Giuseppe Verdi: Un ballo in maschera • Werdenberger Schlossfestspiele • Werdenberg SG • Dernière: 22.08.2026
(10. Vorstellung • Premiere am 07.08.2026)
Überzeugendes Regie-Debüt
Vor erneut ausverkauften Reihen beenden die Werdenberger Schlossfestspiele ihre ausserordentlich erfolgreiche Spielzeit.

Foto: Hajo Koster
Mit Verdis Maskenball als erster selbst verantworteter Produktion ist dem neuen Präsidium der Werdenberger Schlossfestspiele unter Beni Dürr ein hervorragender Einstand gelungen.
Der Abend ist getragen von der Regie von Raphaela Wagner, die die Geschichte perfekt an die lokalen Gegebenheiten adaptiert, indem sie die Aussicht von der Bühne auf das Städtchen und das Schloss Werdenberg nutzt. So wird aus dem Gouverneur von Boston der Landvogt von Werdenberg und das Bühnenbild (Michael Wagner) nimmt die Architektur des Städtchens auf. Die über 140 herrlich opulenten Kostüme von Kerstin Köck tragen ganz wesentlich zum positiven Eindruck des Abends bei. Das Publikum zeigt sich höchst begeistert. Die Änderung des Handlungsortes unter Beibehaltung der Handlungszeit funktioniert perfekt und ist unter dem Gesichtspunkt, dass hier ein grösseres Publikum erreicht werden muss, als werkgerecht zu bezeichnen. Mit dieser Produktion debütiert Raphaela Wagner, die vom Film her kommt (preisgekrönte Kurzfilme und Projekte für internationale Produktionen), als Opern-Regisseurin. Und ihre Arbeit kann als Versprechen für die Zukunft gewertet werden, denn im Gegensatz zu vielen anderen Debütanten (häufig jene, die vom Sprechtheater her kommen), die ihr Ego in den Mittelpunkt stellen und die Oper als freie Spielwiese betrachten, stellt Wagner sich und ihre Arbeit in den Dienst des Werks. Und vor allem: Sie respektiert das Werk.
Die musikalische Leitung der Produktion hat Gion Gieri Tuor. Mit der Sinfonietta Vorarlberg baut er gute Spannungsbögen. Das Orchester animiert er zu klarem, rhythmisch präzisem, klangschönem Spiel. Den Chor der Werdenberger Schloss-Festspiele, zusammengesetzt aus Sängern der Region, hat Tuor einstudiert. Der Chor überzeugt mit homogenem Wohlklang und guter Bühnenpräsenz.
Da die Vorstellungen der Werdenberger Schlossfestspiele im Freien stattfinden, agieren alle Beteiligten mit Verstärkung (Sound: Michael Wagner). Dank der Verwendung eines Spatial-Audio- Systems statt einer klassischen Stereo-Verstärkung hat sich der Klang gegenüber dem Liebestrank 2024 deutlich verbessert. In der Feinabstimmung der Verstärkung ist hinsichtlich des Klangs von «Opern-Stimmen» wie auch der durch den gegenüberliegenden Hügel bedingten Echo-Wirkungen noch Luft nach oben.
Judith Dürr gibt die Amelia mit gut fokussiertem, schlank geführtem, wohlklingendem Sopran und guter Bühnenpräsenz. An exponierten Stellen kann ihre Stimme, bedingt durch die Verstärkung, scharf klingen. Daniela Stoll begeistert das Publikum mit hellem, klarem und virtuos geführtem Sopran und quicklebendigem Spiel. Mirjam Fässler überzeugt als Ulrica mit farbenreichem, interessantem Mezzo und guter Bühnenpräsenz. Francesco Congiu gibt den Riccardo mit der idealen Mischung von Schmelz, Kraft und metallenem Glanz, gepaart mit erfrischender Jugendlichkeit. Zurab Nakeuri, ausgebildet in Tiflis (Georgien) bei George Gagnidze, gibt den Renato mit herrlich kerniger, wohlklingender Stimme, die das Potential hat, sich in Richtung «Verdi-Bariton» zu entwickeln. Bartosz Szulc (Samuel) und Karsten Schröter (Tom) überzeugen als Verschwörer. Ihor Siryi als Silvano und Achim Schurig als Giudice ergänzen mit prägnanten Auftritten das Ensemble.
Mit dem Motto «Vom Land fürs Land» bieten die Werdenberger Schloss-Festspiele szenisch wie musikalisch lokal verankertes Musiktheater von hoher Qualität und sind eine überzeugende Plattform für regionale Künstler.
Man darf sich auf zukünftige Produktionen freuen!
Keine weiteren Aufführungen.
25.08.2026, Jan Krobot/Zürich

