‚Das OFF Theater‘: Franz Schubert – und sein Spektrum menschlicher Sehnsüchte (17.4.23)
Ein Schubert-Abend in aller Ehre im Wiener OFF-Theater?
Genie Franz Schubert als Außenseiter? Zu seiner Zeit: ja.
Und heute? Beinahe …. zwischen all der die Romantik verschluckenden Elektronik und den theatralischen Stücke-Manipulationen auf der heutigen Kulturbühne.
Rein ästhetisch, aus musikalisch vergeistigter Tradition gewachsen, hat die Wiener Konzertreihe *Viva la Classica* unter Leitung der Sopranistin Julitta Dominika Walder das halbszenische Schubert-Projekt „Auf dem Wasser zu singen“ im Wiener ‚Das OFF Theater‘ gestartet. Schuberts Musik führt in eine andere Welt. Unter den Regie-Anleitungen von Ruth Cerha verschmelzen ein Klaviertrio (M. Kasprzak-Labuzinski, A. Kabut, P.Jaworski), ein Tänzer (F.T.Huster) sowie als Gesangsinterpreten Julitta Dominika Walder, Orhan Yildiz, Gottfried Falkenstein zu einer Psycho-Verbundenheit. Der Nerv wird getroffen.
Schubertsche Seelendramatik ohne ausgespielte Theatralik – das hat auch seine depressiven Seiten. Es ist schon eine andere Zeit gewesen, diese veredelnde und in die Tiefe gehende Kunstaussage von gestern und vorgestern. Doch hier blühen Schuberts Melodien in ihrer Schönheit auf und führen in die sensibelsten seelischen Bereiche. Schubert pur: Das 2.Klaviertrio pantomimisch gedeutet, der „Lindenbaum“, der „Frühlingstraum“ aus der „Winterreise“, dazwischen Goethes „Erlkönig“ nur rezitiert, dann die Arpeggione-Sonate, das Konzertstück für Violine D-Dur …. da gibt es keine Marketing-Kalkulation, nur der Mensch zeigt sich mit seinen innersten Sehnsüchten. Und zum Ausklang dieses szenisch arrangierten Harmonie-Spieles erklingt die Danksagung „An die Musik“.
Meinhard Rüdenauer

