Wiener Staatsoper_ LA CLEMENZA DI TITO am 20.9-2026
La Clemenza di Tito
Non piu di fiori

Es gäbe schon eine Mozart-Oper, zu der Jan Lauwers Manier sehr gut passen würde, aber das ist der Idomeneo und nicht die Clemenza. Die Dynamik, die durch tänzerische Entäußerung sowohl der Tanzkompanie als auch der Solisten und des Chors entsteht, wirkt hier nicht organisch, sondern nur aufgesetzt. Dazu tritt eine Gestaltung der Rezitative, die nahezu immer uninspiriert und wie eine endlose Dauerwurst wirkt, aber das liegt naturgemäß auch am Dirigenten. Cornelius Meister geht die Orchesternummern mit Verve an, bleibt aber die meisten Geheimnisse der Partitur schuldig: es fehlen Feinheiten, Höhepunkte, ein großer Bogen. Und da der Tito nun einmal nicht das dramaturgische Gewicht der da-Ponte-Trilogie aufweist, kann Meister das Vorurteil einer langweilig-gestrigen Seria nicht widerlegen. Da ist eine Chance vertan worden, dem Werk mehr Liebhaber zu gewinnen.
Die Sängerbesetzung ist insgesamt zufriedenstellend, wobei das „zweite Paar“ das „erste“ stimmlich um Längen schlägt: Patrizia Nolz, gewiss schon Sesto-reif, räumt als Annio beeindruckend ab, Slávka Zámecnikova ist ihr als echt lyrische, unsoubrettige Servilia eine ebenbürtige Partnerin, während Peter Kellners strenger Publio doch etwas hinter den Erwartungen zurückbleibt, weil er eher Einzeltöne als Linien liefert. Kate Lindsey ist als Sesto berührend, in ihrer letzten Arie geradezu erschütternd, zeigt aber vokal viel mehr Ausdruck als Stimme. Und Hanna-Elisabeth Müller müht sich, wie schon in der Premierenserie, mit den fordernden Tiefen der Vitellia, leistet aber darstellerisch sehr Gutes, mit der Optik und Ausstrahlung einer Filmschönheit.

Katleho Mokhoabane. Copyright: Mokhoabane
Uneingeschränkt positiv überrascht der Tito. Man wusste schon, dass Katleho Mokhoabane über eine herausragend schöne Tenorstimme verfügt, aber wie differenziert und ausdrucksvoll er sie mittlerweile führt, als einziger auch spannende Rezitative formt, ist besondere Klasse. Was vor einem Jahr noch vielversprechende Zukunft war, ist zu hochklassiger Gegenwart geworden. Nächste Saison mal eine andere große Aufgabe?
Der Wunsch nach einem echten Mozartensemble mag noch nicht ganz aufgegangen sein, aber der Weg stimmt.
Robert Fucik

