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WIEN / Akademietheater: DER GESTIEFELTE KATER

15.12.2013 | Theater

Gestiefelte Kater Kater und Hans Reinhard Werner x  Gestiefelte Kater Szene er und Damen
Fotos: Burgtheater / Reinhard Werner

WIEN / Akademietheater des Burgtheaters:
DER GESTIEFELTE KATER
Nach Motiven aus dem Volksmärchen
Fassung Peter Raffalt
Premiere: 1. Dezember 2013
Besucht wurde die Vormittagsvorstellung am 15. Dezember 2013 

Das Burgtheater hat in der Ära Hartmann (betreut von dessen Schwester Annette Raffalt) schon manches Erfolgreiche im Bereich des Kinderstücks geleistet, aber so überzeugend wie „Der gestiefelte Kater“ ist noch nichts ausgefallen. Das ist kein „einfach“ gemachtes Kinderstück, sondern ein vollgültiger Theaterabend von gut zweieinviertel Stunden, der Erwachsenen ebenso viel Spaß macht wie Kindern, weil er bei aller Freude am Geblödel seine Geschichte letztlich doch ernst nimmt. Peter Raffalt hat das Märchen vom findigen, pfiffigen Kater, der seinen Herrn durch alle Schicksalsschläge begleitet und zum Mann der Prinzessin macht, überaus geschickt bearbeitet und Motive herausgearbeitet, die als absolut echt und heutig zu erkennen sind.

Denn vor allem die Figur der Zauberin, die es einfach nicht erträgt, alt zu werden, und die jedes Opfer (an Leben der anderen) dafür zu bringen bereit ist, ist erkenntnisträchtig, desgleichen die entzückende Liebesgeschichte der Prinzessin mit dem Müllersohn Hans, als er noch in einen Dackel verwandelt ist – Seelen erkennen einander, Kinder verstehen das. Der Kater gerät mit diesem Hans in die Welt des Königs und der Zauberin und muss am Ende immer wieder ein Mäuschen um Hilfe bitten, um die Bösen zu besiegen. Und das alles wirkt nicht wie Unsinn, sondern wie eine ganz echte Geschichte.

Sie lebt in der nie ihren Drive und ihr Tempo verlierenden Regie von Annette Raffalt von den beiden Hauptdarstellern, voran Markus Meyer als selbstbewusstem Kater. Er läuft ununterbrochen auf Hochtouren, muss sich immer etwas einfallen lassen, ist intrigant und oft ganz empfindlich, wenn es um ihn selbst geht, alles in allem ein wahrer sprühender Bühnen-Teufel. Sven Dolinski als armer Müllerbursche Hans, der nichts erbt als diesen lästigen, aktiven, selbstbewussten Kater, holt seine optimale Wirkung aus der Verwandlung in einen Dackel, die ihm die böse Zauberin angedeihen lässt: Mit Schlappohren, Zunge und Pfoten entwickelt er ein hinreißendes Repertoire an Emotionen und Verhaltensweisen, so dass er später wieder als „Mensch“ gar nicht mehr ähnlich stark wirken kann. Es ist das adäquate Zusammenspiel dieser beiden Schauspieler, welches das geradezu atemlose darstellerische Niveau des Abends sichert.

Allerdings ist auch Marcus Kiepe – auf seinen genuin komischen Typ vertrauend – ein vergnüglicher König, und auch die Damen lassen nichts zu wünschen übrig: Alexandra Henkel tobt die böse Zauberin, als wäre sie im Kino, Frida-Lovisa Hamann ist eine sehr heutige, sehr lebendige Prinzessin, Sophie-Christine Behnke für ein liebes Mäuschen allerdings ein bisschen herb, aber im Grunde stimmen alle in dieser Inszenierung perfekt zusammen.

Sie ist mit einiger Musik (Parviz Mir Ali) aufgepeppt, hat Gesang- und Tanzszenen (Choreografie: Daniela Mühlbauer) von beträchtlichem Schwung, parliert heutig und gar nicht märchenhaft verstiegen und findet eine hervorragende Bühnenbildlösung (Bernhard Kleber) in einem Kubus, der nach Bedarf den jeweiligen Schauplatz öffnet. Und weil’s auch vordergründig und nicht nur im übertragenen Sinn „bunt“ sein darf, sorgen die Kostüme von Ele Bleffert für viel Farbe.

Das ist ein glückliches Konglomerat, und eine lebhaft mitgehende Kinderschar sowie sichtlich amüsierte Erwachsene zeigten, dass das Unternehmen auf jeder Ebene funktioniert.

Renate Wagner

 

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