Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN / Drachengasse: CURIE_MEITNER_LAMARR_UNTEILBAR

13.10.2014 | Theater

 CurieMeitnerLamarr alle drei~1

Fotos: Reinhard Werner

WIEN / Drachengasse / Raum Bar&Co:
CURIE_MEITNER_LAMARR_UNTEILBAR
Eine Koproduktion von portraittheater und Theater
Drachengasse
Premiere: 13. Oktober 2014 

Was haben Marie Curie (1867-1934), Lise Meitner (1878-1968) und Hedy Lamarr (1914-2000) gemeinsam? Nun, bei den ersten beiden ist die Antwort nicht schwer, sie rangieren unter den größten Wissenschaftlerinnen der Geschichte, Erstere mit Radioaktivität, Zweitere mit Atomphysik befasst (um es einmal so simpel auf den Nenner zu bringen). Wie passt Hedy Lamarr, erste Nackte mit Orgasmus auf der Filmleinwand, von Hollywood als „schönste Frau der Welt“ verkauft, da dazu?

Nun, die Lamarr ist für das „portraittheater“, das einen Schwerpunkt seiner Arbeit „auf die Porträtierung von herausragenden Frauen“ legt, „um deren Wirkung oder Bedeutung in der Öffentlichkeit besser sichtbar zu machen“, eigentlich der aktuelle Anlass dieses Abends. Die Dame hätte am 9. November ihren 100. Geburtstag gefeiert, und man wird anlässlich der dann zu erwartenden Jubiläumsartikel sicher wieder lesen, dass sie auch „Wissenschaftlerin“ war (wenn auch wohl eher hobbymäßig) – und dass das System, das sie zur Sicherheit von Torpedo-Booten im Zweiten Weltkrieg erfand, heute in jedem Handy und sonstigen Digitalwerkzeug steckt…

So kommen die drei zusammen, die auch alle Jüdinnen waren, obwohl es – ohne dass man es im geringsten kleinreden will – in deren Fall keinen lebensbedrohenden Faktor darstellte: Die Polin Marie Curie bekam „nur“ den französischen Antisemitismus zu spüren, Lise Meitner konnte emigrieren, und Hedy Lamarr war ohnedies schon in den zwanziger Jahren ihrer Filmkarriere wegen in die USA gegangen (und nur, weil es sich in den Medien besser machte, erklärte man sie zum Flüchtling vor den Nazis). Nur, was an den Damen „unteilbar“ sein soll, wie der Titel behauptet, das kapiert man nicht ganz.

Die Schauspielerin Anita Zieher, die offenbar mit Regisseurin Sandra Schüddekopf die Texte vordringlich aus O-Tönen der Damen zusammen gesetzt hat, spielt alle drei pausenlos hintereinander in eindreiviertel starken, wenn auch gelegentlich anstrengenden Stunden.

Da ist Marie Curie, die nicht nur von ihrer Arbeit besessen war, sondern dafür auch die Anerkennung verlangte, die man ihr als Frau (trotz letztendlich zweier Nobel-Preise) im Grunde versagte – neben dem Glück des Forschens krampft sich da auch vieles an Enttäuschung und Ärger zusammen.

Optisch kaum verändert (da wäre ein bisschen mehr mehr gewesen), ist sie dann Lise Meitner, die ein erstaunliches Geschöpf war und vermutlich in ihrem Leben ernsthaft nur die Physik geliebt hat. Weder Privatleben noch äußere Anerkennung waren ihr je so wichtig, dass sie sich von ihrem Weg hätte abbringen lassen. Das wird zu einer schönen Studie geradezu heiterer Gelassenheit und Souveränität.

Curie Meitner Lamarr unteilbarLamarr

Dann allerdings kommt Hedy – mit dem wallenden Haar, einem exzentrischen Gewand, tatsächlich sieht die Interpretin dem Vorbild ähnlich und hüpft gewissermaßen locker und frivol durch ihr Schicksal, von dem diese (ursprünglich wienerische) Hedy wohl selbst nicht weiß, was wahr und was falsch ist (in Hollywood scheint sich dergleichen untrennbar zu verflechten).

Ihr System, die verschiedenen Kanäle für die Torpedo-Sicherung mit einem Publikumsexperiment zu zeigen, misslingt in anderen Vorstellungen sicher genau so wie in dieser. Und immer wieder werden die Frauenschicksale, um die es geht, auch zur Nachhilfestunde – und wer da in der Schule immer nur bei den Geisteswissenschaften aufgepasst und die Naturwissenschaften tunlichst geschwänzt hat, der wird sich immer wieder über weite Stellen schwer tun, auch wenn die Autorinnen sicher der Überzeugung sind, sie hätten doch die Atomspaltung so einfach wie nur möglich erklärt… Und auch ein paar „Lehrfilme“ mit jungen Mädchen dazwischen, die ihren Simpel-Text aufsagen („Ist die Banane auch radioaktiv?“) könnte man streichen, da wird’s Schulfunk.

Und dabei sind doch nur diese drei Frauen interessant – und ihre bemerkenswerte Interpretin, die stürmisch akklamiert wurde.

Renate Wagner

Weitere Vorstellungen: 14. bis18. Oktober 2014 um 20 Uhr in der Drachengasse

 

Diese Seite drucken