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„VON RAIDING NACH BAYREUTH“ – 16.10.2026. 20 Jahre Liszt-Festival  – Wagner und Liszt

18.10.2026 | Konzert/Liederabende

„VON RAIDING NACH BAYREUTH“ – 16.10.2026. 20 Jahre Liszt-Festival  – Wagner und Liszt

 Im Liszt-Zentrum Raiding, dem die burgenländischen Pianisten-Brüder Eduard und Johannes Kutrowatz vorstehen und das 2006 unmittelbar neben dem ländlich-bescheidenen Geburtshaus des österreichisch-ungarischen Komponisten Franz Liszt entstanden ist, gab es heuer Einiges zu bedenken: 20-jähriges Bestehen, 215. Geburtstag (am 22. Oktober 1811) und das 140. Sterbejahr (31. Juli 1886) des Komponisten. Franz Liszt ist in der Wahrnehmung vor allem als unübertroffener Klaviervirtuose präsent. Seine Tondichtungen, die überwiegend in seiner Weimarer Zeit entstanden sind, haben einen viel geringeren Bekanntheitsgrad.

  Dies und anderes mehr hat eine kleine Gruppe des Richard Wagner-Verbandes Wien bewogen, sich an diesem sonnigen, strahlend blauen Oktobertag im Reisebus der Fa. Geldner mit Fahrer Bernd als Steuermann und unter der Ägide unserer allseits geschätzten Dkfm. Liane Berman auf den Weg nach Raiding im schönen Burgenland aufzumachen.  

Liszt war einer der seltenen Künstlerpersönlichkeiten, die sich auch für die Werke von Kollegen begeistern konnten. Er machte sie sich vielfach in der Weise zu eigen, indem er Klaviervariationen schuf und als Pianist in Konzerten damit brillierte. Im Gegensatz zu Wagner, der seine ganze Kraft auf das eigene Schaffen konzentrierte. Gegensätzlichere Charaktere waren in der Musikwelt kaum vorstellbar. Und doch gab es im Leben beider künstlerische und familiäre Berührungspunkte, die bei allen Differenzen im Einzelnen eine Verbundenheit, die immerhin 43 Jahre überdauerte, zwischen ihnen herstellten, beispielsweise Liszts Begeisterung für Wagner-Opern und die Förderung des ständig in Geldnot steckenden Komponisten sowie Wagners Ehe mit der Liszt-Tochter Cosima, Liszt besuchte mehrfach die Bayreuther Festspiele und ist auch in Bayreuth gestorben. Grund genug zwei der Sinfonischen Dichtungen von Franz Liszt in einen Dialog zu zwei Opern-Ouvertüren Wagners zu setzen, die für sich genommen ebenfalls sinfonischen Charakter haben in dem Sinne, dass sie nicht einfach den Inhalt der Oper vorwegnehmen.

Tondichtungen sind im 19. Jhdt. mit Liszt, Wagner und Berlioz aufgekommen und auch mit dem Begriff Programm-Musik bezeichnet worden, der dem Thema einer Komposition einen äußeren Anlass zugrunde legt und der im 20. Jhdt. auch abwertend im Sinne einer vordergründigen Romantik verstanden wurde, die heute nicht mehr so negativ gesehen wird. Die zu Beginn es Konzerts vom Wiener KammerOrchester gespielte, 1854 entstandene „Sinfonische Dichtung Nr 7, Festspielklänge“ S.101 (=Searl: Der britische Komponist und Musikschriftteller Humphrey Searl schuf das erste Werkverzeichnis für Franz Liszt) wurde der Fürstin Carolyne zu Sayn-Wittgenstein als Hochzeitsmusik für eine geplante Heirat von Liszt gewidmet, die sich schlussendlich jedoch zerschlagen hat. Laut Internet liegt ihr Schillers langes Gedicht „Huldigung der Künste“ zugrunde, was man m.E. getrost gleich wieder vergessen kann, da sich ein konkreter Zusammenhang nicht erkennen lässt. In der dynamischen und zugleich differenzierten Interpretation des 75-jährigen österreichischen Dirigenten Martin Sieghart kontrastieren stürmisch leidenschaftliche Fortissime mit zarten weichen Streicherklängen, die keiner festen Form unterworfen scheinen. Sie wirken in dieser Version sehr zeitnah und erinnern beinahe an Anklänge von Schönberg.

Geschlossener und leitmotivisch gebunden wirkt dagegen die Wagner-Ouvertüre zur Oper „Rienzi, der letzte der Tribunen“, WWV 49, die heuer Eingang in die Bayreuther Festspiele gefunden hat.

Der zweite Teil des Abends setzte mit der zündenden Ouvertüre zu Wagners „Fliegendem Holländer“ ein. Liebe und Tod stehen sich sehr nahe. Und so bedeutete die anschließende zweite Sinfonische Dichtung (Nr. 3, S.97), „Les Préludes“ von Liszt die Vorbereitung auf den Tod in vielerlei Gestalt. Zu Beginn dieses Stückes wies Maestro Sieghart in einer kleinen Ansprache darauf hin, mit welch‘ großer Sorgfalt und Bemühungen diese gemeinsamen Proben erfolgt seien, um die gegensätzlichen Passagen von leiser spiritueller Todessehnsucht des Komponisten und machtvoll kriegerischen Forte-Klängen herauszuarbeiten. Der Beifall des zahlreich erschienenen auch einheimischen Publikums war die Bestätigung dafür, dass sich diese Mühr jedenfalls gelohnt hat.

Bedenkt man noch, dass in Liszts Weimarer Zeit auf der Altenburg seine großen Sinfonischen Dichtungen Tasso, Les Préludes, Orpheus, Hamlet-, Faust- und Dante-Sinfonie sowie die Oratorien Heilige Elisabeth und Christus entstanden sind, erhebt sich die Frage nach dem Warum. Ja, warum eigentlich hat denn dieser Franz Liszt keine Opern geschrieben?!

Ursula Szynkariuk    

 

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