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Film: VERSCHWÖRUNG

18.11.2018 | FILM/TV, KRITIKEN

Filmstart: 23. November 2018
VERSCHWÖRUNG
The Girl in the Spider’s Web / USA / 2018
Regie: Fede Alvarez
Mit: Claire Foy, Christopher Convery, Sverrir Guðnason, Sylvia Hoeks, Lakeith Stanfield u.a.

Nun begegnen wir Lisbeth Salander, dem verschlossenen Computer-Genie, bereits zum dritten Mal auf der Leinwand. Und es ist diesmal absolut nicht das Rechte. Aus vielen Gründen. Erstens hat die Fortsetzung der so genannten „Millenium-Trilogie“ von Stieg Larsson, die nach seinem Tod eher aus finanziellen Erwägungen denn aus künstlerischer Notwendigkeit erfolgte, mit dem neuen Autor David Lagercrantz viel an innerer Spannung verloren.

Das Original waren drei Bücher, in denen der Autor mit inner-schwedischem Schmutz aufgeräumt hat (auch sie haben eine teilweise unschöne Vergangenheit im Zweiten Weltkrieg, auch sie „packeln“ mit der russischen Mafia), und er tat es für absolut jeden Leser atemberaubend spannend. Nicht zuletzt wegen der Figuren der geheimnisvollen Einzelgängerin Lisbeth Salander mit der schmerzenden Seele und dem aufrechten Journalisten Mikael Blomkvist: Schöner als in der schwedischen Fernsehserie mit Noomi Rapace und Michael Nyqvist war das nie besetzt (2009). Dann mussten die Amerikaner natürlich ihr Remake machen, das David Fincher  mit Rooney Mara als Lisbeth Salander und Daniel Craig als Mikael Blomkvist nicht gleich glanzvoll geriet, aber man hielt sich an die Darsteller.

Aber nun bekommt man von dem Stieg Larsson-Nachschreiber David Lagercrantz eine entschieden schwächere Geschichte – und auf der Leinwand auch keine überzeugende Besetzung der Hauptrolle mehr. Also, was soll’s? Denn dass Lisbeth Salander engagiert ist, ein Computerprogramm zu zerstören, das ist heutzutage eine Allerweltsgeschichte. Auch, dass alle möglichen Leute (wo sind in dieser Welt die Guten, wo die Bösen, damit man sich als unschuldsvoller Zuseher auskennen kann?) das zu verhindern suchen, versteht sich – schließlich konnte man damit alle Nuklearraketen der Welt kontrollieren, was schon wieder nach James Bond klingt…

Die NSA (also der Auslandsgeheimdienst der USA) schickt einen Agenten, um das zu verhindern (Lakeith Stanfield). Und Lisbeth, nicht gerade für ihre Empathie bekannt, bekommt noch ein Kind aufgelastet – Frans Balder (Stephen Merchant), der sie engagiert hat, wird ermordet, der überkluge kleine Sohn, wie das in Filmen schon einmal ist (der zehnjährige Christopher Convery als August Balder), wäre das Opfer aller Begehrlichkeiten, hat er doch jene Codes im Kopf, ohne die man in Papas System nicht hineinkommt… Jetzt muss Lisbeth, die alle auch für Papa Balders Mörderin halten, noch den Jungen retten – und hat die schwedischen Behörden in Gestalt einer unfreundlichen Ermittlerin (Synnøve Macody Lund) auf den Fersen, die aber eigentlich mit der Bösewichtin paktiert…

Ja, das alles reicht noch nicht! Lisbeths bitterböser Vater ist ja noch in den Originalromanen grausam auferstanden, wollte sie grausam umbringen und ist selbst grausam umgekommen (diese skandinavischen Krimis sind so was von hart) – aber Rückblenden auf zwei kleine Mädchen zeigen, dass es da noch eine Schwester gab. Und, man verrät damit absolut nichts Überraschendes, denn es liegt so etwas von auf der Hand – am Ende ist gerade diese Camilla das bitterböse Mastermind (Sylvia Hoeks mit entstelltem Blondinengesicht), das hinter der Hatz nach dem Computerprogramm steckt…

Mehr simple Klischees hat man selten aufgehäuft gefunden (oder nur in C-Movies), und auf die einst so wichtige Figur des Mikael Blomkvist (Sverrir Guðnason, der als Björn Borg im Kino viel mehr zeigen konnte und viel interessanter war) hat das Drehbuch fast vergessen…

Es ist also weder interessant noch spannend, was Regisseur Fede Alvarez auch als Mit-Drehbuch-Autor zusammen gebastelt hat (also auch für viele schlampige Übergänge zuständig!), aber vielleicht wäre das Ergebnis nicht so kläglich, hätte man eine glaubhafte, prickelnde, faszinierende Lisbeth Salander zu bieten gehabt. Aber in welcher Rolle hat man Claire Foy zuletzt gesehen? Als die beherrschte, vernünftige Gattin von Mondfahrer Neil Armstrong in „Aufbruch zum Mond“. Sie hat sich zwar einen stark-muskulösen Körper antrainiert, aber eigentlich hat Lisbeth ja in erster Linie ein Köpfchen zu bieten (und das müsste man ihr glauben). Einfach mit starrer Miene ist ihrer schmerzlichen Verschlossenheit nicht beizukommen, wenn man eine wirklich abgründige Persönlichkeit zeichnen will – hier zeigt es sich ganz deutlich. Man bekäme keine Idee davon, wie berühmt diese Lisbeth Salander in der Krimi-Literatur und auf der Leinwand längst ist, wenn man das starre Gesicht der Claire Foy sieht.

Damit verliert die ganze „Verschwörung“ ihren Reiz, und ob es da eine Fortsetzung gibt, möchte man bezweifeln.

Renate Wagner

 

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