ALIK ABDUKAYUMOV und VINCENT SCHIRRMACHER im Gespräch am 1. Oktober in der Galerie des „Online-Merker“ / Strichelei
Beide Künstler kamen am Sonntagnachmittag zu einem launigen Künstlergespräch unter anderem mit dem Thema Premiere „Die Räuber“ (I masnadieri) von Giuseppe Verdi an der Wiener Volksoper. Die letzte Premiere dieser Oper, ebenfalls in deutscher Sprache an der Volksoper, war im Jänner 1964. Die Premiere der Neuinszenierung findet am 14.10.2017 statt.
Vincent Schirrmacher, Alik Abdukayumov. Foto: Herta Haider
Beide Sänger sind übrigens promovierte Akademiker. Mag. Dr (Germanistik) Alik Abdukayumov und Dr. Vincent Schirrmacher.
Zur Einstimmung sang Vincent Schirrmacher in italienischer Originalsprache „Nessun dorma“ , die Arie des Calaf Diese Rolle war einer seiner ganz großen Erfolge an der Volksoper und auch am Innsbrucker Landestheater. Alik Abdukayumov zeigte sehr erfolgreich seine komische Seite mit der Arie des Taddeo aus „Italiana in Algeri“, eine Rolle, in der man ihn gerne einmal hören und sehen sollte.
Begleitet wurde am Klavier erstmals von Mennan Berveniku aus den Kosovo. Der junge ausgezeichnete Pianist ist bereits Professor an der Muk.
Mag.Dr. Alik Abdukayumov. Foto: Herta Haider
Alik Abdukayumov sang die Baritonrolle des Francesco – Franz, (die Kanaille) bereits vor einigen Jahren an seinem Stammhaus, der Oper von Weimar in der italienischen Originalsprache. Da dies aber schon einige Jahre her ist, ist die Umstellung auf die von der Volksoper geforderte deutsche Sprache nicht allzu hart. Er meint, in Übersetzung ist jede Oper automatisch ein neues Stück, weil es durch die andere Sprache einfach anders stimmlich umzusetzen ist. Alik singt sehr gerne an der Volksoper, die Staatsoper ist natürlich ein unausgesprochenes Ziel. Auf der anderen Seite ist er aber auch froh, ein fixes Haus zu haben, weil die Situation für Sänger immer schwieriger wird und der freie Markt eine überaus harte Sache ist. Als nächstes ist in Weimar die Wiederaufnahme von Otello als „Jago“ besetzt, weiters „Conte Almaviva“ in „Nozze di Figaro“. Den Figaro hat er schon gesungen, seiner Ansicht nach ist der Conte aber die attraktivere Rolle – und auf diese freut er sich. Später kommt noch der Renato in „Ballo in maschera“. Abdukayumov fühlt sich sehr als „Verdi-Bariton“, und will noch in vielen Rollen dieses Komponisten auftreten, speziell natürlich wenn diese Herren doch keine „Bösewichter“ und zudem jung sind, wie etwa der „Posa“ Posa oder der „Carlo“ in „Ernani“.
An der Wiener Volksoper konnte man Alik Abdukayumov bereits als „Escamillo“, „Michele“ (Tabarro), „Germont pere“ erleben.
Dr. Vincent Schirrmacher. Foto: Herta Haider
Vincent Schirrmacher hat an der Volksoper bereits einige Premieren gesungen, nun ist er „Carlo“ – Karl (der Gute, na ja) in der Schiller-Vertonung. Eigentlich wurde er als Operettentenor engagiert. Das macht ihm auch Spaß, aber der Wunsch an diesem Haus auch Oper zu singen war immer da und wurde auch infolge seiner Hartnäckigkeit erfüllt. Durch die Operetten, die er heute ebenso noch gerne singt, ist ihm die deutsche Sprache natürlich gewohnt und geläufig. Der Karl ist seine dritte Verdi-Rolle in Wien, zuvor war er der „Duca“ in „Rigoletto“ und „Manrico“. Diese „Trovatore“ Produktion war aber in Originalsprache.
Im italienischen Fach war er weiters noch Rodolfo in der hervorragenden „Boheme“ Produktion aus den Achzigern, zuerst kam allerdings der „Cavaradossi“ in Tosca, (das war ein ganz großer Wunsch von ihm, der bald in der Direktion respektiert und erfüllt wurde). Dann sang er den „Calaf“ in Turandot, zuerst als Cover für Neil Shicoff mit einem Blitz-Einspring-Abend, der ein Triumph wurde sowie „Giuseppe Hagenbach“ in Catalanis selten gespielter Oper „La Wally“. In dieser Spielzeit kann man Vincent Schirrmacher weiters noch als Hoffmann, Hagenbach, und in den Operetten wie „Eine Nacht in Venedig“, „Die lustige Witwe“ erleben. ‚
Wünsche muss man natürlich auch haben, dazu gehört der „Andrea Chenier“ und in weiter Ferne vielleicht ein leichter Wagner.
Lustig finden es die beiden Kollegen und Freunde als Vater und Sohn in der „Fürst Igor“ Produktion der letzten Spielzeit gemeinsam auf der Bühne stehen zu können.
Für beide ist ein fixes Engagement sehr wichtig. Einzig schwieriger werden immer die Gastierurlaube, um auch an anderen Häusern zu singen. Da ist die Situation in Deutschland sogar noch etwas strenger als in Wien, weil an den deutschen Häusern offenbar aus Einsparungsgründen nicht mehr doppelt besetzt wird – und dann kann es eng werden. Wie zum Beispiel auch jetzt, denn während der Proben zu den „Räubern“ musste Alik Abdukayumov immer wieder für zwei oder mehr Tage in sein Stammhaus Weimar nach Deutschland zurück, um dort seine Rollen zu singen.
Mit der deutschen Sprache in einer italienischen Oper haben beide kein Problem, sie empfinden es sogar als eine Art „Jobsicherung“. So schnell treibt wohl kein Opernhaus Sänger auf, die diese ohnedies nicht sehr geläufigen Rollen in deutscher Sprache singen können.
Abschließend bleibt noch zu vermerken, dass beide Sänger „einen guten Schmäh drauf haben“, durch den sich eine unterhaltsame und ganz lockere Atmosphäre entwickelte.
Toi, Toi, Toi für die Premiere und die Folgevorstellungen! Alik Abdukayumov ist nur bei diesen dabei, in der Premiere singt Boaz Daniel seine Rolle
Das Gespräch führte Elena Habermann am 1.10.2017