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VINYL/CD „FACCE D‘AMORE“ Jakub Józef ORLINSKI singt Arien von Cavalli, Boretti, Bononcini, Orlandini, Händel, Predieri und Hasse – Warner Classics

100 Punkte: Der beste Countertenor der jüngsten Generation

10.12.2019 | cd

VINYL/CD „FACCE D‘AMORE“ Jakub Józef ORLINSKI singt Arien von Cavalli, Boretti, Bononcini, Orlandini, Händel, Predieri und Hasse – Warner Classics

 

100 Punkte: Der beste Countertenor der jüngsten Generation

 

Was sich schon bei der Debüt-CD „Anima Sacra“ ankündigte, wird jetzt zur Gewissheit: Der junge polnische Countertenor ist ganz rasch in die großen Fußstapfen seiner Idole Michael Chance, Andreas Scholl und Philippe Jaroussky getreten. Orlinski zählt zu den vielseitigsten Stimmen seines Fachs. Sein ebenmäßig und in allen Lagen ausgeglichen  geführter Alt darf neben der unglaublichen Qualität des Timbres auch gesangtechnisch und vom Ausdruck her zu den erstaunlichsten seiner Zunft gezählt werden. Die in einem leuchtenden Bronzeton gefärbte Stimme verfügt über die richtige Projektion, um für die von ihm ausgewählten Barockraritäten von engelsgleich schwebenden Piani bis zu dramatisch ausladenden Tiefen, von herrlich ruhig fließenden legati (sul fiato) bis zu flinken Läufen und leichtgängigen Koloraturen alles bieten zu können, was das anspruchsvolle Melomanenherz erfreut. 

 

Das auch vom Repertoire her sehr interessante Album wartet mit sechs Weltpremieren auf. Eine echte Entdeckung an melodischer Eingebung und dramatischem Elan ist etwa Giuseppe Maria Orlandinis Arie „Che m‘ami ti prega“ aus der Oper „Nerone“. Dazu sind Ausschnitte aus den Opern „La Calisto“ von Francesco Cavalli, „Eliogabalo“ von Giovanni Antonio Boretti, „La costanza non gradita nel doppio amore d‘Aminta“ von Giovanni Bononcini oder „Scipio il giovane“ von Luca Antonio Predieri zu hören. Ein echter Hit ist die CD-Premiere „Semore a si vaghi rai“ aus Johann Adolf Hasses Oper „Orfeo“. 

 

 Georg Friedrich Händel ist mit drei Kostproben vertreten, der Arie „Pena tiranna“ aus der Oper „Amadigi die Gaula“, „Voi che udite il mio lamento“ aus „Agrippina“ und „Ah stigie larve!…Vaghe pupille“ aus „Orlando“. Jakub Józef Orlinski erweist sich hier als begnadeter Stilist, der lang geschwungene Phrasen mit traumwandlerischer Musikalität zu gestalten, die Stimmfarben den Affekten anzupassen sowie die selbst geschriebenen Verzierungen treffsicher und effektvoll zu setzen weiß.

 

Der „Altus“ Orlinski wollte sein neues Album „Gesichter der Liebe“ eigentlich „Forty Shades of Love“ nennen, am Ende fehlte dem ebenso für Gesang wie PR begabten Künstler aber der Mut. Oder besser gesagt: Er weiß offensichtlich, was er seiner Klientel schuldig ist und wo die Grenzen hin zu Trash liegen. 

 

Orlinski hat sich als erfahrene Partner die bestmöglichen ausgesucht. Das Instrumentalensemble Il Pomo d‘Oro unter der Leitung von Maxim Emelyanychev lässt die Musik tänzeln und Volten schlagen, setzt strikte Akzente, verzaubert aber vor allem mit einem dunklen Sehnsuchtsklang der Streicher. Neben der CD gibt es auch eine vorzüglich gepresste Ausgabe in 180g schwerem Vinyl. Fazit: Ein Album der Superlative.

 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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