Giuseppe Verdi: Un ballo in maschera • Werdenberger Schlossfestspiele • Werdenberg SG • Vorstellung: 15.08.2026
(6. Vorstellung • Premiere am 07.08.2026)
Oper «Vom Land fürs Land»
Mit einer rundum überzeugenden Produktion von Verdis Maskenball hat das Präsidium der Genossenschaft Werdenberger Schloss-Festspiele seine Arbeit begonnen. Die im März 2025 beschlossene Neuorganisation trägt reife Früchte.

Foto © Hajo Koster
Das Präsidium der Genossenschaft Werdenberger Schloss-Festspiele (Träger-Verein) wurde im Mai 2024 gewählt. Ein knappes Jahr später haben die Mitglieder eine umfangreiche Neuorganisation beschlossen, in die die Erfahrung des Präsidenten Beni Dürr als Unternehmer eingeflossen ist. Die diesjährige Produktion zeigt, dass die Neuorganisation als voller Erfolg zu werten ist. Mit dem Motto «Vom Land fürs Land» und der Umsetzung von Werten wie Transparenz, Respekt und Wertschätzung, die auch für den Besucher spürbar ist, ist für regionale Verankerung gesorgt und der Weg zu überregionaler Bedeutung steht offen.
Die Aufführungen der Werdenberger Schloss-Festspiele finden am Ufer des Werdenberger Sees statt. Von der überdachten Tribüne aus hat jeder Zuschauer freie Sicht auf die Bühne und dahinter den See und Schloss und Städtchen Werdenberg. 1289 wird die Burg Werdenberg und das an deren Fusse liegende Städtchen erstmals urkundlich erwähnt und von da an von den Grafen von Werdenberg-Heiligenberg, einem Zweig des Grafengeschlechts der von Montfort, zu einem Herrschaftszentrum (Kontrolle des Verkehrs zum Arlberg und nach Italien) auf- und ausgebaut. Wie häufig im Mittelalter ist auch der Dynastie der von Werdenberg-Heiligenberg keine lange Dauer beschieden. Die Verteilung des Erbes von Albrecht I. von Werdenberg-Heiligenberg auf vier Söhne (1377/78 und 1387) führt dazu, dass die Herrschaft von Werdenberg 1402 an die Grafen von Montfort-Tettnang verpfändet wird. Nach mehreren Handänderungen kommt Werdenberg 1517 in den Besitz von Glarus und unterliegt einer strengen Verwaltung als Landvogtei. Der von Glarus eingesetzte Landvogt muss für sein Amt bezahlen und ist entsprechend bestrebt sich das Geld von der lokalen Bevölkerung zurückzuholen.
Die Regie von Raphaela Wagner überzeugt mit der paradoxen Kombination aus Werktreue und lokaler Adaption: Die Handlung spielt im Werdenberg des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Was auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt, funktioniert dann aber überraschend gut. Wird bei Verdi der Graf von Warwick als Gouverneur nach Boston geschickt, so kommt Riccardo hier, per Boot über den See, als Landvogt nach Werdenberg. Die Verhältnisse dürften, da die Adaption nur eine geographische und keine zeitliche ist, in beiden Fällen ähnlich sein: ein ungeliebter «Verwalter» (unerheblich, ob der nun Gouverneur oder Landvogt ist), Intrigen gegen diesen «Verwalter» und Unterhaltung in Form eines Maskenballs. Wagner, die als Opern-Regisseurin debütiert, erzählt die Geschichte eng am Libretto und überzeugt mit guter Personenführung. Das Bühnenbild von Michael Wagner steht ebenfalls für das Prinzip der lokalen Verankerung, denn es arbeitet mit architektonischen Elementen aus dem nahen Städtchen, so dass sich das Visuelle, die Bühne, die prächtigen, an der Mode der Zeit orientierten Kostüme von Kerstin Köck und der Ausblick ins Land bis hin zum Hohen Kasten zu einem eindrucksvollen Ganzen verbinden. Ausdruck der sorgfältigen Arbeit ist so zum Beispiel die Integration der Anzeigeelemente für die Untertitel in die architektonischen Elemente der Bühne.
Die musikalische Leitung der Produktion hat Gion Gieri Tuor und animiert die Sinfonietta Vorarlberg zu klarem, rhythmisch präzisem, klangschönem Spiel animiert. Tuor setzt dabei klare Akzente und baut gut Spannungsbögen. Der Chor der Werdenberger Schloss-Festspiele, zusammengesetzt aus Sängern der Region, agiert homogen, klangschön und mit guter Bühnenpräsenz.
Judith Dürr gibt die Amelia gut fokussiertem, schlank geführtem, wohlklingendem Sopran und guter Bühnenpräsenz. Daniela Stoll leiht dem Oscar ihren hellen, ausgesprochen agilen Sopran. Szenisch wird sie nicht jeden überzeugen, denn ihr Spiel wirkt deutlich outriert. Weniger wäre da mehr. Mirjam Fässler überzeugt als Ulrica mit farbenreichem, interessantem Mezzo und guter Bühnenpräsenz. Francesco Congius (Riccardo) Tenor brilliert mit der idealen Mischung von Kraft und metallenem Glanz, gepaart mit erfrischender Jugendlichkeit. Zurab Nakeuri gibt den Renato mit dunkel timbriertem, facettenreichem, wohlklingendem Bariton. Bartosz Szulc (Samuel) und Karsten Schröter (Tom) überzeugen als Verschwörer. Ihor Siryi als Silvano und Achim Schurig als Giudice ergänzen mit prägnanten Auftritten.
Da die Werdenberger Schloss-Festspiele unter freiem Himmel stattfinden, wird mit Verstärkung gearbeitet. Die Qualität der Verstärkung hat sich, auch dank der Verwendung eines Spatial-Audio-Systems statt einer klassischen Stereo-Beschallung, gegenüber 2024 deutlich verbessert. Etwas Luft nach oben bleibt aber noch, was dann sicher bei der nächsten Produktion behoben sein wird.
Mit dem Motto «Vom Land fürs Land» bieten die Werdenberger Schloss-Festspiele szenisch wie musikalisch lokal verankertes Musiktheater von hoher Qualität und sind eine überzeugende Plattform für regionale Künstler
Weitere Aufführungen jeweils 20.00: 19.08.2026, 21.08.2026 und 22.08.2026.
17.08.2026, Jan Krobot/Zürich

