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WIEN / Akzent: CAVEWOMAN

24.04.2014 | Theater

Cavewoman sie  Cavewoman Plakat

WIEN / Theater Akzent:
CAVEWOMAN von Emma Peirson
Österreichische Erstaufführung
Premiere: Dezember 2012
Besucht wurde die Aufführung am 24. April 2014 

Im Anfang war, weil die Männer ja angeblich immer zuerst kommen, „Caveman“, die verdammt witzige One-Man-Show über den Mann, das seltsame Wesen, das sein Verhalten seit Höhlen-Anfängen im Prinzip nicht geändert hat. Anfang der neunziger Jahre erstmals gespielt, vom Broadway in die Welt ausgeschwärmt, hat uns der „Caveman“ von Autor Rob Becker 2002 in Gestalt von Adi Hirschal erreicht und lachen gemacht.

Aber Frauen müssen bekanntlich immer zurückreden und Antwort geben, und die südafrikanische Schauspielerin Emma Peirson hat das mit „Cavewoman“ für die Damenwelt unternommen. Auch ein Monolog, aber von der anderen Seite. Und wenn es auch mit Adam und Eva beginnt (und der festen Behauptung, Eva sei zuerst da gewesen und Gott habe Adam nur geschaffen, weil sie so lästig darauf beharrt hat – es sei ihr ohne Mann einfach zu langweilig gewesen), haben wir es nicht mit Fred Feuersteins Gattin zu tun, so sehr das Plakat dies auch vorzuspiegeln scheint.

Tatsächlich hat sich die Autorin sogar eine fast „echte“ Situation ausgedacht. Die Heldin, in Wien „Evi“ genannt (bei den deutschen Kollegen wurde eine „Heike“ daraus, und selbstverständlich richtet sich jede Vorstellung wie im Kabarett ihre Pointen so ein, dass sie das jeweilige Publikum treffen), sinniert am Abend vor ihrer Hochzeit so vor sich hin. Über Mann und Frau und ihre diesbezüglichen Erfahrungen: Dazu gibt es giftige Erkenntnisse, niederschmetternde Erfahrungen, biestige Kommentare und auch jede Menge Selbstironie. Irgendwo auf der Kippe zwischen Noch-Theaterstück und Vielleicht schon-Kabarett hat sich Regisseur Erich Furrer eher auf die sicher ins Publikum zielende Pointenschleuder verlegt. Und dafür aus einer sehr guten Schauspielerin eine brillante Kabarettistin gemacht.

Cavewoman-© Fritz NovopackySofa
© Fritz Novopacky

Gabriela Benesch war einst, in ihren Josefstadt-Jahren, eine der attraktivsten Schauspielerinnen von Wien. Dann vom Fernsehen verlockt, ist sie nie wieder in ein Engagement zurückgekehrt. In den letzten Jahren hat man sie nur sporadisch auf der Bühne gesehen. Und wie viele Kollegen macht sie offenbar am liebsten „ihr Ding“, am besten allein auf der Bühne. Wie diese Evi, die sie mit allen nötigen darstellerischen Qualitäten ausstattet: Differenzierungskunst, Vielfalt der Nuancen (sie spielt ja auch alle Männer des Stücks und die anderen Frauen, vor allem eine lispelnd-verlogene Freundin), absolute Präzision im Timing, souveränes Agieren mit dem Publikum. Feinschliff ist nicht angesagt, aber die Pointen-Asse landen messerscharf auf der Linie (kann auch unter der männlichen Gürtellinie sein).

Die Selbstironie der Gabriela Benesch, die auch der Zeit ihren Tribut zahlen musste, gibt dem weiblichen Publikum ein besonders gutes Gefühl, wenn es um die (leider immer so sichtbaren!) paar Kilo zu viel geht, die sie wie vermutlich 90 Prozent der nicht mehr ganz jungen Damen herumträgt. Da wird nichts verborgen, da wird auch darüber geredet. So ist das Leben. Die Frauen im Publikum amüsierten sich königlich.

Ein paar Herren im Zuschauerraum allerdings machten – an der Seite der vergnügt lachenden Gattinnen und Begleiterinnen – einen eher mürrischen Eindruck. „Cavewoman“ hat zurückgeschlagen und ins Schwarze getroffen.

Renate Wagner

Nächster Termin: 25. Mai im Orpheum,
Weiters:
27. September, 29. Oktober und 27 November 2014 im Akzent

 

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