Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WEIMAR / „Mon Ami“: DIE WAHRHEITSSCHWESTER von Giordano Bruno do Nascimento. Uraufführung

26.10.2019 | Oper

Giordano Bruno do Nascimento fünfte Oper “Die Wahrheitsschwester wurde in Weimar am 25. Oktober 2019 uraufgeführt


Eszter Johanna Barta & Giordano Bruno do Nascimento©Olaf Schnürpel

 Giordano Bruno do Nascimento ist in Weimar wohlbekannt, aber es lohnt sich ein tieferer Blick auf seine Werke. Seine Werke wurden in mehreren Festivals in verschiedenen Ländern gespielt: unter anderem im Pan Music Festival in Seoul, im DCMF in Daegu. „Il Suono“ in Italien, in der Klangwerkstatt Berlin. in Paris, in Libanon und in der Berliner Pyramidale. Außer dem DAAD Preis erhielt er zwei Mal das Thüringer Graduiertenförderstipendium, die Studienabschlussforderung der HfM ,,Franz Liszt‘ Weimar. gewann die Ausschreibung „Klänge hinter Mauern“ der Kammerakademie Potsdam, den zweiten Preis des Wettbewerbs „Harmonia Classica“ in Wien, den ersten Preis des Sondershäuser Kompositionswettbewerbs und war einer der Finalisten der International Competition „Città di Udine“ und der Valentino Bucchi Competition in Rom.

Bei so viel Anerkennung war meine Erwartungshaltung entsprechend hoch. Sie wurde auch nicht enttäuscht. Die Oper ist insgesamt durchkomponiert. Geprägt wird sie durch ein überwiegend düsteres Klangbild getragen von Schlagzeug und den Bläsern angereichert durch Live-Elektronik. Diese Themen werden immer wieder durch aufhellende bis harmonische Themen getragen von den Streichern und Cembalo durchbrochen.

Ebenso facettenreich wie die Musik ist das Libretto von Amanda Lasker-Berlin geschrieben worden. Wie Giordano Bruno do Nascimento eine überaus vielseitige Preisträgerin, die im Zusammenspiel mit ihm ein sehr stringentestes, aktuelles und ansprechende Werk schaffte.

Drei Schwestern sind eine beliebte Konstellation in der Literatur oder man betrachte die Schicksalsschwestern aus der griechischen Mythologie. Mit kunstvollen Wortkonstruktionen beschreibt Amanda Lasker-Berlin die Beziehung und die Tragödie dieser drei Schwestern, die in einer spätkapitalistischen Realität aus dem Nichts emporsteigen und auf ihrem Weg dorthin ausbeuterisch alles verwerten, was sie greifen können. So entstehen ihre Kleider, die das metaphorische „Wir“ als Wahrheit kennt. Ziemlich schwer fassbar ist das Libretto von Amanda Lasker-Berlin. Selten weiß man am Anfang eines Satzes, wie er endet- und ob, aber spannend und sehr ansprechend.


Die Wahrheitsschwestern, Bühnenbild©Olaf Schnürpel

Eszter Johanna Barta feierte ihr Debüt als Regisseurin mit diesem Stück. Ihr erklärtes Ziel war, so viel wie möglich freien Interpretationsmöglichkeit dem Publikum einzuräumen, um nicht das Libretto stark zu färben, was ihr auch gelang. Das Bühnenbild ist einfach gehalten und stellt ein Nähzimmer oder Schneiderei da. Zwei Stoffballen Stehen aufrecht und einer ist aus weißem Tuche etwas abgerollt und dient als Projektionsfläche für einen Beamer, der Fake-News einblendete. Im faltenden schlagenden Stoff, waren sie nicht gut zu lesen, worauf es aber auch nicht ankommt. Man war auch damit beschäftigt, den Text oberhalb der Bühne zu lesen, der eingeblendet wurde. Wer das „Mon Ami“ in Weimar kennt, weiß auch mit welchen Schwierigkeiten der Dirigent und die Regisseurin zu kämpfen hatten. Das „Mon Ami“ ist nicht der Freund des Sängers, sondern sein Tod.  Ohne die Einblendung des Textes war der Gesang nicht zu verstehen und ging leider etwas in der Musik unter. Der Debütantin mag man zurufen: „nur Mut, die Sänger wollen gefordert werden“, und ein Beispiel wie dies gehen kann, bekäme sie von den Proben im Deutschen Nationaltheater Weimar, wo derzeitig Peter Konwitschny sich diese Disziplin und ganzen Einsatz von den Sängern fordert. Vielleicht wäre dann eine größere Balance möglich gewesen.

Für mich die entscheidende Frage ist jedoch, warum wurde die Aufführung nicht in der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ aufgeführt, die eine ansprechende räumliche Möglichkeit gehabt hätte. Nicht auszudenken, wie man die Oper gar im Deutschen Nationaltheater gehört hätte.

Das überwiegend junge Premierenpublikum dankte mit nur freundlichem Applaus, was angesichts der Komposition und des Librettos sehr schade ist. Daher möchte ich den Intendanten und Operndirektoren der deutschsprachigem Theaterlandschaft zu rufen, gibt diesen jungen Künstler eine größere Chance – das Publikum wird es euch danken.

27.Oktober 2019

Olaf Schnürpel

 

Diese Seite drucken