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VOLL ABGEZOCKT

27.03.2013 | Allgemein, FILM/TV

Ab 29. März 2013 in den österreichischen Kinos
VOLL ABGEZOCKT
Identity Thief  /  USA  /  2013
Regie: Seth Gordon
Mit: Jason Bateman, Melissa McCarthy, Amanda Peet, Jon Favreau u.a.

Soll das eine Gauner- bzw. Gaunerinnen-Komödie sein? Dann ist das Unternehmen wohl nur bedingt als geglückt zu erachten. Denn das Kinopublikum sollte die Gauner, die es auf der Leinwand begleitet, zumindest mögen – und das ist bei Melissa McCarthy nicht unbedingt der Fall, die ist einfach zu eklig unverschämt und selbstgefällig.  Wobei Drehbuch und Regie nebenbei auch ziemlich souverän  mit der Mitleidsmasche spielen, denn die Dame ist superdick und macht sich über ihre Attraktivität allerlei Illusionen… also sollte sie uns ja eigentlich aus der Überlegenheitsposition der nicht ganz so Dicken und doch viel Hübscheren (das gilt jetzt für das weibliche Publikum!)  leid tut… Gar nicht so einfach, wie Hollywood-Filme spekulieren.

Vor allem ist diese Diana eine geschickte Trickdiebin: Man sollte gut zusehen, wie sie dem armen Sandy Patterson die Daten seiner Kreditkarten herauslockt, darauf könnte man selbst hereinfallen, also Achtung! Weil „Sandy“ ein Männer (?)- wie ein Frauenname sein kann, stattet sie sich also mit seinen Kreditkarten aus und führt ein lustiges Leben. Sandy, das Original, steht in Denver nicht nur vor Berufsproblemen, sondern auch vor der Tatsache, dass  irgendjemand in Miami mit seinem Geld herumwirft, ihn als Betrüger verdächtig macht und die Polizei offenbar nichts dagegen tun kann…?

Kreditkarten sperren? Das wäre zu einfach, denn schließlich geht es in dieser eher mühseligen Komödie, die zum typischen All-American-Road-Movie wird, jetzt darum, dass Sandy, das Original, nach Florida reist, um die Betrügerin Diana zu sich heimzuführen und der Polizei zu beweisen, dass er all die Kleinverbrechen, die man ihm anlastet, nicht begangen hat (!). An sich ist das schon als Vorgabe für ein Drehbuch zu dumm, aber ehrlich – was ist amerikanischen Komödien wirklich zu dumm? Rein gar nichts. Also erleben wir Jason Bateman, der wie so oft seine „sympathisch, aber belämmert“-Attitüde abzieht, wie er diese Diana „einfängt“ und mit sich im Auto nach Denver schleppt. Trickreich, wie sie ist, versucht sie dabei geschickt eine „Beziehung“ zu ihm aufzubauen.  Schließlich geht es ja im Film darum, dass man – wie Sandy – anfangen sollte, dieses wirklich schreckliche Geschöpf zu mögen (und am Ende noch  ihren verlogenen, skrupellosen Einfallsreichtum in Sachen krimineller Energie als Kreativität bewundern soll?).

Der Film von Seth Gordon will alles: Das hilflose Lachen über das Unglück der anderen – und am Ende doch noch Sympathie für seine Diana. Darum – es sei verraten, auch auf die Gefahr hin, die Pointe preiszugeben (sooo wichtig ist das ja nicht) – macht das Drehbuch am Ende den allerpossierlichsten Spagat: Diana muss zwar (die Zuschauer sind ja großteils brave amerikanische Bürger) ins Gefängnis, aber Sandy und seine Familie haben sie so lieb, dass sie sie dort oft besuchen… So viel zur Moral von der Geschichte über die „Identitäts-Diebin“ (wie der Originaltitel lautet). Voll abgezockt (deutscher Titel) wird man eher, wenn man eine Kinokarte kauft.

Renate Wagner

 

 

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