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WEIMAR/ Nationaltheater: AIDA

28.05.2022 | Oper international

Deutsches Nationaltheater Weimar,  G. Verdi :“AIDA“;  27. Mai 2022

Aida // DNT Weimar - YouTube

Endlich bin ich wieder einmal nach Weimar gekommen, einerseits zu den zahlreichen Ausstellungen anlässlich des 250. Jahrestages der Ankunft von Christoph Martin Wieland in Weimar, andererseits um eine Aida-Produktion zu sehen, die schon letzten November Premiere hatte. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Denn in Weimar weiß man zweifellos, wie man Verdi singt. Camila Ribero-Souza sang sehr musikalisch und mit schönen Pianos die äthiopische Prinzessin Aida, die sie auch sehr glaubhaft darstellte.

Der spanische Tenor Eduardo Aladrėn, der mit Recht bereits auf eine beachtliche internationale Karriere verweisen kann, war ein lyrischer, stimmschöner Radames, der besonders in der Höhe auch mächtig auftrumpfen kann. Sehr aktiv agierend, alle Emotionen mit dem ganzen Körper  und ihrer schönen Stimme auslebend gestaltete Sayaka Shigeshima die Amneris. Auffallend ist ihre besonders wohlklingende, schöne Tiefe.

Avtandil Kaspeli sang mit mächtiger Bassstimme Ramphis und Oleksandr Pushniak  einen beachtlichen Amonasro. Die Tempelsängerin war mit Heike Porstein luxuriös besetzt, Taejun Sun ein kräftiger Bote  und der aus dem Chor hervorgegangene Andreas Koch ein  gut agierender König.

Die Inszenierung von Operndirektorin Andrea Moses ist ungewöhnlich, in der Gegenwart angesiedelt, und wurde bei der Premiere unterschiedlich aufgenommen. Jedenfalls ist  sie aber interessant, einfallsreich und behandelt aktuelle Themen wie den Umgang mit sogenannter Raubkunst und der Auseinandersetzung des entwickelten Nordens mit dem unterprivilegierten Süden , also die Problemfelder Imperialismus und Kolonialismus.

Wir sehen einen dem neuen Humboldtforum nachempfundenen Museumsraum (Bühnenbild von Jan Pappelbaum), in dem gerade die Eröffnung einer sogenannten Weltkunstausstellung stattfindet.

Aida ist Putzfrau, Amneris Königstochter und Ausstellungskuratorin und Radames ihr Leibwächter, der nach einem Terroranschlag der Äthiopier, der ausführlich auf Videowänden gezeigt wird, zum Heerführer ernannt wird.
Der Nilakt spielt dann im Hinterhof vor Mistkübeln, Aida muss ja auch einmal den Unrat hinausbringen. Das ist vielleicht nicht der originellste Einfall der Inszenierung.

Am Ende nimmt dann Amneris eine afrikanische Statue aus einer Vitrine, sie soll wahrscheinlich repatriiert werden.

Wie Aida und Radames zu Tode kommen, wenn überhaupt, ist nicht ganz klar. Insgesamt ist die Inszenierung und besonders die Personenführung nicht schlecht gemacht.

Bei so vielen Einfällen, von denen hier nur einige erwähnt wurden,  kann natürlich nicht alles durchgehend schlüssig sein, es ist eher collagenhaft. Der Dramaturg Michael Höppner erklärt, dass so wie einst die Vorstellung von Ägypten zum Gefäß wurde, in das Verdi die großen Themen seiner Zeit wie das Risorgimento, den Deutsch-französischen Krieg usw. hineingab, die Oper Aida heute zum Gefäß für Gegenwartsthemen wird.

Die Staatskapelle Weimar und der Chor wurden von Chefdirigent Dominik Beykirch zu echter Italianita inspiriert.

Viel Applaus für alle Beteiligten!

Christoph Karner

 

 

 

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