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WIEN / Burgtheater: IN 80 TAGEN UM DIE WELT

07.12.2012 | Theater

 

 
Foto: Burgtheater, Reinhard Werner

WIEN / Burgtheater:
IN 80 TAGEN UM DIE WELT nach Jules Verne.
Fassung: Peter Raffalt
Premiere: 18. November 2012,
besucht wurde die Vorstellung am 6. Dezember 2012 

Seit der Ära Hartmann ist die Welt des weihnachtlichen Kinderstücks im Burgtheater wieder in Ordnung, und man will nicht unterstellen, dass das bloß familiäre (nepotistische) Gründe hat – Hartmann-Schwester Annette Raffalt inszeniert dies schließlich bewährt hübsch, und ihr Gatte Peter Raffalt kann auch noch geschickt als Autor / Dramaturg walten, indem er die Vorlagen bühnengerecht bearbeitet. Das hat sich im Vorjahr bei „Peter Pan“ bewährt und heuer erneut bei Jules Verne und seinen klassischen „In 80 Tagen um die Welt“.

Klassisch des Filmes wegen, der natürlich den Kindern, die die Aufführung bis auf den letzten Platz füllen, nichts bedeutet, aber Erwachsene erinnern sich daran, dass dies in den fünfziger Jahren der erste große Farbfilm auf großer Leinwand war (mit David Niven, Catinflas, Shirley MacLaine als indischer Prinzessin und einem Marlene Dietrich-Gesangsauftritt im Glitzerkleid), das merkt man sich einfach. Mehr als die spätere, unwichtige Verfilmung mit Jackie Chan – da erinnert man sich noch eher an den TV-Dreiteiler mit dem eleganten Pierce Brosnan, wobei damals Peter Ustinov als ihm nachhetzender Detektiv der Clou der Besetzung war).

All das ist natürlich für die Kinder im Theater irrelevant. Sie erleben die Geschichte von Mr. Phileas Fogg, der 1872 in seinem Londoner Club wettet, die Welt in 80 Tagen zu umrunden, im Burgtheater als bunte, lustige, reichlich musikverbrämte Nostalgie-Show. Leise Schlenker im Text und das Programmheft erzählen ihnen schon, dass Monsieur  Jules Verne (der zumindest mit seiner Reise in den Mittelpunkt der Erde noch Sci-Fi geblieben ist, und so richtig zuhause sind wir am Mond ja auch nicht geworden) mit diesem seinem Buch, das einst schier Unmögliches zu behaupten schien, heute schon fest auf dem Boden der Tatsachen  gelandet ist (obwohl wir noch immer nicht daran dächten, Tausende von Kilometer mit dem Ballon zu fliegen – wir haben’s allerdings nicht nötig).

Mit den Stationen der Weltreise beschwor Jules Verne den Exotismus, der selbst heute in der Welt des Massentourismus noch funktioniert (so gäbe es diesen nicht) – Bernhard Kleber schafft Bühnenzauber mit vielen Projektionen, bunte Kostüme von Ele Bleffert helfen, die Musik von Parviz Mir Ali spielt nicht nur mit, sondern bläst den Abend zeitweise fast zum Mini-Musical auf, und ein paar Videos sind auch dabei (Stephan Komitsch, Peer Engelbracht).

Für den Rest sorgen die Schauplätze selbst – ein Basar in Ägypten, der indische Dschungel (mit Schlange und Elefant), China mit Opiumhöhle, Amerika mit Indianerüberfall. Nach zweieinhalb kurzweiligen Theaterstunden ist man wieder im Londoner Club, und Mr. Fogg hat seine Wette gewonnen. Und besonders erfreut ist man, wenn man den Kindern in der Pause dabei zuhört, wie sie ihr Wissen über die fremden Welten, denen sie da auf der Bühne begegnen, austauschen. Vielleicht wird der eine oder andere dem Zauber des Reisens verfallen…

Im übrigen funktioniert der von Annette Raffalt (wie stets bei ihr festzustellen) ohne Mätzchen inszenierte Abend durch deckende Besetzungen, wobei Sven Dolinski mit französischem Zungenschlag ein besonders liebenswerter Diener Passepartout ist, Liliane Amuat eine besonders hübsche indische Prinzessin, André Meyer ein zappelnder Detektiv. Peter Knaack spielt den zurückhaltenden Engländer, der selbst angesichts von drohenden Indianern kaum seine Gelassenheit verliert und von seiner schönen Inderin geradezu zum Menschen „wachgeküsst“ werden muss. Diese britischen Typen soll es tatsächlich geben…

Der Rest des Ensembles muss in vielen Rollen präsent sein und wird von Tänzern, Akrobaten und Statisten lebendig unterstützt.

Das Publikum reichte von sehr, sehr kleinen Kindern bis zur Oma und schien durch die Bank schrankenlos entzückt.

Renate Wagner

Weitere Vorstellungen
Sa 15. 12, So, 23.12., Mi 26.12. 2012, je 16 Uhr
Sonntag, 06.01.2013 | 15.00 Uhr
Donnerstag, 10.01.2013 | 17.00
Sonntag, 13.01.2013 | 16.00 Uhr
Freitag, 18.01.2013 | 16.00

 

 

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