„Die Fledermaus“ Operette von Johann Strauss
Lyric Opera Studio Weimar im Jugend- und Kulturzentrum mon ami, 24., 25., 26. und 27. August 2026
Süße Rache, prickelnd serviert – „Die Fledermaus“ begeistert im mon ami

Foto: Britta Rehder-Geßner
Wer den Weg ins mon ami gefunden hat, wurde Zeuge eines Operettenabends, wie man ihn sich prickelnder kaum wünschen kann. Das Lyric Opera Studio Weimar bringt mit Johann Strauß‘ „Die Fledermaus“ die Königin der Operette auf die Bühne und trifft dabei genau den Ton zwischen Champagnerlaune und hintergründiger Bosheit, den dieses Meisterwerk der „Spaßgesellschaft“ verlangt.
Die Inszenierung von Damon Nestor Ploumis, Künstlerischem Direktor und selbst gestandener Bassbariton, besticht durch ein feines Gespür für das komödiantische Timing der Verwicklungen um Eisenstein, Rosalinde und den rachsüchtigen Dr. Falke. Ploumis lässt seinem jungen Ensemble sichtlich Raum, die Situationskomik der Handlung mit spürbarer Lust am Spiel und einer herrlich augenzwinkernden Note auszukosten, ohne dabei die musikalische Eleganz der Partitur zu verlieren. Eine Balance, die dem Abend seinen unverwechselbaren Schwung verleiht. Ein besonderer Kniff der Regie: Statt eines Orchesters begleitet allein das Klavier unter der Musikalischen Leitung von Olaf Storbeck den Abend, was der Aufführung eine angenehm intime, kammerspielartige Note gibt und den Blick ganz auf die Stimmen und das Spiel lenkt. Dazu kommt ein raffiniertes Raumkonzept: Durch geschicktes Umräumen im Saal während der Aufführung verändert sich immer wieder die Perspektive des Publikums auf das Geschehen. Ein einfaches, aber wirkungsvolles Mittel, das die Nähe zum Ensemble und die Unmittelbarkeit der Komödie noch verstärkt.

Foto: Britta Rehder-Geßner
Besonders bemerkenswert: Die Rollen werden von jungen Gesangsstudierenden aus 16 verschiedenen Ländern verkörpert – von Australien über Irland und Japan bis Barbados. Dass eine so international zusammengewürfelte Besetzung die deutschsprachige Aufführung mit derartiger stimmlicher Reife und schauspielerischer Präsenz stemmt, ist eine beeindruckende Leistung und ein Beleg für die Qualität des Sommerkurses, an dem in diesem Jahr 39 Sängerinnen und Sänger teilnehmen. Einzelne Stimmen ragen mit darstellerischer wie sängerischer Klasse heraus und tragen die komödiantischen wie lyrischen Momente der Partitur mit bemerkenswerter Sicherheit. Doch auch abseits der Solopartien überzeugt das Ensemble: Der Chor fügt sich mit erstaunlicher Homogenität und hörbarer Spielfreude ins Gesamtbild und trägt die Feststimmung des Orlofsky-Festes mit voller Kraft. Man spürt in jeder Szene den Ernst, mit dem sich diese jungen Talente ihrem Handwerk widmen und zugleich die unbeschwerte Lust am Spiel, die „Die Fledermaus“ braucht, um zu funktionieren.

Foto: Britta Rehder-Geßner
Das Publikum im mon ami dankte es mit spürbarer Begeisterung: Lachen an den richtigen Stellen, aufmerksame Stille in den lyrischen Momenten und ein Applaus am Ende, der zeigte, wie sehr dieser Abend berührt und unterhalten hat. Es ist genau diese Verbindung aus musikalischem Anspruch und mitreißender Spielfreude, die das Lyric Opera Studio Weimar in seinem neunzehnten Jahr so auszeichnet.
Dass aus diesem Programm bereits Sängerinnen und Sänger an Häuser wie das Deutsche Nationaltheater Weimar, die Deutsche Oper Berlin, die Semperoper Dresden oder die Bayerische Staatsoper gefunden haben, überrascht nach diesem Abend nicht. Wer diese „Fledermaus“ gesehen hat, hat einen Blick auf die nächste Sängergeneration geworfen und einen rundum gelungenen, spritzigen Operettenabend erlebt.

Foto: Britta Rehder-Geßner

Foto: Britta Rehder-Geßner
Thomas Janda

