VINYL RICHARD WAGNER: DER RING DES NIBELUNGEN, Teil 1 DAS RHEINGOLD, dirigiert von HERBERT von KARAJAN, THE ORIGINAL SOURCE, limitierte Deluxe-Edition; Deutsche Grammophon
„Karajan-Ring“ zum 150. Jahrestag der Uraufführung des Zyklus im August 2026 in unfassbar brillanter Klangqualität

Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ wurde unter der Stabführung von Hans Richter im Bayreuther Festspielhaus im August 1876 aus der Taufe gehoben. Aus Anlass der 150. Wiederkehr dieses musikalischen Großereignisses unternimmt die Deutsche Grammophon in der Reihe The Original Source die Neuauflage der Aufnahmen unter der musikalischen Leitung von Herbert von Karajan, beginnend mit „Das Rheingold“, in nie dagewesener audiophiler Qualität. Auf drei sorgfältig gepressten LPs, 180 g Vinyl, mit den originalen Covern und Texten ist der Vorabend der Tetralogie mit den Berliner Philharmonikern ab sofort auf Basis der originalen 2 Spur-Stereo Master zu hören.
Aufbereitet, d.h. gemastered und neu geschnitten, wurde das ursprüngliche Musikmaterial wie immer von den Emil Berliner Studios unter der sensitiven Aufsicht der Techniker Rainer Maillard und Sidney Claire Meyer. Künstlerisch zählt Karajans Ringinterpretation ohnedies zu den aufregendsten und besten der Schallplattengeschichte, mit der Einschränkung, dass die Besetzung der hochdramatischen Partien in „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ durchaus Anlass zu Diskussionen liefern können.
Was im speziellen „Das Rheingold“ anlangt, so ist und war auch die Besetzung dieser 1967 aufgenommenen Studioproduktion mit Dietrich Fischer-Dieskau (Wotan), Gerhard Stolze (Loge), Zoltán Kelemen (Alberich), Josephine Veasey (Fricka), Martti Talvela (Fasolt), Karl Ridderbusch (Fafner), Robert Kerns (Donner), Donald Grobe (Froh), Erwin Wohlfahrt (Mime), Oralia Dominguez (Erda) sowie Helen Donath, Edda Moder und Anna Reynolds als Rheintöchter unbestritten eine der von Kritik und einem breiten Publikum am meisten gelobten und geliebten. Für mich ist dieses „Rheingold“ ohnedies der Gipfel aller vorliegenden Studioproduktionen des Werks. Im Gegensatz zu Sir Georg Solti kommt Karajan im Rheingold ohne jeglichen künstlichen Monumental-Firlefanz aus. Seine Sicht ist auch nicht kammermusikalisch – diese Einordnung hat er sich verbeten – sondern Karajan bevorzugt ein durchsichtiges, detailfreudiges, dynamisch feinst abgestuftes Edel-Klangbild. Selbstverständlich wirken auch bei Karajan die Höhepunkte (Alberichs Fluch, Verwandlungsmusik, Einzug der Götter in Walhall und das Finale) kraftvoll bis sehnig muskulös, aber nie künstlich aufgeblasen.
Die audiophile Qualität von „Rheingold“ ließ jedoch auf den bisherigen CDs für anspruchsvolle Ohren zu wünschen übrig. Manche Musikfreunde beklagten ein merkliches Hintergrundrauschen. Damit ist nun Schluss. Noch nie hat diese zu Recht Kultstatus besitzende Jahrhundertaufnahme (limitiert auf 2500 Stück) in ihrer Klarheit, Unmittelbarkeit, Natürlichkeit, Räumlichkeit, in den satten Bässen und strahlendem Blech, der fantastischen Balance von Stimmen und Instrumentalpart (auch das ein enormer Vorzug gegenüber dem orchestral dominanten Solti-Ring) so brillant überzeugt und begeistert wie in dieser den Namen wirklich verdienenden Jubiläumsedition.
Dazu kommen ein tolles Booklet inkl. vieler Fotos, Faksimiles der Aufnahmeprotokolle und Bandkartons. Mögen die Bayreuther Festspiele 2026 mit einem von Marcus Lobbes, Direktor der Akademie für Theater und Digitalität am Theater Dortmund, kuratierten neuen Ring mit KI als bildgebendes Verfahren unter Verwendung optischer Elemente der bisherigen Bayreuther Ring Inszenierungen über die Jubiläums-Stätte gehen, die Tonträgerindustrie wartet mit diesem klanglich veredelten „Karajan-Rheingold“ ohne jegliche Nebengeräusche schon jetzt mit einem ersten luxuriösen Geburtstagsgeschenk auf. Der Anfang ist gemacht. Ich freue mich jedenfalls jetzt schon sehr auf „Die Walküre“.
Riesenempfehlung für alle, die Wagner lieben und wieder oder – wie ich – noch immer auf Vinyl setzen.
Dr. Ingobert Waltenberger

