Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

VERONA/Arena: NABUCCO am 9.9.2026. Zu vordergründig modernistisch

11.09.2026 | Oper international

VERONA/Puccini-Festival: NABUCCO am 9. September 2026

 Zu vordergründig modernistisch

sirri
Foto: Billand

Die Fondazione Arena di Verona wartet nach der „Aida“ nun mit einer weiteren hypermodernen Produktion von Stefano Poda für Giuseppe Verdis „Nabucco“ auf. Sie geriet – gerade vor dem Hintergrund der Tradition der legendären Arena di Verona und ihrer antiken Ästhetik – zu einer szenischen Enttäuschung. Man erlebt einen unglaublichen Aufmarsch von Kostümen, die wie Bühnenbild, Licht und Choreografie ebenfalls von Poda geschaffen wurden. So entstehen bei einer Unzahl von Choristen, Tänzern und Statisten durchaus phantasievolle Bilder und Massenszenen, oft aber dramaturgisch kaum nachvollziehbar. Man konnte allzu oft – wie schon bei Podas „Aida“ – die Protagonisten kaum orten.

enabu
Foto: Ennevi

Es wird im Wesentlichen Wert gelegt auf Show-Effekte. Man will offenbar zeigen, dass Technologie entscheidend Einzug gehalten hat in die menschliche Sphäre. Aber der eigentliche Gehalt des Stückes geht dabei fast völlig verloren. Die Problematik der Beziehung zwischen Nabucco und Abigaille einerseits sowie Fenena andererseits wird gar nicht recht offenkundig. Emotionen entwickeln sich kaum, sie werden von den bisweilen allzu vordergründigen Show-Effekten stark überlagert. Ein solcher Inszenierungsstil scheint nicht das richtige Modell für die Arena zu sein. Man wollte hier offenbar auf Modernität setzen, auch um ein neues Publikum, insbesondere auch jüngere Leute, anzulocken. Dieser Approach scheint nicht unbedingt zielführend.

Musikalisch war dieser „Nabucco“ hingegen recht gut. Sebastiano Rolli dirigierte das Orchestra di Fondazione Arena di Verona und wusste zumindest musikalisch die Höhen und Tiefen des Werkes voll auszuloten. Auch der stimmstarke und mit viel Emotion singende, im Halbrund der Arena weit verteilte Chor, von Roberto Gabbiani einstudiert, sang unter Rollis Leitung beeindruckend. So wurde das „Va pensiero…“ zu einem markanten Höhepunkt des Abends, aber auch zu einem wohltuenden Innehalten vom heftigen Treiben auf der Bühne.

enavu
Foto: Ennevi

siri
Maria José Siri. Foto: Billand

Luca Salsi war stimmlich wie darstellerisch, soweit ihm ein Absetzen von der großen Masse gelang, einfach Weltklasse. Das trifft auch auf Maria José Siri mit ihrer Abigaille zu, die einmal mehr bewies, dass sie zu den ganz großen Stars unter den Sängerinnen in der Arena gehört – und das schon seit vielen Jahren. Mit sehr guter Tongebung und großer Dramatik gestaltete sie die Rolle beeindruckend. Annalisa Stroppa sang die Fenena zwar mit schönen Farben, ging aber im Getümmel von allen am meisten unter. Sie konnte sich als wichtiger Charakter in dieser Produktion somit kaum profilieren. Michele Pertusi war ein schon etwas in die Jahre gekommener Zaccaria. Er verfügt über einen stabilen Bass, der bei durchaus kraftvoller Tongebung jedoch nicht sehr facettenreich klingt. Galeano Salas sang einen klangvollen Ismaele, wurde aber als Solist von der Regie ebenfalls vernachlässigt. Gabriele Sagona war der Gran Sacerdote di Belo, Carlo Bosi der Abdallo und Elisabetta Zizzo die Anna.

siriiu
Schlussapplaus. Foto: Billand

Ein musikalisch überzeugender „Nabucco” in der Arena di Verona. Die Fondazione sollte aber vielleicht etwas über den Poda-Inszenierungsstil an diesem so besonderen Ort nachdenken.                                                                                                       

 

Klaus Billand

 

Diese Seite drucken