirchschlager kann dabei natürlich ihre Opernvergangenheit nicht zur Gänze verleugnen, erzählt aber köstliche Geschichten, wie etwa in „The Physician“, der sich als Arzt in erster Linie für ihre Epidermis und ihren Kehlkopf begeistern kann, dass er sie liebt, kommt ihm aber nicht über seine Lippen. Da merkt man, dass ihr beruflicher Schwerpunkt in den letzten Monaten eindeutig beim Lied lag und nicht auf der Opernbühne. Einzig beim Gassenhauer „They can’t take that away from me“ würde man sich mehr jazzigere Freiheiten wünschen. In Sona MacDonald hatte die Wiener Mezzosopranistin eine kongeniale Partnerin zur Seite. Das Ensemblemitglied des Theaters in der Josefstadt besitzt durch ihre Musicalvergangenheit und die Wittenbrink-Programme an ihrem Stammhaus das perfekte Timbre und die ideale Mikro-Stimme. Gänsehautstimmung erzeugt sie mit „Maybe this time“ aus Cabaret, aber auch bei den unbekannten Sondheim-Songs ist sie in ihrem Element.

Als nach zwei Zugaben das Publikum in die kalte Winternacht entlassen wird, sieht man nur entspannte fröhliche Gesichter, den beiden Sängerinnen nimmt man ihre Küsse und Umarmungen nach der gelungenen Performance glaubhaft ab und freut sich mit ihnen. Der weiter prasselnde Nieselregen stört plötzlich nicht mehr, was kann ein Konzertabend mehr erreichen? Am nächsten Sonntag (14. Dezember) gibt es noch eine Reprise!

 Ernst Kopica

 

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