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WARSCHAU/ Teatr Wielki Warszawa: POLNISCHES NATIONALBALLETT. Stream – Viele expressive Effekte

17.04.2021 | Ballett/Tanz

Polnisches Nationalballett als Stream am 16.4.2021 im Teatr Wielki/WARSCHAU

poli

Copyright: Polnisches Nationalballett

Viele expressive Effekte

 Das Polnische Nationalballett bot eine packende Vorstellung von Sergej Prokofieffs Ballett „Romeo und Julia“mit Yuka Ebihara (Julia) und Patrick Walczak (Romeo). Es musizierte das Orchester der polnischen Nationaloper unter der einfühlsamen Leitung von Andrey Yurkevich. Die Inszenierung von Krzysztof Pastor versetzt das mittelalterliche Geschehen in eine moderne Welt mit filmischen Auschnitten einer  imaginären Großstadt. So gingen die drei Akte und der Epilog nahtlos ineinander über. Die reiche und vielfältige Instrumentierung kam bei der eindrucksvollen Aufführung voll zur Geltung. Vor allem das rhythmische Geschehen wurde von den Tänzerinnen und Tänzern eindringlich herausgestellt. Bei Stellen wie dem „Machtwort des Herzogs“, „Romeo rächt Mercutios Tod“ oder dem Vorspiel zum dritten Akt erreichte die Darstellungskunst der Tänzer eine geradezu dramatische Verdichtung. Chromatische Passagen, Cluster-Effekte und Dissonanzen bis zur Grenze zur Atonalität fesselten das Publikum.

Aber auch die jugendlich-lebhaften Themen wurden von den Solotänzern ausgezeichnet umgesetzt. Vor allem die dramaturgischen Steigerungseffekte kamen eindringlich zur Wirkung. Die galt insbesondere für die einzelnen Szenen „Der Streit“, „Der Kampf“, „Tanz der Ritter“ oder „Variation der Julia“. Stilistische Verfeinerungen bei „Madrigal“, „Gavotte“, dem „Tanz mit Mandolinen“ oder der facettenreichen „Balkonszene“ wurden vom polnischen Nationalballett in vielen Bewegungsnuancen und Schattierungen verdeutlicht. Und auch der „Tanz der Ritter“ überzeugte hier mit seinen markant punktierten Rhythmen. Die gegensätzlichen  Themen der miteinander verfeindeten Familien der Montagues und Capulets stachen hervor und erhielten aufgrund der plastischen Verkörperung der Tänzer einen enormen Ausdrucksradius. So konnte man als Zuschauer die unterschiedlichen Bewegungsstrukturen auf der Bühne gut nachvollziehen.

Vor allem die Gruppenregie hinterließ hier tiefe Eindrücke, die sich ständig verdichteten. Yuka Ebihara vermochte Julias Erwachen zur Liebe dank eines intensiven tänzerischen Einfühlungsvermögens hervorragend zu betonen. Vor allem die Schluss-Szene mit dem Tod der beiden Liebenden geriet zu einem bewegenden Höhepunkt dieser elektrisierenden Aufführung. Die ausgeklügelten Raffinessen dieser Partitur wurden vom polnischen Nationalballett imponierend herausgestellt. „Romeo und Julia“ war Prokofieffs erste wichtige Komposition nach seiner Rückkehr in die Sowjetunion. Uraufgeführt wurde das Werk allerdings im Jahre 1938 in der damaligen Tschechoslowakei.

Alexander Walther

 

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