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VINYL: ANTON BRUCKNER SINFONIE Nr. 5 in B-Dur (Originalfassung) – FRANZ KONWITSCHNY dirigiert das Gewandhausorchester Leipzig; Edel Kultur

22.10.2022 | cd

VINYL: ANTON BRUCKNER SINFONIE Nr. 5 in B-Dur (Originalfassung) – FRANZ KONWITSCHNY dirigiert das Gewandhausorchester Leipzig; Edel Kultur

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Je älter, desto mehr freut man sich, alten Freunden wieder zu begegnen. Zumal, wenn sie wie in dieser Wiederveröffentlichung der legendären Einspielung auf bestem Vinyl dank eines meisterlichen analogen Remasterings der Originalbänder so unwiderstehlich frisch, stolz und agil daherkommen. Die Aufnahme entstand im Juni 1961 in der Kongresshalle Leipzig und ist nun mithilfe der sorgfältigen Pressung in einer Tonqualität geboten, wie sie nie zuvor erhältlich war. Die dreidimensional wirkende Räumlichkeit des Klangs, die gewaltige Tiefenstaffelung und die Brillanz des Tons bewirken, dass die Streicher geheimnisvoll flirren, das Blech im unaufdringlich edlen Glanz erstrahlt und das stimmungsvolle „Holz“ das völlig rauschfreie Klangbild vervollkommnen.

Dem in Brünn geborenen Franz Konwitschny, in seinen Anfängen als Geiger und Bratscher im Gewandhausorchester engagiert, gelingt eine der dynamisch mächtig anregendsten, architektonisch stabilsten, feinst austariertesten und strukturell klarsten Interpretationen des Katalogs. Bis 1962 Gewandhauskapellmeister in Leipzig, hält Konwitschny eine enorme Spannung, die die berühmten Interpretationen etwa eines Jochum bei weitem übertrifft. Dem großen Drama im Fortissimo B-Dur des ausgehenden ersten Satzes mit Trompetenfanfaren und Paukengetöse setzt Konwitschny im starken Kontrast ein sehr langsames, aber dennoch kräftiges Adagio gegenüber.

Wenn Sie Bruckner von Furtwängler, Karajan und Wand mögen und Schallplatten die Treue bewahrt haben, werden Sie an dieser spektakulären Aufnahme nicht vorbeikommen, zumal keine CD der Welt imstande ist, einen solch üppigen Klangreichtum in Ihr Wohnzimmer zu wuchten.

Zum Werk selbst möchte ich historisch sehr aufschlussreich Walther Siegmund- Schultze zitieren, der 1974 anlässlich der Erstveröffentlichung – auch sehr passend zu unserer säkularen Welt- schrieb: „Es besteht für uns kein Grund, die choralmäßigen Bezüge der Fünften überzubetonen, ihnen eine übersinnliche, jenseits mystische Bedeutung zuzuschreiben. […]. Diese Musik ist groß durch ihre musikalische Substanz, durch ihre innere Logik, durch ihre äußere Harmonie. Sie erfordert einen willigen, aufgeschlossenen Hörer, der sich freilich der brucknerschen Eigenart willig zu überlassen bereit ist, nicht Intimität, Wärme und Innigkeit erwartet, während diese Musik vor allem Glanz und Repräsentation geben möchte, nicht konsequentes Kämpfertum und eine unerbittliche Lösung, sondern befriedigtes Einverständnis mit der Harmonie der Welt trotz aller Anfechtungen.“

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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