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WIEN / Albertina: MIRÓ

11.09.2014 | Ausstellungen

 Albertina Miro Plakat~1  Albertina Miro Schriftzug~1 
Alle Fotos: Heiner Wesemann

WIEN / Albertina / Propter Homines-Halle:
MIRÓ. Von der Erde zum Himmel
Vom 12. September 2014 bis zum 11. Jänner 2015 

 Vor allem helle Träume

Joan Miró sei die Antwort der Kunst auf die Macht des Traumes und des Unterbewussten, sagte Klaus Albrecht Schröder bei der Pressekonferenz zur Großausstellung über Joan Miró, die an die hundert Werke – darunter überwiegend Ölgemälde, daneben Graphik, Keramik und Skulpturen – des Künstlers zusammenführt. Eine Lebensschau des Mannes, der immerhin 90 wurde, von den Dadaisten teilweise ebenso beansprucht wie von den Surrealisten, aber ein Künstler, der in den meisten seiner Werke eine unverwechselbare Handschrift zeigt, die ihn auch weltweit berühmt und, mancher Gefälligkeit wegen, beliebt gemacht hat. Weshalb die Albertina gut und gern mit einem bedeutenden Publikumszustrom rechnen kann (zumal man mit einem Ticket auch noch Rainer und Katz und die Habsburgischen Prunkräume geboten bekommt).

Von Heiner Wesemann

 Miro Graphik~1

Joan Miró   Geboren am 20. April 1893 in Barcelona, war Miró keiner jener Katalanen, die für die Abspaltung seines Landes von Spanien votierte. Er gilt auch nicht, wie Schröder gleich thematisierte, als „politischer“ Künstler – ein Werk wie Picassos „Guernica“ kennt man von ihm nicht. Und wenn er unter dem Einfluss der französischen Surrealisten auch die immer wieder zitierte Forderung vorbrachte, die „Malerei zu ermorden“, kann man nur froh sein, dass dies konzeptionell und nicht real gemeint war. Joan Miró lebte längere Zeit in Paris, floh den Spanischen Bürgerkrieg in Richtung Frankreich, floh vor der deutschen Besatzung zurück nach Spanien und ließ sich in Mallorca nieder, wo er einen großen Teil seines restlichen Lebens verbrachte und am 25. Dezember 1983 in Palma de Mallorca starb – die Ehrungen zum seinem 90. Geburtstag hatte er noch erlebt. Er war langlebig wie der um 12 Jahre ältere Kollege Picasso, der von Miró gesagt hatte, dass er nach ihm weitere neue Türen der Kunst geöffnet hätte. Auch Dali, seinerseits neun Jahre jünger als Miró, hat den Kollegen sehr bewundert.

Miro Raum~1

Chronik eines Künstlerlebens     Die ersten Werke, die man in der Ausstellung betrachten kann, zeigen die Seite Mirós, die man als den „katalanischen Bauern“ bezeichnet – er malte den Gemüsegarten, den Bauernhof, das Dorf mit Kirche im Stile der „Naiven“: Das ist Greifbares aus dem Leben, noch erkennbar. Dann der große Sprung in die totale Abstraktion – der „Bauer mit Gitarre“ gerät ihm nur noch zu Strichen. Die Titel seiner Bilder mögen Realistisches behaupten, aber man sieht nur Absurdes – keine Spur einer „spanischen Tänzerin“. Die „Malerei“, wie er sie 1925 malte, hat ein weißes Gesicht wie „E.T.“ (von dem man damals natürlich noch keine Ahnung hatte) mit Flammen am Kopf – der Magier und Mystiker ist erwacht. Manches (angebliche „holländische Interieurs“) zerfließt ihm wie bei Dali, anderes (entstellte Gesichter) scheint an Picasso angelehnt, es ist, als experimentiere Miró mit sich selbst. Bis er sich selbst findet – mit Mond und Sternen, Strichmännchen und Tieren, mit seiner eigenen Anmut und Farbigkeit. Grotesk und eigentümlich dazwischen: die Skulpturen, die Keramikarbeiten. Alles unterliegt mancher stilistischer Veränderung, auch wenn es „in sich“ gleich bleibt, bis der spätere Miró dann plötzlich zu einer Dunkelheit der Farbgebung findet (mehr Schwarz als je), die bis dahin fehlte…

Miro Kopf der Malkunst~1

Über Image und Klischee hinaus    Miró ist ein „beliebter“ Künstler, gilt als jemand, der es dem Publikum einfach macht (und wird bekanntlich auch sehr viel gefälscht, weil man den Kanon seiner Bildelemente und seiner Farben kennt und auch vom Computer zusammen setzen lassen könnte). Natürlich findet sich in der Albertina sehr viel „typischer“ Miró, das „Helle“ seiner Träume überwiegt, und dennoch scheint es die Stärke der Ausstellung, ihn auf eine weit breitere Basis zu stellen als üblich. Schröder betonte, dass die scheinbare Leichtigkeit der Bilder von Miró schwer und bewusst erarbeitet wurde. Und es zeigt sich bei genauer Betrachtung, dass Einfachheit nicht simpel, dass Spielerisches nicht oberflächlich, Naivität nicht „kindisch“ im albernen Sinn ist. Werke wie die „Landschaft“ von 1927 – gewissermaßen eine „in Frage gestellte“ Sanddüne –  machen trotz des possierlichen Hahns rechts oben nachdenklich, haben einen philosophischen Impakt. Gerade weil von ihm auf den Bildern keine vordergründigen Geschichten erzählt werden, wirft Joan Miró den Betrachter ganz tief auf sich zurück. Und viel mehr kann Kunst nicht erreichen.

Miro Skulptur~1

Albertina: MIRO. Von der Erde zum Himmel
Bis zum 11. Januar 2015, täglich 10 bis 18 Uhr, Mi bis 21 Uhr

 

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