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VINYL/digital SERGEJ PROKOFIEV: PETER AND THE WOLF – GUSTAVO DUDAMEL dirigiert die Los Angeles Philharmonic; Deutsche Grammophon

11.05.2026 | cd

VINYL/digital SERGEJ PROKOFIEV: PETER AND THE WOLF – GUSTAVO DUDAMEL dirigiert die Los Angeles Philharmonic; Deutsche Grammophon

Live Mitschnitt aus der Hollywood Bowl mit Viola Davis vom 15. Juli 2021

peter

“Music-making is ultimately about the shared experience of people coming together and being united in a communion of sound. For musicians, there is no greater joy than feeling our instruments resonate in harmony with those around, and that is why this return to in-person performances at the Hollywood Bowl is such a powerfully important moment.“ Gustavo Dudamel

„We made it.“ 10.000 und mehr Leute, von klein bis groß, jung und alt, waren gekommen, um in einer lauen kalifornischen Sommernacht zum ersten Mal nach dem Covid Lockdown allseits unmaskiert an dieser legendär traditionellen Kulturveranstaltung der Los Angeles Philharmonic teilzunehmen. Insgesamt waren für die Sommersaison 2021 mehr als 50 Aufführungen angesetzt, davon alleine 14 Konzerte mit der „LA Phil“ unter dem musikalischen und künstlerischen Leiter Gustavo Dudamel. Der bunte Reigen reichte von klassischer Musik über Pop, Reggae und Jazz bis hin zu Filmmusik. Die Saison 2020 fiel pandemiebedingt ins Wasser.

Für Familien mit musikinteressierten Kindern war natürlich Prokofievs „Peter und der Wolf“, op. 67, mit der Hollywood Schauspielerin Viola Davis der Hit im Angebot. Vor der Pause standen Prokofievs „Symphony No. 1“, die “Klassische”, Ausschnitte aus Margaret Bonds’ „Montgomery Variations“ sowie Duke Ellington’s Three Black Kings: “Martin Luther King” in einem Arrangement von Blanchard auf dem Programm.

Die Deutsche Grammophon legt im Mai den klangtechnisch atemberaubenden Mitschnitt der hörbar umjubelten Aufführung von Prokofievs symphonischem Märchen für Kinder „Peter and the Wolf“ in zwei Formaten auf: Vinyl und digital. Nur CD-Hörer haben diesmal das Nachsehen. Das fantasievolle Comic-Cover-Artwork stammt von Alexandra Grant.

Als Hommage an die letzte Saison Dudamels als Musikdirektor des Los Angeles Philharmonic ist beim Gelblabel bereits Prokofievs „Romeo und Julia“, aufgezeichnet in der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles, erschienen.

In „Peter und der Wolf“ werden die Abenteuer des tapferen Peter und dessen Freund, des schlauen Vögelchens erzählt, die den Gefahren der listigen Katze und des hungrigen Wolfes auf dem russischen Land trotzen, letzteren per Seil gefangen nehmen und von den Tierhütern nicht erschießen lassen. Das schöne wilde Tier wird vielmehr im Triumphzug in den Zoo gebracht: „Peter vorneweg, hinter ihm die Jäger mit dem großen, grauen Wolf und am Schluss des Zuges der Großvater und die Katze.“ Für die unvorsichtige Ente ging die Geschichte nicht ganz so gut aus, aber: „Und wenn man ganz genau hinhört, kann man die Ente im Bauch des Wolfes quaken hören. Denn der Wolf hatte sie in der Eile lebendig heruntergeschluckt.“

„Peter und der Wolf“ wartet nicht nur mit den charmantesten lautmalerisch melodischen Eingebungen Prokofievs auf, sondern bietet für den musikalischen Nachwuchs auch eine kleine Unterrichtseinheit in Sachen Instrumentenkunde und Leitmotivtechnik. So stehen die Violinen und ihr sanft verwegener Klang für den kleinen Peter, die Querflöte logischerweise für den Vogel. Die Oboe scheint tatsächlich wie eine Ente zu quaken, während die wendige Katze mit der Klarinette charakterisiert wird. Das Fagott passt zum bärbeißig mahnenden Großvater und die Hörner künden in bester Wagnermanier den zähnefletschenden Wolf an. Trompeten und Pauke lassen die Jäger mit ihren Gewehrsalven und Pomp an- und abrauschen.

Gustavo Dudamel ist mit seinem Temperament und Musikalität der goldrichtige Mann für dieses Orchesterwerk mit Sprechstimme aus dem Jahr 1936, das Humanismus, die Eigengesetze der Natur sowie das filigrane, aber so bereichernde Miteinander von Menschen und Tier zu einer schönen wie lehrreichen Parabel eint. Ein Hörspiel? Nein, denn Wort und Orchester sind gleichberechtigte Partner, die ihr Tun zugunsten der Farbigkeit der Fabel intensiv ineinander verweben und verschlingen.

Die Los Angeles Philharmonic bringt unter der Anleitung von Dudamel den spezifischen Klang der einzelnen Instrumente, die atmosphärische Duftigkeit, die kammermusikalische Anmutung, die rhythmische Kraft der Partitur ebenso gekonnt zum Ausdruck wie die dramatischeren Schürzungen gegen Ende des Stücks.

Eine Klasse für sich ist die grandiose Hollywood Diva Viola Davis als Erzählerin. Mit klangvoll sonorem, wunderbar prosodisch strukturiertem Vortrag vermag sie Spannung, melodramatische Anschaulichkeit und erzählerische Natürlichkeit zu einer höheren Einheit zu verbinden. Sie stellt sich damit in eine Reihe prominenter Vorgängerinnen und Vorgänger wie Romy Schneider, Loriot, David Bowie, Roger Moore, Sean Connery, Sir Peter Ustinov, Sophia Loren, um nur einige wenige zu nennen.

Fazit: Eine mehr als aufregend präsentierte Begegnung von „Peter und dem Wolf“. Die Musik funkelt und glänzt in einer Pracht, wie ich sie bei „Peter und der Wolf“ nur von Karl Böhm in diesem Maß kenne. Eine Gelegenheit, Musik und Englischkenntnisse spielerisch zu erwerben und vielleicht auch, sich (wieder) einen kleinen Plattenspieler anzuschaffen?

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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