Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN / Belvedere: FORMALISIERUNG DER LANDSCHAFT

28.05.2013 | Ausstellungen

WIEN / Oberes Belvedere: 
FORMALISIERUNG DER LANDSCHAFT – HÖLZEL, MEDIZ, MOLL U. A.
Vom 28. Mai 2013 bis zum 8. September 2013

 

An der Schwelle zur Moderne

Klein, aber fein – und enorm wichtig: Das ist die Reihe „Im Fokus“ für Belvedere-Direktorin Agnes Husslein. Konzentrierte Ausstellungen in nur zwei Räumen, die sich mit dem eigenen Bestand befassen und im Haupthaus des Belvederes (die Großausstellungen finden ja „unten“ statt) den Blick auf Werke richten, die sonst nicht im Zentrum stehen. Hat man diese Reihe bisher meist personalisiert, so geht es diesmal um ein allgemeines Thema, das sich nur in einen sperrigen Titel gießen ließ: Um „die Formalisierung der Landschaft“, wie sie in der österreichischen Kunst um 1900 erfolgte und auch auf diesem Gebiet das Tor zur Moderne aufstieß.

Von Heiner Wesemann

Die Künstlerkolonie Dachau     Wer heute „Dachau“ besucht, dieses an sich idyllische bayerische Städtchen, weiß wohl, wie sehr die Bewohner darunter leiden, dass der Name ihrer Stadt bis in alle Zeit schwer belastet sein wird, weil man nur noch das dort befindliche deutsche Konzentrationslager damit assoziiert. Ohne diesen Konnex könnte Dachau heute – neben Worpswede – als wichtigste Künstlerkolonie Deutschlands im späten 19. Jahrhundert gelten, „das deutsche Barbizon“, wie Agnes Husslein es verglich, zwei Orte, in denen Maler sich vor allem mit dem Phänomen Landschaft auseinandersetzten und aus der Kunstgeschichte nicht wegzudenken sind. Es ist dieses Dachau, es ist der Kreis um Adolf Hölzel, dem die nunmehrige Ausstellung und ihr Kurator Alexander Klee ein Denkmal setzen wollen.

  
Adolf Hölzel: Silberpappeln, 1900

Adolf Hölzel     Hölzel, geboren 1853, aus einer künstlerischen Familie stammend (sein Vater verlegte berühmte Atlanten, die sich vielleicht heute noch aus Großvaters Zeiten in den Familien finden), war Mitbegründer der Wiener und Münchner Secession, veröffentlichte 1901 in der Wiener Secessions-Zeitschrift „Ver Sacrum“ einen Grundlagenartikel über „Formen und Massenvertheilung im Bilde“, den der Katalog zur Belvedere-Ausstellung gänzlich faksimiliert abdruckt. Er lebte seit 1888 in Dachau, wo er eine Art „Malerschule“ unterhielt, eine Akademie, die nicht zuletzt deshalb von so großer Bedeutung war, weil er sowohl seine Schüler wie auch seinen Freundeskreis – Carl Moll, Karl Mediz, Emilie Mediz-Pelikan und Theodor von Hörmann sind da die größten Namen – stark von seinen neuem Kunstverständnis besonders in der Landschaftsmalerei beeinflussen konnte. Dennoch blieb Hölzel, der 1934 starb und in Stuttgart begraben ist, der ganz große Erfolg versagt. Sein Name wird in der Fachwelt bewundert, ist dem breiten Publikum aber meist unbekannt, ebenso wie die anderen „Neu-Dachauer“, darunter der in der Ausstellung vertretene Ludwig Dill. Vielleicht, weil letztendlich die landschaftliche Stilisierung, wie Gustav Klimt sie so spektakulär etwa mit seinen Attersee-Bildern unternahm, alles überstrahlte.

  
Franz Stuck: Abendlandschaft, 1891

Vom Impressionismus zur Fläche     Gerade Österreich hatte – man denke nur an die Namen Schindler oder Blau – herausragende Persönlichkeiten in der Welt des Stimmungsimpressionismus zu bieten. Indem er den Blickwinkel wechselte, befand sich Hölzel an der Schwelle zur Moderne: Es ging ihm nicht mehr um das realistische, gewissermaßen gefühlsbetonte und schöne Abbild der Landschaft, vielmehr standen formale Fragen im Mittelpunkt, ein Gestaltungswille, der die Bildkomposition nicht zuletzt auf dem Weg zur Fläche, zum Ornament sah. Dafür hat die Ausstellung beeindruckende Beispiele zu bieten, nicht nur von Hölzel selbst. Sicherlich einen Schwerpunkt bildet dazu das Gemälde „Abendlandschaft“ von Franz Stuck aus dem Jahre 1891: Es hat einst dem Belvedere gehört, wurde später verkauft und kommt nun, als Leihgabe des Folkwang Museums Essen kurzfristig für diese Ausstellung nach Wien zurück. Form und Stimmung gehen hier eine besondere Synthese sein.

  
Karl Mediz: Einsamkeit, 1902-1903                         

Moor, Bäume, Felder    Bilder wie „Einsamkeit“ von Karl Meditz, der Wasser, rote Erde, Himmel und Bäume in nicht realistischer Manier „flächig“ zusammen führt, sind ebenso Ergebnisse des Dachauer Moors  („Diese landschaftlich einzigartige Region“, wie Kurator Alexander Klee sie nennt) wie Hölzels „Silberpappeln“, die wie Skulpturen in die Höhe ragen – und den Bäumen seltsam verwandt sind, die Theodor Hörmann Jahre davor in Znaim gemalt hatte: Es meldete sich gewissermaßen flächendeckend ein neues Kunstverständnis.

Parallel die Fotografie    Auch die Fotografie wurde damals als Kunst begriffen, die nicht abbildete, sondern gestaltete, und die Ausstellung hat zahlreiche Beispiele dafür zu bieten, wie Landschaftsfotos von Hugo Henneberg oder Heinrich Kühn, die „wie gemalt“ (bzw. „wie graphisch“) wirken.   

 

Oberes Belvedere:
„Formalisierung der Landschaft – Hölzel, Mediz, Moll u. a.“
Bis 8. September 2013, täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch bis 21 Uhr

 

 

Diese Seite drucken